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Die 6. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde zum 18.09.2020 erneut geändert.

Die aktuelle Ausgabe mit Stand 18.09.2020 kann hier heruntergeladen werden:

6._BayIfSMV_Stand_18.09.2020.pdf

Die 6. BayIfSMV ändert sich schon zum 19.09.2020 wieder. Die dann aktuelle Version wird ebenfalls ab morgen hier veröffentlicht.

112 Newsletter vom 17. September 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

wie jede Woche möchte ich auch heute an den Anfang dieses Newsletters eine Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern stellen. Heute, Donnerstag, 17. September 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 63.618 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 60.986). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 2.632 (nach 2.745 die Woche davor) mehr. Dies bedeutet einen rechnerischen Tagesschnitt von rund 376 Neuinfektionen. Die Vergleichswerte für die vier vorangegangenen Wochen lagen bei 392, 273, 312 bzw. 245.

Auch mit den Zahlen weisen die jüngsten Werte der Zahlenreihe leider über das in den zurückliegenden Wochen entstandene statistische Plateau von ca. 300 Neuinfektionen pro Tag hinaus, es deutet sich aber eine neue Plateaubildung knapp unter 400 Neuinfektionen pro Tag an. Nach allem, was wir aus den Regionen gemeldet bekommen, sind es weiterhin vor allem die aus Südosteuropa heimkommenden Reiserückkehrer, die das Geschehen deutlich beeinflussen. Allerdings geht deren Bedeutung für das Gesamtgeschehen zurück. Waren es letzte Woche noch etwa acht von zehn Neuinfizierten, die aus dem Ausland zurückkamen, so sind es jetzt knapp fünf. Stattdessen mehren sich in Bezug auf Infektionen innerhalb Bayerns die Zeichen, dass vor allem Feiern im familiären Umfeld, größere Zusammenkünfte sowie Privatveranstaltungen verstärkt als Treiber des Infektionsgeschehens wirken.

In Anbetracht der aktuellen Zahlen hege ich zwar weiter die Hoffnung, dass es sich bei dem Peak von letzter Woche im Wesentlichen um einen saisonal bedingten Effekt handeln könnte, der vor allem auf der Reiserückkehrerthematik und der Inbetriebnahme der regionalen Testzentren fußt. Aber man darf sich nichts vormachen: Die Lage kann sich schnell zuspitzen, wie der Blick in unsere Nachbarländer zeigt. Österreich, Tschechien und Frankreich verzeichnen eine deutliche Zunahme der Infektionszahlen und einzelne Regionen dort gelten mittlerweile sogar als Risikogebiete.

Für die Gesamtbeurteilung der Lage ist nicht zuletzt auch die Entwicklung der Positivrate wichtig. Sie setzt die Zahl der positiven Tests ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Tests und gibt insoweit unabhängig von der absoluten Zahl der erkannten Neuinfektionen einen Hinweis darauf, wie sich die Lage strukturell entwickelt. Diesbezüglich gibt es momentan zum Glück keine Verschärfung der Lage zu vermelden. Auch in der vergangenen Woche waren im Schnitt 1,1 Prozent aller Tests positiv. Das entspricht den August- und frühen Septemberwerten, liegt aber freilich deutlich höher als im Juni, als die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent lag.

Wie Sie wissen sind für meine Einschätzung zur Corona-Situation seit jeher die Kenngrößen „Sterbefallzahl“ und „Hospitalisierungssituation“ von erheblicher Bedeutung. An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 2.645 Personen verstorben, das sind im Vergleich zur Vorwoche drei Sterbefälle mehr. Auch wenn jeder einzelne Fall einer zu viel ist, so bleibt doch festzuhalten, dass Gott sei Dank die Fallzahlen auf einem extrem niedrigen Niveau verharren.

Ein leicht eingetrübtes Bild muss ich dagegen für die Situation in den Kliniken konstatieren. Stand heute befinden sich in Bayern 166 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung (Vorwoche 121, Woche davor 106). Von diesen liegen 51 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 47 (28) künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weiterhin meilenweit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden. Aber: Auch wenn die absoluten Zahlen weiterhin niedrig sind, so deutet sich doch in den letzten drei Wochen an, dass die vormals über Wochen stabile Seitwärtsbewegung zu Ende geht und von einem aktuell flach verlaufenden Anstieg abgelöst wird. Dies gilt sowohl für die Zahl der Hospitalisierungen als auch der intensivpflegepflichtigen Patientinnen und Patienten.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) auf R=0,89 (nach R=0,99 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=0,97 nach R=1,05 in der Vorwoche. Beide Werte pendeln weiterhin um die entscheidende Marke von 1,0. Damit sind in dieser Woche statistisch gesehen in etwa so viele Menschen genesen, wie sich neu mit Corona infizieren.

Die bayernweiten Zahlen sind also über die verschiedenen Kategorien hinweg etwas diffus. Mal gleichbleibend, wie die Wochendurchschnittszahl der Neuinfektionen, der R-Wert oder die Positivrate, mal tendenziell nach oben weisend wie die Hospitalisierungen. Umso interessanter ist der regional fokussierte Blick auf die Hotspot-Lage.

Den höchsten Einzelwert verzeichnet aktuell die kreisfreie Stadt Würzburg mit einer 7-Tage-Inzidenz von 66,47. Zur Erinnerung: Demnach haben sich, statistisch bezogen auf 100.000 Einwohner, in den letzten sieben Tagen in Würzburg 66,47 Personen neu mit Corona infiziert.

Die nächstniedrigeren Werte wurden insbesondere als Folge des Auftretens der in der Presse etwas reißerisch so bezeichneten sog. „amerikanischen Superspreaderin“ für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen (56,52), die oberfränkische Bierstadt Kulmbach (52,89) und die Stadt Kaufbeuren (52,40) gemeldet. In der Stadt im Allgäu ist das Hochschnellen der 7-Tage-Inzidenz im Wesentlichen auf das Infektionsgeschehen in einem Alten- und Pflegeheim zurückzuführen und insoweit gut kontrollierbar.

Im Vergleich zu letzter Woche haben wir damit nicht mehr nur eine, sondern vier Gebietskörperschaften mit einer Inzidenzrate jenseits der „roten Linie“ von 50. Das ist keine gute Nachricht und bedingt, dass vor Ort jeweils auf die konkrete Situation abstellende Eindämmungsmaßnahmen zu ergreifen sind. Diese beziehen sich in Kaufbeuren zu aller erst auf die Isolierung des besonders betroffenen Heimes, an den anderen Orten mit diffusem Infektionsgeschehen geht es vor allem um Quarantäne für Reiserückkehrer und Kontaktbeschränkungen an neuralgischen öffentlichen Plätzen.

In diesem Zusammenhang erfährt aktuell die auf Platz fünf der Inzidenzrangliste stehende Landeshauptstadt München eine besondere Aufmerksamkeit, nachdem sich die 7-Tage-Inzidenz seit zwei Wochen hartnäckig um die Vorwarnstufe 35 bewegt und heute bei 47,64 liegt. Vor diesem Hintergrund hat die Landeshauptstadt München heute die erst gestern erteilte Zusage wieder zurückgenommen, dass der Deutsche Fußballmeister FC Bayern München morgen Abend sein Saisonauftaktspiel in der Allianz-Arena vor 7.500 Zuschauern austragen darf. Nunmehr kann damit dieses Spiel nur als sog. „Geisterspiel“ stattfinden.

