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Nach rund 4-jähriger Bauzeit wurde im Juni 2017 die Neubaustrecke der DB Netz AG zwischen Laufach und Heigenbrücken (Landkreis Aschaffenburg) in Betrieb genommen. Die rund 7 Kilometer lange neue Trasse führt durch insgesamt 4 Tunnel in je 2 eingleisigen Röhren und Trogbauwerken. Längster Tunnel ist der Falkenbergtunnel mit einer Länge von 2623 m. Daneben gibt es noch die Tunnel Hain (Länge 745m), Metzberg (Länge 629 m) und Hirschberg (Länge 525 m). Zwischen Laufach und Heigenbrücken werden dabei rund 100 Höhenmeter überwunden. Die Höchstgeschwindigkeit für die Züge beträgt 150 km/h. Im Zuge des Tunnelbauprojektes musste auch die Alarmierungsplanung komplett neu überarbeitet und an die Richtlinie „Anforderungen des Brand- und Katastrophenschutzes an den Bau und Betrieb von Eisenbahntunneln“ des Eisenbahnbundesamtes angepasst werden.

So wurden die in die Erstalarmierung eingebundenen Feuerwehren Laufach, Heigenbrücken, Hösbach, Heinrichsthal, Sailauf, Rothenbuch und Waldaschaff, die sog. Tunnel-Basiseinheiten jeweils mit folgender ergänzender bahnspezifischer Zusatzausrüstung ausgestattet:
4 Stück Langzeitatemschutzgeräte, 4 Stück Sauerstoffselbstretter, 1Wärmebildkamera, 2 Digitalfunkgeräte, spezielle Kennzeichnungslichter

Des Weiteren wurden vom 25.09.17 bis 29.09.2017 insgesamt 10 Feuerwehrleute als „Multiplikatoren“ bei der International Fire Academy (IFA) in Balsthal (Schweiz) in der Bekämpfung von Bränden und Rettung von Personen aus unterirdischen Verkehrsanlagen ausgebildet. Die Kosten für diese Ausbildung wurde einmalig von der Regierung von Unterfranken übernommen. Weitere, aus Sicht der Kreisbrandinspektion und der bisherigen Teilnehmer notwendige Fortbildungen für Atemschutzgeräteträger in diesem schweizer Ausbildungszentrum sind hier unerlässlich. Aktuell erstellt die Kreisbrandinspektion Aschaffenburg in Absprache mit dem Landratsamt Aschaffenburg noch einen Katastrophenschutz-Sonderalarmplan für die Neubaustrecke Laufach-Heigenbrücken.

Am Samstag, 04.11.2017 fand nun eine ganztägige Fortbildung für die Tunnelbasiseinheiten und weiterer Feuerwehren statt. Ziel des Fortbildungstages war die Vorgehensweise bei Bränden in Tunnelbauwerken sowie die technische Hilfe in und an Zügen in Tunneln. Dies war möglich, da die Neubaustrecke zwischen Laufach und Heigenbrücken wegen Gleisbauarbeiten gesperrt war. Die DB Regio AG hat eigens für die Übungen 2 Züge ungefähr in die Mitte der Nordröhre des Falkenbergtunnels gefahren. In den im Tunnel „geparkten“ Zügen simulierten Statisten sowie Puppen die Verletzten bzw. betroffenen Zugreisenden. Um das Schadenszenario optimal darzustellen, kamen auch zwei Feuerlöschtrainer und Nebelmaschinen zum Einsatz.

Bei Einsätzen in Tunnelbauwerken gehen zunächst Erkundungstrupps unter Atemschutz mit Wärmbildkameras und „Blindensuchstöcken“ in den Tunnel vor, um dem Einsatzleiter erste Lagemeldungen zu übermitteln. Verletzte werden von diesen Trupps nicht gerettet, sondern mit speziellen Kennzeichnungsleuchten versehen, damit sie von den nachfolgenden Such- und Rettungsmannschaften schneller gefunden werden.

Löschen um zu Retten ist die Devise der schweizer Ausbilder, die das aus eigenen Erfahrungen gelernt haben. Das Feuer muss möglichst schnell gelöscht werden, um die Hitze und den Rauch im Tunnel zu verringern. Dies erhöht drastisch die Überlebenschancen der im Tunnel verbliebenen evtl. verletzten Menschen. Auch die Tunnelstruktur muss gekühlt werden um ein Abplatzen des Betons zu verhindern. Das ist auch ein Sicherheitsgewinn für die vorgehenden Retter. Das Löschwasser wird dabei aus der vorhandenen Steigleitung entnommen, die von außen befüllt werden muss.

Aufgabe der Such- und Rettungstrupps ist die Suche und Rettung von im Zug und im Tunnel verbliebenen Personen. Ein Großteil der Zuginsassen wird versuchen, sich selbst aus dem Zug und dem Tunnel zu retten. Jedoch wird immer ein Teil im Zug oder Tunnel zurückbleiben. Diese Personen müssen von den Rettungskräften gerettet werden. Dabei kommen u.a. Schleifkorbtragen zum Einsatz. Besondere Schwierigkeiten sind hier die Länge der Züge (ein ICE 3 Doppelzug kann bis zu 400 Meter lang sein) und die Länge des Tunnels.

All diese Szenarien waren Teil der Fortbildungsveranstaltung, an der insgesamt rund 150 Feuerwehrleute aus den Feuerwehren Bessenbach, Goldbach, Großostheim, Heigenbrücken, Heinrichsthal, Hösbach, Hösbach-Bahnhof, Hohl, Jakobsthal, Laufach, Neuhütten (Lkr. Main-Spessart), Rothenbuch, Rothengrund, Sailauf, Unterafferbach, Waldaschaff, Wenighösbach und Wenigumstadt sowie der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg teilgenommen haben. Vorbereitet wurde der Fortbildungstag von Kreisbrandinspektor Otto Hofmann (Waldaschaff) in dessen Zuständigkeitsbereich die Neubaustrecke liegt und von Kreisbrandmeister Udo Schäffer (Hösbach), der für die Ausbildung an Bahnanlagen verantwortlich ist. Der für den Atemschutzbereich verantwortliche Kreisbrandmeister Peter Schmitt (Goldbach) überwachte die richtige Vorgehensweise der Atemschutztrupps. Um die Verpflegung der Übungskräfte kümmerte sich der Verpflegungszug der Feuerwehren Hohl und Unterafferbach. Die DB Netz AG, Regionalbereich München war mit 20 Personen am Übungstag anwesend. So waren neben der Übungsleiterin Gabriele Bauer auch verantwortliche Projektleiter der Neubaustrecke Laufach – Heigenbrücken vor Ort. Außer Vertretern der Integrierten Leitstelle Bayerischer Untermain waren auch Führungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes und der Polizei vor Ort. Frank Heim von der Autobahndirektion Nordbayern informierte sich ebenfalls über das Vorgehen bei Einsätzen in Tunnelanlagen.

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Text : Thomas Rollmann, Kreisbrandmeister und Pressesprecher der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg

Bilder: Markus Fischer, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg