Über den Großbrand in Stockstadt am Main, welcher am späten Nachmittag des Ostersonntags ausbrach und für einen bis zu 16 stündigen Stromausfall in einige Landkreisgemeinden sorgte, haben wir ja bereits ausführlich berichtet. Hier an dieser Stelle, wollen wir Ihnen zuerst von den Einsatzschwerpunkten in den betroffenen Gemeinden berichten. Im zweiten Teil erfahren Sie etwas über die Einsatzplanung und Einsatzvorbereitung der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg, welche zusammen für alle Feuerwehren im Landkreis Aschaffenburg, schon vor vielen Jahren getätigt und umgesetzt wurde.

Beginnen wir aber hier einmal mit dem Osterwochenende 2018

Nach dem Stromausfall in den Gemeinden, wurden automatisiert nach dem Einsatzkonzept „Stromausfall“, die Feuerwehrgerätehäuser in den betroffenen Gemeinden besetzt. Diese dienen dann als Anlaufstellen für Bürger, welche Hilfe benötigen. Wir sprechen hier von „Leuchttürmen“ oder „Meldestellen“. Da vor allem die Stadt Alzenau betroffen war, wurde dort zusätzlich die Gemeindliche Führungsstelle, kurz GFS, im Feuerwehrgerätehaus Alzenau besetzt. In Kahl wurde ebenfalls das Gerätehaus besetzt, in Karlstein war lediglich das Wasserwerk betroffen, so dass hier keine Meldestelle eingerichtet werden musste. Folgende Tätigkeiten waren durch die Feuerwehren zu leisten, wobei anzumerken ist, dass alle diese Wehren auch in Stockstadt im Einsatz eingebunden waren. 

Alzenau Stadt: Betrieb der GFS, Koordinierung der Einsatzkräfte in allen Stadtteilen, Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 23:00 Uhr war die Stromversorgung in der Stadt wieder hergestellt. 

Alzenau Hörstein: Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 20:00 Uhr war die Stromversorgung wieder hergestellt. In Alzenau-Süd blieben die Lichter weiter zeitweise aus, ein großes Zentrallager rief um Hilfe, da der Kraftstoff für deren Netzersatzanlagen (Kühlhäuser) zu neige ging. Hier wurde zusammen mit den Landratsamt die Lieferung von Kraftstoff, noch in der Nacht von Sonntag auf Montag, organisiert. 

Alzenau Wasserlos: Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 19:30 Uhr war die Stromversorgung wieder hergestellt. Hier wurde Kontakt mit dem Krankenhaus aufgenommen, dort lief die Netzersatzanlage Problemlos und versorgte das gesamte Gebäude mit Strom. 

Alzenau Kälberau: Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 10:00 Uhr am Montagmorgen, war die Stromversorgung wieder hergestellt. Mit fast 15 Stunden war Kälberau mit am stärksten betroffen. Vor allem am Morgen des Montags wurden die Anfragen aus der Bevölkerung immer mehr. 

Alzenau Michelbach: hier liegen uns keine Informationen vor

Alzenau Albstadt: Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 09:15 Uhr  am Morgen war die Stromversorgung wieder hergestellt. Wie in Kälberau auch, fuhr die ganze Nacht, in regelmäßigen Abständen, ein Feuerwehrfahrzeug durch die Straßen. Auch hier wurden am morgen dann die Anfragen deutlich mehr. 

Kahl am Main: Betrieb einer Meldestelle für die Bevölkerung im Gerätehaus. Ab ca. 10:30 Uhr am Morgen war die Stromversorgung wieder hergestellt. In Kahl kam es zu folgenden Vorfällen, eine Person welche an einem Heimbeatmungsgerät hing, meldete eine Rest Akku Laufzeit von 2 Stunden. Von Seiten der Feuerwehr wurde ein Notstromaggregat vorbereitet um den Patienten versorgen zu können. Letztendlich entschied man aber ihn aus Sicherheitsgründen in ein Krankenhaus einzuliefern. 