Aber natürlich gilt in München das Augenmerk der Verantwortlichen auch einem halben Dutzend anderer neuralgischer Punkte wie etwa dem Gärtnerplatz, wo erfahrungsgemäß viele junge Menschen an den Wochenenden, vor allem abends und nachts, dicht gedrängt Party machen. Die Stadt hat hierauf in der Vergangenheit mit zeitlich befristeten Alkoholverkaufs- und -konsumverboten reagiert und wird dies aller Voraussicht nach auch weiter tun. Hierfür hat sie meine volle Unterstützung.

Und man wundert sich immer wieder, auf was die Leute alles kommen. Nach den ursprünglichen Plänen wäre das abgesagte Oktoberfest eigentlich am Samstag eröffnet worden. Unter Hinweis auf diesen Termin wurde nun in sozialen Netzwerken zur „Virtuellen Wiesn-Eröffnung“ aufgerufen. Die Menschen mögen, am besten ausgestattet mit Bier, Brotzeit und Bierbänken, zur Münchner Theresienwiese kommen und dort, wo üblicherweise „ihr“ Zelt steht, die Plätze einnehmen. Die Idee klingt ja im ersten Moment kreativ und pfiffig. Sie verkennt aber völlig das Infektionsrisiko. Die Landeshauptstadt wird mit geeigneten Maßnahmen, insbesondere mit temporären Alkoholkonsumverboten für eine geordnete Situation sorgen und auch die Polizei ist vorbereitet, die infektionsschutzrechtlichen Vorschriften durchzusetzen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und an die Vernunft der Menschen appellieren, sich nicht unnötig in Infektionsgefahren zu begeben. Eine „Virtuelle Wiesn-Eröffnung“ ist definitiv unnötig.

Insgesamt gesehen breitet sich das Infektionsgeschehen in der Fläche Bayerns weiter aus und verstärkt sich leicht. Die Masse der kreisfreien Städte und Landkreise bewegt sich bei der 7-Tage-Inzidenz in einer Größenordnung zwischen 10 und 30 – bei leicht steigender Tendenz. Ohne positiv Getestete sind in den letzten sieben Tagen lediglich der Landkreis Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim sowie die Stadt Schwabach geblieben.

Unter dem Strich kann ich also Folgendes festhalten: Wir dürfen weiter von einer sich in der Tendenz anspannenden, aber insgesamt noch stabilen Infektionslage ausgehen. Aber mehr denn je gilt: Der Druck im Kessel steigt tendenziell eher an, als dass er sinkt. Deshalb ist weiterhin höchste Vorsicht geboten und wir müssen wirklich auf der Hut sein, dass die Situation sich nicht zuspitzt.

Themenwechsel: Letzte Woche hatte ich Sie an dieser Stelle über die aktuelle Beschlusslage des Ministerrates zur Durchführung sportlicher Wettbewerbe mit Zuschauern in den sog. Kontaktsportarten im Amateurbereich informiert. Heute nun geht es um die Zulassung von Zuschauern in den deutschen Profiligen bzw. Pokalwettbewerben, also insbesondere der Deutschen Fußballliga, die u.a. die 1. Fußball-Bundesliga veranstaltet, sowie die Mitgliederverbände der Interessengemeinschaft Teamsport (IGT).

Ein zentrales Interesse dieser Verbände und Ligen war seit Langem, von den sog. „Geisterspielen“ weg zu kommen und zu den Spielen wieder Zuschauer in den Stadien und Hallen begrüßen zu können. Dem stand aber das infektions- und gesundheitsschutzschutzspezifische Erfordernis entgegen, größere Menschenansammlungen zu vermeiden, über die das Virus eine starke Verbreitung finden kann. Die bisher erreichten Erfolge bei der Pandemiebekämpfung und die durchweg positiven Erfahrungen in Bezug auf die Verlässlichkeit der Vereine und Verbände bei der Einhaltung der bisher geltenden Regularien haben die Voraussetzungen geschaffen, um nun diesen bedeutenden Schritt der Öffnung im Sport zu gehen.

Freilich gilt auch hier, dass die Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist. Deshalb erfolgt die Zulassung von Zuschauern in einer Art Probebetrieb, der zunächst bis zum Ende Oktober angelegt ist. Dann wird wiederum auf bundespolitischer Ebene zu entscheiden sein, wie es weitergeht. Und wie volatil sich die Situation darstellt, illustriert das bereits erwähnte Beispiel des Eröffnungsspiels zur Fußballbundesliga eindrücklich.

Weil es bei den hier in Rede stehenden Profi-Ligabetrieben um bundesweit ausgetragene Wettbewerbe mit im Vergleich zu den Amateurligen ungleich größeren Zuschauerzahlen geht, mit denen dann natürlich auch ein potentiell größeres Infektionsrisiko einhergehen kann, hatten die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten die Chefs der Staats- und Senatskanzleien (CdS) beauftragt, eine bundesweit einheitliche Linie abzustecken. Die politische Einigung hierzu war am Dienstag dieser Woche zu Stande gekommen. Die entsprechende Änderung der 6. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wird das Gesundheitsministerium spätestens am morgigen Freitag im Bayerischen Ministerialamtsblatt veröffentlichen.

Die Kerninhalte der neuen Regelungen darf ich Ihnen schon jetzt kurz skizzieren. Von zentraler Bedeutung ist zunächst eine Legaldefinition, die festlegt, welche Spiele durch die von den CdS so bezeichneten „bundesweiten Sportveranstaltungen“ begrifflich umfasst sind. Das sind sämtliche Ligen und Wettbewerbe, an denen Sportlerinnen/Sportler bzw. Mannschaften aus dem gesamten Bundesgebiet teilnehmen können, wie Bundesligen, nationale Pokalwettbewerbe, europäische Vereinswettbewerbe und Wettkämpfe der Nationalmannschaften.

Im Mittelpunkt des Interesses der veranstaltenden Vereine, der Spieler, der Zuschauer und natürlich auch der breiten Öffentlichkeit steht die Frage, wie viele Zuschauer ins Stadion dürfen. Zwar ergeben sich aus der Einigung der CdS zahlenmäßig bestimmte Eckwerte, die von einer Zahl von 1.000 Zuschauern ausgehen, oberhalb derer eine Belegung mit max. 20 Prozent der jeweiligen Stadien- oder Hallenkapazität empfohlen ist. Nach dem Verlauf der Verhandlungen der CdS sind beide Größenordnungen nicht kumulativ, sondern alternativ zu verstehen. Das bedeutet nicht etwa 1000 plus 20 Prozent der Stadionkapazität, sondern 1.000 Personen oder 20 Prozent der Stadionkapazität. Daraus resultiert letztlich eine Privilegierung kleinerer Stadien mit einem Fassungsvermögen bis zu 5000 Zuschauern, denn für diese greift primär die 1.000er Grenze und diese ist insoweit günstiger als die 20-Prozent-Regel.

