Auf der Kommandanten- und Verbandsversammlung am Freitag, 10.03.2017 in Weibersbrunn wurde Kreisbrandrat Karl-Heinz Ostheimer einstimmig als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Aschaffenburg e.V. wiedergewählt. Auch sein bisheriger Stellvertreter Frank Wissel sowie Schatzmeister Robert Etzel und Schriftführer Thorsten Trapp erhielten von den 124 Wahlberechtigten jeweils ein einstimmiges Votum.

Die Versammlung begann nach einem kurzen Grußwort des Weibersbrunner Bürgermeisters Walter Schreck mit dem Jahresbericht des Kreisbrandrates.

Im Landkreis Aschaffenburg leisteten zum 31.12.2016 insgesamt 2519 Männer und Frauen in 62 Freiwilligen Feuerwehren und 3 Werkfeuerwehren Feuerwehrdienst. Das sind 32 weniger als im vergangenen Jahr, so Kreisbrandrat Karl-Heinz Ostheimer. Die Frauenquote betrug mit 331 Frauen knapp über 13 Prozent. 582 Jugendliche sind in den Jugendfeuerwehren aktiv. Die Anzahl der Atemschutzgeräteträger habe in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Während zum Jahresende 942 Atemschutzgeräteträger zur Verfügung gestanden haben, seien es m Jahr 2013 noch 1045 gewesen.
Dieser Abwärtstrend müsse gestoppt werden, appellierte Ostheimer an die die Versammlung. Er forderte alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gemeinsam mit ihren Wehrführungen und den Vereinsvorstandschaften auf, die Feuerwehrfrau und den Feuerwehrmann in den Vordergrund zu stellen.

„Stärken Sie überall wo es nur geht das besondere Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehren. Hier ist in den Gemeinden Kreativität und Anstrengung erforderlich. Wenn es nicht genug ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt, dann nützt es auch nichts, Fahrzeuge zu kaufen und neue Feuerwehrgerätehäuser zu bauen.“ Hier sei die Politik, Bürgermeister und Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und Feuerwehr gleichermaßen gefordert, so Ostheimer.

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 4.198 Einsätze zu bewältigen, das waren durchschnittlich mehr als 11 Einsätze pro Tag.

Neben 426 Brandmeldungen wurden 2712 technische Hilfeleistungen abgewickelt. Hinzu kamen 394 Fehlalarmierungen, wobei hier der größte Teil durch Fehlauslösungen von Brandmeldeanlagen verursacht war. Den größten Anteil an den technischen Hilfeleistungen hatte der Verkehr. Mehr als 1000 Einsätze waren bei Verkehrsunfällen mit Straßen- Schienen und Luftfahrzeug, Ölspuren auf Straße, auslaufender Treibstoff usw. erforderlich.

An zweiter Stelle standen die 633 First-Responder-Einsätze, gefolgt von den mehr als 400 wetterbdingten Einsatzlagen, wie Hochwasser, Sturm- und Unwetterschäden usw.. Der Rest der Hilfeleistungen verteilte sich auf das breite Aufgabenfeld der Feuerwehren.

Bei 160 Feuerwehr-Sicherheitswachen produzierte die Feuerwehr präventiv Sicherheit für die Mitbürger, insbesondere bei der Absicherung von Veranstaltungen. Außerdem wurden 506 sonstige und freiwillige Tätigkeiten von den Feuerwehren erbracht.


18 Menschen wurden bei Bränden aus der Gefahr ohne den Einsatz von Feuerwehrleitern gerettet. 22 Personen mussten über Feuerwehrleitern sowohl bei Bränden als auch bei technischen Hilfen gerettet werden.

Bei den unterschiedlichsten technischen Hilfeleistungen konnten 107 Menschen gerettet werden, bei 25 Personen kam leider die Hilfe vergebens.

228 Menschen wurden während Feuerwehreinsätzen betreut und versorgt.

458 Menschen erlebten bei First-Responder-Einsätzen ihre Feuerwehr als Helfer in höchster Not. Aber auch hier konnte bei 38 Menschen keine Hilfe mehr geleistet werden.