Am Montagmorgen um ca. 08:30 meldete sich die Seniorenresidenz bei der Feuerwehr. Die Abwässer der Küche und der Wäscherei werden über ein Hebewerk der Kanalisation zugeführt. Durch den Stromausfall waren die Pumpen ohne Funktion und der Pumpenraum wurde ca. 1m hoch mit Abwasser überflutet. Da das Abwasser nicht mehr abgepumpt wurde, konnte die Küche nicht in Betrieb genommen werden und es drohte das Frühstück für die Bewohner auszufallen. Die Feuerwehr brachte eine Pumpe zum Einsatz um das Wasser abzupumpen. 

Karlstein: Vom Stromausfall betroffen war nur das Wasserwerk mit seiner Technik, Filteranlagen vielen aus. Nach dem der Strom wieder da war, konnte alles neu gestartet werden. Der Betrieb einer Meldestelle war nicht erforderlich. 

Kleinostheim: Hier löste auf Grund von Stromschwankungen im Netz, die Chlorgaswarnanlage im „Vitamar“ aus. Die gerufene Feuerwehr konnte keinen Chlorgasaustritt bestätigen, so dass der Einsatz sehr schnell abgebrochen wurde. 

Landratsamt Aschaffenburg: Die Kreiseinsatzzentrale im Landratsamt, war die ganze Nacht hindurch mit einer kleinen Mannschaft besetzt. Von dort aus wurden viele Kleinigkeiten koordiniert und alle Informationen zusammengetragen. Auch erfolgte dort eine Dokumentation über die Ereignisse und die Steuerung der KATWARN Meldungen. 

Alles in allem bleibt zu erwähnen, dass es zu keinen kritischen Situationen in den Gemeinden kam. Teilweise 16 Stunden ohne Strom, kennen viele Bürger heute nicht mehr und sind auch nicht darauf vorbereitet! Darüber nachzudenken, was alles passiert wäre, wenn der Strom noch länger ausgefallen wäre oder dies an einem normalen Werktag geschieht, sparen wir uns lieber. 

Wie ist der Landkreis Aschaffenburg auf solche Situationen vorbereitet?

Seite mehreren Jahren gibt es ein Einsatzkonzept „flächendeckender Stromausfall“. Auf dieses Konzept wurde auch am Osterwochenende zurückgegriffen. Neben der Information der Bevölkerung über zum Beispiel KATWARN und öffentliche Medien, sind auch hier Dinge geregelt, wie sich die Feuerwehren in den betroffenen Bereichen zu verhalten haben. 

Als vorbereitende Maßnahmen sind hier Dinge genannt, wie die Installation einer Einspeisevorrichtung für Notstrom und die Vorhaltung eines entsprechenden Aggregates um das Feuerwehrgerätehaus versorgen zu können. Bei größeren Gerätehäusern (ab etwa 7 Stellplätze) muss sogar eine stationäre Notstromversorgung (Netzersatzanlage) vorhanden sein. Ebenfalls sind hier Dinge wie eine USV zur Sicherstellung der unterbrechungsfreien Kommunikation obligatorisch.  

Hier können wir sagen, dass mittlerweile fast alle Gerätehäuser im Landkreis Aschaffenburg, ihre Funktion als „Leuchtturm“ wahrnehmen können. 

Warum Leuchtturm? Wo geht man hin, im Dunkeln, wenn man Hilfe braucht? Wahrscheinlich immer dort wo Licht ist. In größeren Gemeinden, werden zusätzlich zu den Gerätehäusern, noch mobile Meldestellen eingesetzt. Diese bestehen im besten Fall durch ein Feuerwehrfahrzeug, welches mit eingeschalter Beleuchtung und durch eine Blinklampe gekennzeichnet, an einem möglichst vorher festgelegten und der Bevölkerung bekanntem punkt, steht. An diese Meldestellen oder Leuchttürme können sich alle Bürger wenden, welche Hilfe benötigen oder Fragen haben. 