Freilich bilden die genannten Grenzwerte den maximalen Rahmen. Was im konkreten Einzelfall tatsächlich möglich ist, hängt letztlich von den örtlichen Gegebenheiten und den daraus resultierenden Möglichkeiten ab, weitere zentrale Anforderungen zu erfüllen. Diese können stadion-, personen- oder lagebezogen sein.

So ist im Stadion bzw. in der Halle grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen allen Zuschauern einzuhalten. Dies betrifft nicht nur den Abstand zwischen den Sitz- oder Stehplätzen, sondern z. B. auch die entzerrende Steuerung der zu- oder abströmenden Zuschauer, den Sanitärbereich oder eine eventuell vorhandene „Stadiongastronomie“. Diesbezüglich müssen sich die Vereine vertiefte Gedanken machen, die dann ihren Niederschlag in dem verpflichtend auszuarbeitenden Schutz- und Hygienekonzept finden. Ist es also insbesondere aus baulichen Gründen nicht möglich, diesen Anforderungen zu genügen, dann wird dies zu einer Reduzierung der zulässigen Zuschauerzahl führen. Ich kann nur allen Verantwortlichen raten, den Kontakt zur örtlich zuständigen Gesundheitsbehörde zu suchen und sich mit dieser abzustimmen.

Personenbezogen besteht für die Zuschauer Maskenpflicht, solange sie sich nicht an ihrem Platz befinden. Es werden ausschließlich personalisierte Eintrittskarten verkauft, d.h. der Veranstalter kennt alle Zuschauer mit Namen, Adresse und Erreichbarkeit. Denn ohne diese Daten wäre eine Rückverfolgbarkeit möglicher Infektionsketten nicht zu gewährleisten.

Mit Blick auf die jeweils aktuelle Infektionslage wird die Verordnung auf die vom RKI festgestellte 7-Tage-Inzidenz für diejenige kreisfreie Stadt oder den Landkreis Bezug nehmen, auf deren bzw. dessen Gebiet die Spielstätte liegt. Wird der Wert von 35 überschritten, kann die zuständige Kreisverwaltungsbehörde anordnen, dass zum Spiel weniger als grundsätzlich zulässig oder gar keine Zuschauer zugelassen werden.

Im Interesse der Sportlerinnen und Sportler, der Vereine und Veranstalter und vor allem der vielen Sportfans hoffe ich sehr, dass der Probebetrieb gelingt und wir in allen tangierten Ligen möglichst viele reibungslos durchgeführte Spiele erleben werden.

Schließen möchte ich auch heute mit der Freude und dem Ärger der Woche. Letzterer bezieht sich auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Versammlungen, die vergangenes Wochenende in München gegen die von der Staatsregierung ergriffenen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie stattgefunden haben. Ich wiederhole mich gebetsmühlenartig: Ich kritisiere ausdrücklich nicht die Wahrnehmung des Demonstrationsgrundrechts. Dieses wahrzunehmen und seine Meinung öffentlich kundzutun, und sei diese auch noch so skurril, verbürgt das Grundgesetz. Dieses zu wahren ist als Verfassungsminister mein höchster Anspruch.

Was mich aber nervt ist der Umstand, dass zahlreiche Versammlungsteilnehmer – wie ich höre auch schon auf der Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – bewusst das behördlich verfügte und von den Gerichten ausdrücklich bestätigte Gebot zum Tragen von Mund- und Nasenbedeckungen ignoriert und so vorsätzlich erhebliche Ordnungswidrigkeiten begangen haben. Das ist eine Missachtung rechtsstaatlich einwandfreier Auflagen und eine bewusste Inkaufnahme gravierender gesundheitlicher Risiken, denen zahllose Menschen ausgesetzt sind. Solchermaßen verantwortungsloses Verhalten gefährdet nicht nur die Versammlungsteilnehmer selbst, sondern auch Passanten und die polizeilichen Einsatzkräfte. Deshalb hatte die Einsatzleitung keine andere Wahl, als den Aufzug nach knapp einem halben Kilometer Wegstrecke anzuhalten und die Einhaltung der Auflagen nachdrücklich einzufordern. Nachdem die Versammlungsteilnehmer den polizeilichen Anordnungen offenkundig keine Folge leisten wollten und der Aufzug etwa eineinhalb Stunden verharrt hatte, brach der Versammlungsleiter den Aufzug ab und kam so einer polizeilichen Auflösung der Versammlung zuvor.

Meine Freude der Woche bezieht sich darauf, dass die von zahlreichen Einsatzkräften aus ganz Bayern unterstützte Münchner Polizei die Ausübung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit und den ebenfalls von Verfassungs wegen verbürgten Schutz der Gesundheit gleichermaßen gewährleisten konnte. Das polizeiliche Einsatzkonzept war absolut angemessen und ist voll aufgegangen. Ich danke der Einsatzleitung und allen eingesetzten Beamtinnen und Beamten für ihr ausgesprochen umsichtiges Agieren.

Probieren geht über Studieren!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

Das Landratsamt weist darauf hin, dass Terminvereinbarungen für die Corona-Teststrecken neben der bereits bekannten Telefonnummer 06021/394-889 auch per E-Mail möglich sind.

Besonders vormittags sind die Telefone der Koordinationsstelle für die Corona-Teststrecken regelmäßig stark frequentiert. In der Folge kann es für Anrufer zu längeren Wartezeiten kommen.


Das Landratsamt weist darauf hin, dass auch die Möglichkeit besteht, die Anmeldung per E-Mail an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! vorzunehmen.

In der E-Mail können neben den notwendigen Angaben (Name, Adresse, Geburtsdatum und E-Mail-Adresse und Telefonnummer) dann gerne auch Terminwünsche geäußert werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Koordinierungsstelle informieren anschließend über den genauen Testtermin.


Zum Test sind dann der Personalausweis bzw. der Reisepass sowie ein Mund-Nasenschutz mitzubringen (am Testzentrum gilt Maskenpflicht!).