Bis Mitte letzten Jahres sei der Digitalfunk flächendeckend im Landkreis eingeführt worden. Dennoch könne noch nicht ganz auf den 4-m Analogfunk verzichtet werden. Jede Feuerwehr sollte im Gerätehaus und in einem Führungsfahrzeug noch ein 4-m Funkgerät haben, das auch FMS-tauglich ist. Im Digitalfetz komme es gelegentlich noch zu Ausfällen, die so kompensiert werden können. Die Einführung der digitalen Alarmierung werde wohl bis 2019 dauern.


2016 zahlte der Landkreis erstmals einen jährlichen Zuschuss für die ordnungsgemäße Unterbringung notwendiger überörtlicher Fahrzeuge und Gerätschaften an die Gemeinden aus. Hierfür sei die Richtlinie zur Kreisförderung überörtlich notwendiger Fahrzeuge erweitert worden. Da die Unterbringung aller überörtlicher Fahrzeuge und Gerätschaften noch nicht sichergestellt sei, können sich Gemeinden für die Schaffung neuer Stellflächen auch den jährlichen Zuschuss für 25 Jahre im Voraus als Investitionshilfe auszahlen lassen.

Dieses Angebot zeige Wirkung. Sowohl der Markt Goldbach wie auch der Markt Großostheim hätten bereits reagiert und erweitern ihre Gerätehäuser mit staatlicher Förderung und der Investitionshilfe des Landkreises, um für eine ordnungsgemäße Unterbringung der bisher im Freien stehenden Abrollbehälter und Anhänger zu sorgen.

Der Markt Mömbris werde übergangsweise eine Halle in der Nähe des Feuerwehrhauses Hohl anmieten und dort überörtliche Gerätschaften zunächst ordnungsgemäß abstellen, bis mit einem neuen gemeinsamen Gerätehaus für die Feuerwehren im Hutzelgrund notwendige eigene Flächen vorhanden seien.


Mitte des Jahres fahren die ersten Züge durch die vier neuen Eisenbahntunnel im Spessart. Dafür werde ein fachdienstübergreifender Alarm- und Einsatzplan entwickelt, der alle möglichen Szenarien vorplant.

Die betroffenen Feuerwehren im Umfeld der Tunnel erhalten eine tunnelspezifische Ausrüstung. So werden die Löschgruppenfahrzeuge der Feuerwehren Hösbach, Sailauf und Laufach für die westlichen Angriffswege und die Löschgruppenfahrzeuge der Feuerwehren Heinrichsthal, Heigenbrücken und Rothenbuch für die östlichen Angriffsweg mit zusätzlichen Geräten, insbesondere im Bereich Atemschutz, auf Kosten der Bahn aufgerüstet.

Für die Ausbildung in der Eisenbahntunnelbrandbekämpfung sei beim Freistaat eine Ausbildung von Multiplikatoren beantragt worden. Im Frühjahr werden die betreffenden Feuerwehren in die Sicherheits- und Brandschutzeinrichtungen der Tunnel eingewiesen und geschult

„Ausbildung ist ein ganz wichtiger Punkt bei den Feuerwehren - nur wenn wir uns gut auf die Einsätze vorbereiten, können wir gute und professionelle Hilfe leisten“, so Ostheimer. Die vielen angebotenen Lehrgänge und Seminare würden gut angenommen.


Ein besonderes Anliegen ist Ostheimer derzeit die Bundeswasserstraße Main. „Ich denke, bei dem Gefahrenpotential, das die Bundeswasserstraße mit sich bringt, müssen wir dem etwas mehr Aufmerksamkeit widmen. Bisher hatten wir Glück.“ Hier müsse die lückenhafte Ausbildung verbessert werden. Schon im letzten Jahr wurden einzelne Fortbildungen für Führungskräfte zu Binnenschiffen angeboten worden, weitere sollen folgen.