Man sollte beachten, dass in der heutigen Zeit der IP Telefonie, bei einem Stromausfall, die meisten Telefone nicht mehr funktionieren. Auch wird das Mobilfunknetz nach kürzester Zeit nicht mehr in der gewohnten Qualität, bzw. auch relativ schnell gar nicht mehr, funktionieren. Hier bleiben Kommunikationsmöglichkeiten nur noch über diese Leuchttürme und Meldestellen, als letzte Möglichkeit vorhanden.

Wie kann die Bevölkerung informiert werden? Zum einen gibt es hier die klassischen Dinge wie der Rundfunk, hierzu benötige ich aber einen analogen und  Batterie betriebenen Radioempfänger. Kein DAB Radio und keine Internet Tunnel Radio, sondern ein klassisches UKW Radio. Aufgefordert zum einschalten des Radios werden die Bürger einmal über KATWARN (sofern das Mobilfunknetz noch funktioniert), bzw. über das Sirenensignal „Warnung der Bevölkerung“ sofern die Sirenen über Notstrom verfügen. Eine weitere aber sehr zeitaufwendige Möglichkeit ist der Einsatz von mobilen Sirenenanlagen mit Durchsagemöglichkeit, allgemein „Lautsprecherwagen“ genannt. Diese Fahrzeuge bzw. Module sind flächendeckend vorhanden und müssen dann Straße für Straße abfahren und die Bevölkerung informieren. 

Da auch die Alarmierung der Feuerwehrleute irgendwann zum Problem wird, sind ab einem gewissen Punkt „Sitzbereitschaften“ in den Gerätehäusern vorzuhalten. Das heißt, dass je nach Größe und Aufgabengebiet einer Feuerwehr, mehr oder weniger Einsatzkräfte rund um die Uhr die Gerätehäuser besetzten müssen. Zusätzlich zum Betrieb des Leuchtturm! 

Je länger ein solcher Stromausfall dann andauert, um so schwieriger wird auch die Versorgung der Bevölkerung. Tankstellen werden nicht mehr funktionieren, Lebensmittel Discounter werden schließen, denn ohne Strom gehen keine Kassen, keine Kühlung und die Türen gehen auch nicht mehr auf. Bargeldzahlung ist aber auch nicht möglich, da die Geldautomaten auf der Bank auch nicht mehr gehen! Denken Sie mal einfach darüber nach. 

Wie kann ich als Bürger mich darauf vorbereiten?

Es gibt hier viele Infobroschüren und Flyer, eine kleine Auswahl haben wir hier mal zusammengestellt. Informieren Sie sich bitte vorher und legen Sie Vorräte an, der nächste Stromausfall kommt bestimmt, dass garantieren wir Ihnen! 

Bis hierher haben wir nur den Stromausfall und mögliche Auswirkungen im privaten beleuchtet. Sind Sie Chef einer Firma oder im Betrieb für solche Szenarios verantwortlich, dann spielen Sie mal ein solchen „Black Out“ in ihrem Betrieb durch, am besten an einem Werktag, bei laufender Produktion, von 100 auf 0 in einer Sekunde und einer Dauer von 20 bis 30 Stunden, mehr nicht. 

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 

Flyer Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe 

http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Publikationen/Broschueren_Flyer/Fly er_Stromausfall.pdf?_blob=publicationFile 

Ratgeber für die persönliche Notfallvorsorge 

http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Publikationen/Broschueren_Flyer/Rat geber_Brosch.pdf?_blob=publicationFile 

Krisenhandbuch Stromausfall für Behörden (am Bsp. Baden-Württemberg) 

http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Publikationen/PublikationenKritis/Kris enhandbuch_Stromausfall_Kurzfassung_pdf.pdf?_blob=publicationFile 

Krisenhandbuch für Betriebe und Konzerne 

http://www.hisolutions.com/DE/Service_Dokumente/Blackout-Management_Leitfaden_Stromausfall.pdf 

Für Rückfragen stehen wir wie immer gerne und jederzeit zur Verfügung. Wenden Sie sich bitte in dieser Sache bitte zuerst ausschließlich via Mail an uns unter: 

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gez. Andreas Emge

Pressesprecher Kreisbrandinspektion Aschaffenburg