Die beiden landkreiseigenen Corona Teststrecken in Aschaffenburg-Damm und Kahl am Main werden unter hauptsächlicher Beteiligung der Landkreisfeuerwehren aufgebaut und betrieben. Am 01.09.2020 ist zunächst die Teststrecke in Aschaffenburg-Damm in Betrieb gegangen, die Teststrecke in Kahl am Main nahm am 08.09.2020 ihren Betrieb auf. Insgesamt stehen 4 Testlinien bereit. In Aschaffenburg können bis zu 200 Personen auf einer Linie und in Kahl können bis zu 450 Personen auf drei Linien pro Tag getestet werden. Die aktuelle Nachfrage erlaubt, dass alle Tests derzeit nur in der Teststrecke in Aschaffenburg-Damm durchgeführt werden.
Zum Leiter der beiden Teststrecken wurde Kreisbrandmeister Georg Thoma (Schöllkrippen) benannt. Die Testungen erfolgen nach vorheriger Terminvergabe durch die Terminkoordinierungsstelle des Landratsamtes. Die Terminkoordinierungsstelle ist unter der Telefonnummer 06021/394-889 von Montag bis Donnerstag von 08.00 Uhr bis 16.00 Uhr und freitags von 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr erreichbar. An den Betriebstagen, in der Regel von Montag bis Freitag ab 08.00 Uhr bis gegen 16.00 Uhr sind mindestens 4 Feuerwehrleute pro Testlinie im Einsatz. Dazu kommt je Testlinie jeweils ein Arzt oder eine Person mit medizinischen Kenntnissen, die von einem Arzt des Gesundheitsamtes in die Testung eingewiesen wurden. Dem Landkreis sind zunächst bis Ende September zwei Sanitätskräfte des Sanitätsunterstützungszentrums Hammelburg als Abstreicher zugewiesen, die mit der Feuerwehr in den Teststellen zusammenarbeiten.
Bislang wurden in den vergangenen beiden Wochen von insgesamt 1269 Personen Abstriche genommen. Die Feuerwehrkräfte sind für die Dokumentation, die Verwaltung und die Organisation der Corona-Tests verantwortlich. Zwei Feuerwehrleute mit medizinischen Vorkenntnissen haben ebenfalls eine Einweisung erhalten und dürfen auch für Abstriche eingesetzt werden. Am späten Nachmittag werden die Proben jeweils mit einem Feuerwehrfahrzeug in das Untersuchungslabor nach Bad Kissingen gefahren. Zusätzlich steht für eine notwendige größere Testung Vorort in einer Einrichtung oder in einem Betrieb noch ein mobiles Testteam der Feuerwehr zur Verfügung, welches schon während des Katastrophenalarms bei Tests in Alten- und Pflegeheimen und Fleischbetrieben zum Einsatz kam.
Aktuell können wir auf einen Pool von rund 40 Feuerwehrleuten zurückgreifen, die bei den Testungen eingesetzt werden können. Aus Sicht der Feuerwehr ist der personelle Betrieb der beiden Teststrecken und der mobilen Testeinheit bis Ende des Jahres sichergestellt.
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112 Newsletter vom 10. September 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

wie jede Woche möchte ich auch heute an den Anfang dieses Newsletters eine Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern stellen. Heute, Donnerstag, 10. September 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 60.986 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 58.241). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 2.745 (nach 1.909 die Woche davor) mehr. Dies bedeutet einen rechnerischen Tagesschnitt von rund 392 Neuinfektionen. Die Vergleichswerte für die drei vorangegangenen Wochen lagen bei 273, 312 bzw. 245.

Diese Zahlenreihe weist heute leider über das in den zurückliegenden Wochen entstandene statistische Plateau von ca. 300 Neuinfektionen pro Tag hinaus. Diese Annahme wird auch durch den heutigen Tageswert gestützt, der bei sehr hohen 534 liegt. Ganz offensichtlich prägen die Reiserückkehrer der letzten Woche das Geschehen. Diese haben sich zum Glück unverzüglich und intensiv testen lassen, was zwar die Zahl der statistisch erfassten Neuinfektionen anschwellen lässt, uns aber in die Lage versetzt, sofort die erforderlichen Quarantänemaßnahmen zu ergreifen, um eine weitere strukturelle Ausbreitung des Virus innerhalb der Bevölkerung zu unterbinden.

Diese auf den ersten Blick bedrohlich erscheinenden Zahlen bedürfen der Einordnung in den Kontext der bestehenden Rahmenbedingungen. Zu diesen zählt ganz entscheidend, wieviel insgesamt in Arztpraxen und Kliniken, an den Flughäfen und Autobahnen sowie in den 87 kommunalen Testzentren getestet wurde. 

Und hier ist mein Eindruck, dass wir insbesondere in den zurückliegenden acht bis zehn Tagen aufgrund einiger saisonaler Sondereffekte einen vorläufigen Peak erlebt haben. Denn in dieses Zeitfenster ist nicht nur die zweite große Reiserückkehrerwelle gefallen, sondern auch der Beginn der freiwilligen Reihentestungen bei den Lehrerinnen und Lehrern zum Schuljahresanfang sowie die Betriebsaufnahme der kommunalen Testzentren. Im Ergebnis haben also im Unterschied zur Normalsituation die Nachfrage nach Tests sowie das Angebot an Testgelegenheiten deutliche Aufwüchse erfahren, die so nicht jede Woche auftreten.

Meine abstrakt-generell hergeleitete Peak-Theorie fußt daher auch auf statistisch belastbaren Daten. Dies gilt namentlich für die Zahl der täglich im Durchschnitt durchgeführten Tests. Denn mit einem durchschnittlichen Tageswert von gut 47.000 Tests haben wir in den ersten Septembertagen einen neuerlichen Höchststand erreicht. Zum Vergleich: In den beiden Wochen davor lagen die Vergleichswerte bei 42.000 und 38.000 Tests.

Insofern ist die Schlussfolgerung naheliegend und zulässig, dass die erhöhte Zahl der Neuinfektionen auch ein Ergebnis eines erhöhten Testgeschehens ist.

Für die Gesamtbeurteilung der Lage ist auch die Entwicklung der Positivrate eminent wichtig. Zur Erinnerung: Diese sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamtzahl der Tests ist. Beispiel: Werden 100 Proben genommen und von diesen bringen 3 ein positives Testergebnis, beträgt die Positivrate 3 Prozent.

Für die tatsächliche Corona-Situation zeigt sich für diesen Parameter auch in dieser Woche eine einigermaßen stabile Seitwärtsbewegung auf erhöhtem Niveau. Bewegte sich im Juni die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, lag die Positivrate nach den Feststellungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wie bereits im August auch in der ersten Septemberwoche zwischen 1,1 und 1,7 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die erhöhte Zahl der festgestellten Neuinfektionen nicht unbedingt auf ein sich in seiner Qualität verschärfendes Infektionsgeschehen hinweist, sondern eher auf die verstärkte Aufhellung des Dunkelfeldes.

Im Übrigen sind für meine Einschätzung zur Corona-Situation seit je her die Kenngrößen „Sterbefallzahl“ und „Hospitalisierungssituation“ von erheblicher Bedeutung. An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 2.642 Personen verstorben, das sind im Vergleich zur Vorwoche drei Sterbefälle mehr. So tragisch diese drei Fälle für sich genommen sind, so sehr belegt doch diese in der Gesamtbetrachtung sehr niedrige Zahl die Wirksamkeit der ergriffenen Schutzmaßnahmen.

Gleiches gilt für die Situation in den Kliniken. Stand heute befinden sich in Bayern 121 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung (Vorwoche 101). Von diesen liegen 32 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 28 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weiterhin meilenweit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Diese günstigen Zahlen korrespondieren mit einer grundlegenden strukturellen Veränderung im Kreis der mit COVID-19 infizierten Personen. Waren im Frühjahr noch sehr stark alte, kranke oder aus sonstigen Gründen vulnerable Personen betroffen, sind es jetzt vielfach jüngere agile und mit einer altersbedingt vergleichsweise robusteren Gesundheit ausgestattete Menschen, denen das Virus offenbar nicht so viel anhaben kann.

Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 53.620 (Vorwoche 51.520) Personen oder 2.100 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell mit COVID-19 Infizierten beläuft sich momentan in Bayern auf 4.720 im Vergleich zu 4.080 bzw. 3.880 in den beiden letzten Wochen.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=0,99 (nach R=0,68 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=1,05 nach R=0,86 in der Vorwoche. Beide Werte sehen im Vergleich zur Vorwoche etwas weniger gut aus, pendeln sie doch beide haarscharf um die entscheidende Marke von 1,0. Damit genesen statistisch aktuell so viele Menschen, wie sich neu mit Corona infizieren.

Angesichts dieser Zahlen könnte man sagen, dass damit das Problem „Corona“ im Grunde erledigt sei. Die Betroffenen sind halt mal zwei Wochen krank, dann genesen sie wieder in großer Zahl und das war es dann, was soll also die ganze Aufregung? So einfach ist es aber nicht. Es hat letztlich die gesamte Gesellschaft größte Mühen gekostet, im Frühjahr die Fallzahlen signifikant zu senken und erst in Folge dessen ist es gelungen, u.a. die Lage in den Alten- und Pflegeheimen in den Griff zu bekommen, damit die Sterbefallrate massiv zu senken und die Intensivstationen zu entlasten.

Auch wenn die Medizin mittlerweile viel besser mit dem Corona-Virus umgehen kann als noch vor einem halben oder dreiviertel Jahr, so bleiben die mit Corona verbundenen Gesundheitsgefahren doch bestehen. Wie schnell sich der Wind drehen kann, muss aktuell Frankreich erleben. Dort melden in den ersten Regionen die Kliniken wieder eine Vollauslastung der Intensivbetten mit Corona-Patienten. Die Gefahr ist also real. Deshalb müssen wir alles daransetzen, die Fallzahlen in beherrschbaren Bahnen zu halten, ohne hierüber zu stark in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einzugreifen.

Dass die Situation nicht mehr so einfach ist, wie sie schon mal war, weist auch die Betrachtung der Hotspot-Lage aus. Den höchsten Einzelwert verzeichnet aktuell die kreisfreie Stadt Rosenheim mit einer 7-Tage-Inzidenz von 72,64. Zur Erinnerung: Demnach haben sich, statistisch bezogen auf 100.000 Einwohner, in den letzten sieben Tagen in Rosenheim 72,64 Personen neu mit Corona infiziert. Die Hochschulstadt am Zusammenfluss von Mangfall und Inn liegt damit deutlich jenseits der roten Linie bei 50, die regelmäßig verschärfte infektionsschutzrechtliche Maßnahmen auslöst.

Die nächstniedrigeren Werte wurden für die Stadt Memmingen (63,87), die Unterfrankenmetropole Würzburg (57,87) und die Stadt Landshut (46,96) sowie die Landeshauptstadt München (45,26) ermittelt, zwei weitere Städte liegen jenseits der Vorwarnstufe von 35. Jedenfalls statistisch gesehen müssen wir also in Bayern wieder drei „echte“ Hotspots verzeichnen und auch die sonstigen Zahlen zeugen von einer weiteren Ausbreitung der Infektionen in die Fläche. Stand heute haben wir keinen einzigen Landkreis und keine einzige kreisfreie Stadt mehr mit einer 7-Tage-Inzidenz von Null.

Nahezu flächendeckend wird berichtet, dass das Infektionsgeschehen ganz maßgeblich von den Reiserückkehrern geprägt wird. Das lässt hoffen, dass sich die Situation womöglich in einer guten Woche schon wieder entspannt, weil dann nach einer Zeitspanne, die länger ist, als die Inkubationszeit von Corona, die „Schlusswelle der Reiserückkehrer“ infektiologisch bereits „verdaut“ ist. Aber diese Rechnung geht nur dann auf, wenn die aktuellen Virenträger nicht zu viele Menschen anstecken.  

Unter dem Strich kann ich also Folgendes festhalten: Wir dürfen aktuell von einer sich anspannenden, aber insgesamt noch stabilen Infektionslage ausgehen. Passend zum bundeweit stattfindenden „Warntag“, mit dem alle Katastrophenschutzwarninstrumente von der Sirene bis zur App getestet werden, müssen zwar nicht die Sirenen heulen, der Warnhinweis „Vorsicht ist geboten“ scheint mir aber durchaus angemessen.

Themenwechsel. Es ist wieder an der Zeit, sich etwas genauer mit der Stimmungslage in der Bevölkerung zu befassen. Denn die Urlaubs- und Ferienzeit ist nicht nur in Bayern, sondern praktisch in ganz Deutschland zu Ende und insoweit kommt das Land langsam wieder in den Normalmodus. Wie Sie wissen sind für mich große repräsentative Umfragen wie das ZDF-Politbarometer oder der ARD-Deutschlandtrend wichtige Informationsquellen. Darüber hinaus werte ich die zwar im wissenschaftlichen Sinne nicht repräsentativen, dafür aber in ihrer Tonalität sehr authentischen und bisweilen auch originellen Bürgerschreiben akribisch aus.

In Bezug auf die großen Umfragen liefert derzeit der vergangene Woche veröffentlichte ARD-Deutschlandtrend das aktuellste Bild.

Die Meinungserhebung fragte zum einen nach weiterführenden Maßnahmen, um auch über den Winter, der für Viren aus der Influenza-, aber auch der Corona-Familie deutlich bessere Lebensbedingungen bringt, als sie im Sommer herrschen, die Pandemie im Griff zu behalten. Demnach weist für 86 Prozent der Befragten eine Absage von Karnevalsfeiern in die richtige Richtung. Nach Auffassung von 64 Prozent der Befragten sollten Gästezahlen bei privaten Feiern stärker begrenzt werden. Ebenfalls 64 Prozent meinen, dass dieses Jahr keine Weihnachtsmärkte stattfinden sollen. Dass Arbeitnehmer verpflichtet sein sollen, in Gebäuden am Arbeitsplatz eine Maske zu tragen, finden 38 Prozent der Befragten gut. Und 31 Prozent teilen diese Auffassung in Bezug auf die Situation von Schülern und Lehrern während des Unterrichts.

Ich hoffe stark, dass sich in den kommenden Wochen die Infektionslage ausreichend günstig entwickelt, um die genannten Maßnahmen ganz oder teilweise entbehrlich zu machen. Zu einzelnen Punkten hat der Ministerrat ja bereits vergangenen Dienstag Beschlüsse gefasst. Ich nenne hier die Maskenpflicht in den Schulen. Diese gilt in den ersten zwei Wochen des neuen Schuljahres ab der 5. Jahrgangsstufe auch während des Unterrichts, im Übrigen nur in den sonstigen Bereichen wie in den Gängen und am Schulhof.

Zum anderen lotet die Umfrage aus, wie besorgt die Menschen in Deutschland noch wegen Corona sind. Aktuell haben 5 Prozent der Bevölkerung eine sehr große und 21 Prozent eine große Angst, sich mit Corona zu infizieren. Bei 42 Prozent ist diese Angst weniger groß und bei 31 Prozent ist sie gering ausgeprägt. In der Tendenz bedeutet dies im Vergleich zum Deutschlandtrend von vor zwei Wochen eine etwa 7 Prozentpunkte gesunkene Sorge vor Ansteckung.