Die Atemschutzgeräteträger müssen in der Schiffsbrandbekämpfung fortgebildet werden. Für dieses Jahr sind Fortbildungen auf einem Übungsschiff in Mannheim gebucht. Er bat die Feuerwehren dieses Angebot anzunehmen.

Ebenso ist die Ausrüstung für Einsätze auf dem Main zu prüfen. Die Ölwehrausrüstung müsse in den nächsten Jahren modernisiert werden. Den Antrag der Gemeinde Mainaschaff auf Förderung eines neuen Mehrzweckbootes sei sehr positiv aufgenommen worden und werde unterstützt. Genauso freue er sich über die Absicht der Gemeinde Mainaschaff am Festplatz eine Slipstelle für Einsatzboote zu bauen.


Im Anschluss an Ostheimers Jahresbericht legte Schatzmeister Robert Etzel seinen Kassenbericht vor. Kassenprüfer Roland Albert bescheinigte ihm eine einwandfreie Kassenführung und empfahl die Entlastung der Vorstandschaft, die einstimmig erteilt wurde.


Landrat Dr. Ulrich Reuter dankte in seiner Ansprache den Feuerwehrleuten für ihre Einsatzbereitschaft. Die Feuerwehren seien für die Gefahrenabwehr unverzichtbar, die Erhaltung der Einsatzfähigkeit daher unbedingt notwendig. Das im Landkreis vorgehaltene Warnsystem „KATWARN“ habe mittlerweile 10.000 Nutzer. Die Förderung von Stellplätzen für überörtlich notwendige Fahrzeuge und Geräte diene der Bereitschaft der Feuerwehren, diese Geräte und die damit verbundenen Aufgaben auch künftig zu übernehmen. Im Landratsamt werde zur Entlastung der Kreisbrandinspektion noch in diesem Jahr eine Planstelle für eine Brandschutzdienststelle ausgeschrieben. Der Aufgabenbereich umfasse unter anderem Stellungnahmen im Zuge von Baugenehmigungsverfahren sowie Tätigkeiten bei Verwaltung und Aufschaltung von Brandmeldeanlagen und der Erstellung von Feuerwehrplänen. Landrat Dr. Reuter bedankte sich auch für die gute Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsorganisationen zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger.


Danach stellte Peter Kernhof die beabsichtigten Satzungsänderungen vor. Auch diese wurden von der Versammlung ohne Gegenstimme genehmigt.


Bei der anschließenden Neuwahl des Verbandsvorstandes und des Verbandsausschusses wurden folgende Personen in den Verbandsausschuss gewählt:

Als Vertreter der Kommandanten: Andreas Kerber (Jakobsthal) und Uwe Waldschmitt (Hohl), als Vertreter der Vereine: Peter Kernhof (Sailauf) und Helmut Stenger (Gunzenbach). Als Kassenprüfer fungieren weiterhin Roland Albert (Haibach) und Marco Grünewald (Mömbris).

Als Delegierte auf Bezirks- und Landesebene wurden Karl-Heinz Ostheimer, Frank Wissel, Otto Hofmann, Robert Etzel, Thorsten Trapp und Georg Thoma von der Versammlung gewählt.


Grußworte überbrachten die Bundestagsabgeordnete Andrea Lindholz, die kurz aus dem Bundestag berichtete und Landtagsabgeordneter Peter Winter, der auf die Feuerwehrförderung und die geplante Änderung des Feuerwehrgesetzes einging. Ein weiteres Grußwort sprach der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Aschaffenburg, Polizeioberrat Michael Dencinger. Er bedankte sich insbesondere für die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und forderte die Anwesenden auf bei der Nachwuchswerbung nicht locker zu lassen. Insbesondere die persönliche Ansprache sie hier erfolgversprechend.


Kreisbrandrat Ostheimer beendete die Versammlung mit den Wahlsprüchen der Feuerwehr: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ und „Einer für Alle und Alle für Einen“.

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