Dieser empirische Befund einer zurückgehenden Angst vor Corona deckt sich mit dem Eindruck, den ich aus den Bürgerzuschriften gewinne. Abgesehen von Schreiben, die erkennbar aus der Fakenews-, Reichsbürger- oder Coronaleugnerszene kommen und die insoweit für meine eigene Meinungsbildung nicht relevant sind, werden aktuell die seriös formulierten Schreiben mehr, die nach Lockerungen rufen. Dies betraf und betrifft vor allem den Sport, namentlich die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs bei Kontaktsportarten, einschließlich Fußball, sowie die Zulassung von Zuschauern.

Hier haben wir diese Woche ein nach meiner Meinung sehr gutes Ergebnis erzielt. Ausgehend von Gesprächen mit dem Bayerischen Fußball Verband (BFV) und dem Bayerischen Landessportverband (BLSV) und nach intensiven Beratungen im Ministerrat hat dieser beschlossen, dass ab dem 19. September bei allen Kontaktsportarten der geregelte Wettkampfbetrieb auch im Amateurbereich in der Halle und unter freiem Himmel wieder stattfinden kann. Am Beispiel des Fußballs der Herren in Bayern bedeutet dies, dass der Spielbetrieb von der Kreisklasse C bis hinauf zur Regionalliga Bayern dann wieder möglich sein wird. Mit dem Ministerratsbeschluss vom Dienstag verbleibt den Verbänden und den Vereinen ausreichend Zeit, um den Spielbetrieb zu organisieren, zumal das Training ja schon seit längerem wieder möglich ist. Gleiches gilt natürlich auch für andere Kontakt- und Mannschaftssportarten, etwa Basketball, Handball, Feld- oder Eishockey.

Eine in diesem Zusammenhang naturgemäß heikle Frage betrifft das Ob und das Wie einer Zulassung von Zuschauern. Gerade, wenn diese sich vom Spielverlauf euphorisiert in den Armen liegen oder bei lautstarken Unmutsäußerungen größere Aerosolwolken oder Tröpfchenregenschauer produzieren würden, dann wäre das Infektionsrisiko sehr hoch. Das galt es zu verhindern und letztlich abzuwägen gegen die, siehe oben, insgesamt einigermaßen stabile Infektionslage und den allgemeinen Wert für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den der (Mannschafts-)Sport im Besonderen schafft.

Angesichts der guten Erfahrungen aus dem Trainingsspielbetrieb in Bayern sowie dem in anderen Bundesländern bereits einige Zeit laufenden Spielbetrieb unter Wettbewerbsbedingungen vor Zuschauern schien es uns verantwortbar, für den Sport in Bayern den nächsten Lockerungsschritt zu gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes Maß-gebend war der Kultur- und Konzertbetrieb, mit dem nun für den Sport der Gleichklang hergestellt ist. Konkret bedeutet dies, dass in der Halle bis zu 200 und im Freien bis zu 400 Zuschauer zugelassen sind. Selbstverständlich aber gerade nicht im Sinne einer nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf den Rängen unerwünschten Rudelbildung, sondern im Gegenteil mit Mindestabstand, mit Mund-Nasen-Bedeckung auf Stehplätzen sowie mit einem spezifischen Hygienekonzept für jede Spielstätte.

Der organisierte Amateursport ist nach allem, was ich höre, mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Freilich ist auch den Organisationen und Verbänden sehr bewusst, dass sich das in der oben erwähnten Deutschlandtrend-Umfrage skizzierte Bild, wonach 26 Prozent der Menschen eine sehr große oder große Angst vor einer Corona-Infektion haben, nahezu identisch in die Vereinslandschaft hineinspiegelt. So hat eine Online-Umfrage, die der BFV unter seinen gut 5.000 Mitgliedsvereinen durchgeführt hat, längst nicht eine hundertprozentige Zustimmung zur umgehenden Spielbetriebsaufnahme ergeben. Immerhin jeder fünfte teilnehmende Verein wollte diese nicht. Ähnliches sehe ich auch bei den Zuschriften, die mich in dieser Frage als Sportminister erreichen. Auch hier ergibt sich ein differenziertes Bild, bei dem jedenfalls eine relevante Minderheit zur Vorsicht mahnt und deren Belange ernst genommen werden müssen.

Deshalb halte ich es für absolut richtig, dass wir in Bayern länger als andere zugewartet haben und gerade bei der Zuschauerfrage sehr moderat vorgehen. Ich bin den Sportverbänden außerordentlich dankbar, dass sie die bisherigen Restriktionen mitgetragen und sich bei der Vorbereitung der nun beschlossenen Lockerungen sehr konstruktiv verhalten haben. Dies ist Ausdruck einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, in der natürlich jede Seite ihre Interessen zu vertreten hat, dies aber in konstruktiver Weise tut.

Vertrauen als notwendige Voraussetzung für einen solchermaßen lösungsorientierten Prozess entsteht zu aller erst über das Gespräch. Und nachdem in Abwandlung eines berühmten Spruchs des Trainers der Weltmeistermannschaft von 1954, Sepp Herberger, nach der Entscheidung vor der Entscheidung ist, geht der Gedankenaustausch bereits jetzt weiter. Heute habe ich eine Delegation des BFV um dessen Präsident Dr. Rainer Koch zum Gedankenaustausch empfangen, morgen folgt eine Delegation des BLSV mit Jörg Ammon an der Spitze.   Neben dem Sport haben wir uns im Ministerrat erneut mit Versammlungen befasst: Bereits am gestrigen Mittwoch sind zwei vom Ministerrat beschlossene Regelungen zur Durchführung von Versammlungen im Sinne des Bayerischen Versammlungsgesetzes in Kraft getreten. Zum einen hat der Verordnungsgeber neuerlich festgehalten, unter welchen Bedingungen die von einer Versammlung ausgehenden Infektionsgefahren gesetzlich vermutet auf ein infektionsschutzrechtlich vertretbares Maß beschränkt bleiben. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn eine Versammlung nicht mehr als 200 Teilnehmer hat und ortsfest stattfindet.

Die Teilnehmerzahl von 200 bildet auch in Bezug auf die zweite Neuregelung das Maß der Dinge. Denn für Versammlungen mit 200 oder mehr Teilnehmern ist regelmäßig eine Maskenpflicht anzuordnen.

Für alle, die sich mit dem Versammlungsrecht noch nicht so intensiv beschäftigt haben, darf ich an diesem Beispiel dessen Systematik erläutern. Anders, als vielfach vermutet, bedürfen auch Versammlungen unter freiem Himmel keiner Genehmigung, sie sind vielmehr generell zulässig. Allerdings ist der Veranstalter verpflichtet, seine Kundgebung rechtzeitig bei der Versammlungsbehörde – das ist im Regelfall das Landratsamt oder für kreisfreie Städte deren Stadtverwaltung, in bestimmten Eilfällen die Polizei – anzuzeigen. Die Versammlungsbehörde prüft, ob die Kundgebung wie gewünscht stattfinden kann, ob aus Gründen der öffentlichen Sicherheit Auflagen erteilt werden müssen oder ob als letztes Mittel die Versammlung gar verboten werden muss.

Mit der neuen Regelung ist die Versammlungsbehörde gehalten, bei Versammlungen mit mindestens 200 Teilnehmern regelmäßig die Auflage zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes zu erteilen.

Eine erste Probe aufs Exempel dürfte bereits am kommenden Samstag stattfinden. Für diesen Tag ist in München eine Großversammlung gegen Corona-Maßnahmen angemeldet. Der Veranstalter rechnet mit mindestens 5.000 Teilnehmern. Nicht erst seit den Vorkommnissen von Berlin am vorletzten Wochenende wissen wir, dass sich im Umfeld von Corona-Leugnern, Impfgegnern, Verschwörungsideologen und Esoterikern verstärkt rechtsextreme Gruppierungen tummeln, um für die eigenen teils verfassungsfeindlichen Ziele politische Hebelwirkungen zu erzeugen.

Noch ist nicht abschließend geklärt, auf welchen Flächen genau die Versammlung stattfinden wird, ob sie ausschließlich stationär oder auch mobil als Aufzug ablaufen wird und wie viele Teilnehmer zugelassen sein werden. Hierüber hat die Versammlungsbehörde noch zu befinden und womöglich werden sich auch noch die Gerichte mit der Angelegenheit zu befassen haben. Wie auch immer. Die Polizei ist angewiesen, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten, einen friedlichen Verlauf der Versammlung sicherzustellen und gegen Gewalttäter konsequent vorzugehen.

Aus dem Umfeld der Versammlungen wie der am kommenden Samstag speist sich mein Ärger der Woche. Dieser richtet sich gegen einige wenige Ärzte wohl von außerhalb Bayerns, die allem Anschein nach in großer Zahl Gefälligkeitsatteste ausstellen. Um den Infektionsschutz gezielt zu unterlaufen, bestätigen diese Ärzte, dass der Betreffende aus medizinischen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen könne. Ein solches Handeln ist verantwortungslos, eines Arztes nicht würdig und kann strafrechtlich relevant sein – und zwar für den Aussteller wie den vermeintlichen Patienten.

Meine Freude der Woche verbindet sich mit den gestern und heute durchgeführten Begrüßungen junger Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die am 1. September bei den Polizeipräsidien München und Nürnberg ihren Dienst angetreten haben. Ich konnte wieder in die erwartungsvollen Gesichter junger, gut ausgebildeter, hoch motivierter und leistungsbereiter Frauen und Männer blicken, die sich dem Dienst an der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl verschrieben haben. Diese stellen den konstruktiven, der Welt und den Menschen zugewandten Kontrast zu den oftmals verkniffen wirkenden Verschwörungsideologen und Reichsbürgern dar, die unseren Staat schwächen und letztlich abschaffen wollen.   

Fairtrauen schafft Erfolg!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

Die 6. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde zum 09.09.2020 erneut geändert.

Die aktuelle Ausgabe mit Stand 09.09.2020 kann hier heruntergeladen werden:

6._BayIfSMV_Stand_09.09.2020.pdf


Unser Landrat Dr. Alexander Legler hat am gestrigen Dienstag die 2. Corona-Teststrecke in Kahl am Main besucht und den Feuerwehrleuten für ihre professionelle Arbeit und ihre Unterstützung gedankt. Siehe:  https://www.instagram.com/p/CE3cp7BpQaz/

Ab Dienstag, 8. September startet das Landratsamt Aschaffenburg in der Festhalle in Kahl am Main eine zusätzliche Corona-Teststrecke. Die Terminkoordinationsstelle im Aschaffenburger Landratsamt vergibt seit heute alternativ die Termine für beide Teststrecken.
Die Koordinationsstelle ist von Montag bis Donnerstag jeweils von 8:00 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 8:00 bis 12:00 Uhr unter der Tel.‑Nr. 06021 394 889 zu erreichen.

Die Zahlen in der Teststrecke „Glattbacher Straße“ haben sich in den vergangenen Tagen so erhöht, dass sich die Verantwortlichen im Landratsamt jetzt entschlossen haben, eine zweite Teststrecke in Betrieb zu nehmen.

Inwieweit in der Folge noch eine weitere Teststrecke erforderlich wird, entscheidet sich auf Basis der jeweiligen Anmeldungen.

INFO LRA bearbeitet

Nachdem am 01.09.2020 unter Federführung des Landratsamtes Aschaffenburg das Corona-Testzentrum in Aschaffenburg-Damm in der Glattbacher Straße 43 in Betrieb gegangen ist, wird ab dem 08.09.2020 auch das 2. Testzentrum des Landkreises in der Festhalle in Kahl a. Main mit zunächst einer Testlinie den Betrieb aufnehmen. In der Glattbacher Straße 43 in Damm ist eine Testlinie, in der Kahler Festhalle sind max. drei Testlinien möglich. Die beiden Testzentren sind von Montag bis Freitag ab jeweils 08.00 Uhr besetzt.

Im Vorfeld der Eröffnung haben die Feuerwehren des Landkreises intensiv an der Planung, am Aufbau und beim Einrichten der beiden Testzentren mitgewirkt.

Zum Leiter der beiden Testzentren wurde KBM Georg Thoma ernannt. Von der Feuerwehr stehen in beiden Testzentren je Testlinie täglich jeweils mindestens 4 Feuerwehrleute als Helfer zur Verfügung. Bislang haben sich rund 30 ehrenamtliche Feuerwehrangehörige bereit erklärt in den Testzentren mitzuarbeiten. Die Bundeswehr unterstützt uns aktuell mit zwei Sanitätskräften. Feuerwehrleute, die Interesse an einer Mitarbeit in den Testzentren haben, wenden sich bitte an die beiden Kreisbrandinspektoren.

Vom 01.09.20 bis 04.09.20 wurden bereits von insgesamt 459 Personen Abstriche genommen. Ein Test ist nach vorheriger Terminvereinbarung jederzeit möglich. Die Terminkoordinierungsstelle im Landratsamt Aschaffenburg ist unter 06021/394-889 von Montag bis Donnerstag jeweils von 8:00 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 8:00 bis 12:00 Uhr erreichbar.

In der kommenden Woche fährt die Feuerwehr Hösbach-Bahnhof die Proben in das Untersuchungslabor nach Bad Kissingen.

CoronaTest

112 Newsletter vom 3. September 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

gerne stelle ich an den Anfang des heutigen Newsletters wieder eine Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Heute, Donnerstag, 3. September 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 58.241 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 56.332). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 1.909 mehr. Dies bedeutet einen rechnerischen Tagesschnitt von rund 273 Neuinfektionen. Die Vergleichswerte für die beiden vorangegangenen Wochen lagen bei 312 bzw. 245. Diese Zahlenreihe deutet somit darauf hin, dass sich mittlerweile ein statistisches Plateau bei ca. 300 Neuinfektionen pro Tag gebildet hat. Diese Annahme wird auch durch den heutigen Tageswert gestützt, der bei 325 liegt.

Sollte sich diese Entwicklung in den nächsten Wochen auch unter dem Eindruck eines weiter verstärkten Infektionsaufkommens durch Reiserückkehrer sowie des bevorstehenden Beginns des neuen Schuljahres halten, so könnten wir mit diesem Trend wohl zufrieden sein. Zwar sind 300 Neuinfektionen pro Tag kein Pappenstiel, zumal wir früher im Jahr schon deutlich niedrigere, nur zweistellige Tageszahlen gesehen haben und jede einzelne Erkrankung eines Menschen das Risiko birgt, dass weitere Infektionsketten entstehen oder der einzelne Betroffene vielleicht doch schwerere Symptome ausbildet. Auch wissen wir noch viel zu wenig über mögliche Langzeit- oder Spätfolgen, als dass man eine Infektion auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aber immerhin vermittelt die Plateaubildung die positive Erkenntnis, dass aktuell keine von Medizinern und Infektiologen mit Recht gefürchtete exponentielle, gleichsam „explosionsartige“ Ausbreitung des Virus in Bayern zu erwarten ist.

An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 2.639 Personen verstorben, das sind im Vergleich zur Vorwoche sechs Sterbefälle mehr.

Wie bereits letzte Woche ausgeführt, leuchten viele Tests das Dunkelfeld besser aus, als dies bei einem geringen Testgeschehen der Fall wäre. Und wir testen wirklich fleißig und weiten das Testgeschehen von Tag zu Tag aus. Lag im Juni die Zahl der täglichen Tests im Durchschnitt bei unter 20.000, waren es in der letzten Woche ca. 42.000 Tests nach 38.000 in der vorvergangenen Woche. Der Tagesspitzenwert betrug in der hier in Rede stehenden Woche 50.600 (Vorwoche 48.000) – wohl gemerkt: wir sprechen von Tageswerten. Ich gehe davon aus, dass diese Zahlen in den kommenden Wochen noch weiter ansteigen werden, nachdem bis zum Ende dieser Woche alle Testzentren in den 96 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten ihren Betrieb aufgenommen haben werden. In der Folge dessen wird voraussichtlich die absolute Zahl der Neuinfektionen bis auf Weiteres nicht sinken. Denn wir leuchten das Dunkelfeld weiter aus und holen ansonsten unerkannt bleibende, für eine Weiterverbreitung aber gerade deshalb immens gefährliche Infektionsfälle ans Licht.

Auch wenn ich dies im Newsletter der letzten Woche schon klargestellt habe, möchte ich unter dem Eindruck zahlreicher werdender Bürgerschreiben, die offenbar von Corona-Skeptikern, Impfgegnern, Esoterikern und Verschwörungsideologen stammen, noch einmal darauf hinweisen: Nein, die Staatsregierung lässt nicht so viel testen, um durch damit einhergehende falsch-positive Tests die Infektionszahlen künstlich hoch zu halten, damit diese dann als Begründung dienen, die Freiheit der Menschen einzuschränken. Derlei Behauptungen sind grober Unfug und entbehren jeder Grundlage. Die von der Staatsregierung verwendeten Tests sind auf dem wissenschaftlich neuesten Stand, zertifiziert und extrem genau. Und noch eines: Tests schaffen keine Infektionen und infizieren auch niemanden, Tests decken allein ohnehin vorhandene Infektionen auf. Ich habe deshalb die herzliche Bitte an Sie: Sollten Sie in Ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis mit derlei Unsinn konfrontiert werde, so scheuen Sie sich bitte nicht dagegenzureden. Sonst bleiben solche Fakenews im Raum stehen und entfalten eine Wirkung auf das Debattengeschehen, die ihnen nicht im Geringsten zustehen.

Für die Gesamtbeurteilung der Lage lohnt einmal mehr der Blick auf die Positivrate. Diese sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamtzahl der Tests ist. Beispiel: Werden 100 Proben genommen und von diesen bringen 5 ein positives Testergebnis, ist die Positivrate 5 Prozent.

Für die tatsächliche Corona-Situation zeigt sich auch bei diesem Parameter eine gewisse Stabilisierung auf erhöhtem Niveau. Bewegte sich im Juni die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, lag die Positivrate nach den Feststellungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im August zwischen 0,9 und 1,7 Prozent. Dies halte ich für eine in der Tendenz gute Nachricht.

Schauen wir uns die Hintergründe zu den einzelnen Infektionsfällen genauer an, setzt sich das bereits letzte Woche zu konstatierende Bild fort. Es sind weiterhin vor allem die Reiserückkehrer, die das Infektionsgeschehen dominieren. In der bayernweiten Betrachtung sind es nach wie vor ca. die Hälfte der erkannten Infektionsfälle, die ihren Ausgangspunkt in einem meist urlaubsbedingten Aufenthalt im Ausland haben. In einzelnen bayerischen Landkreisen oder Städten beläuft sich der Anteil der Reiserückkehrer am Infektionsgeschehen sogar auf bis zu 80 Prozent.

Die Orte der Infektion liegen schwerpunktmäßig auf dem Balkan. Dies führt mich zu der Annahme, dass die Reiserückkehrer den Infektionsdruck in den nächsten zwei bis drei Wochen hochhalten werden. Denn erfahrungsgemäß infizieren sich im Ausland nicht nur die klassischen Urlauber aus Deutschland, sondern auch viele Menschen, die in die relevanten Weltregionen gefahren sind, um zahlreiche Verwandte zu besuchen, sich dort üblicherweise mehrere Wochen aufhalten und in der Regel erst gegen Ende der Sommerferien wieder nach Deutschland zurückkehren.

Deshalb werden wir auch am kommenden Wochenende die Teststationen an den Bundesautobahnen A3 bei der Rastanlage Donautal, an der A8 Salzburg-München bei der Rastanlage Hochfelln und an der Inntalautobahn bei der Rastanlage Heuberg mit hohen Kapazitäten betreiben, um möglichst vielen Reiserückkehrern die Möglichkeit zu bieten, sich umgehend nach der Einreise testen zu lassen.

Und auch an einer anderen Stelle finden wir das bekannte Bild einmal mehr bestätigt: Es sind nach wie vor die in ihrem Lebensstil sehr mobilen, feierfreudigen und tendenziell im Vergleich weniger risikobewussten 15 bis 35-Jährigen, die bei den Neuinfektionen statistisch weit überproportional vertreten sind.

Nun zu überwiegend erfreulicheren Aspekten. Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 51.520 (Vorwoche 49.820) Personen oder 1.700 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell mit COVID-19 Infizierten beläuft sich momentan in Bayern auf 4.080 im Vergleich zu 3.880 letzte Woche. Dieser Anstieg hat aber zum Glück kaum Auswirkungen auf die Hospitalisierungszahlen. Diese sind nach wie vor niedrig und damit günstig. Stand heute befinden sich in Bayern 101 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung (Vorwoche 100), von diesen liegen 31 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 29 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weiterhin meilenweit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=0,68 (nach R=0,99 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=0,86 nach R=0,87 in der Vorwoche. Beide Werte zeigen sich insoweit neuerlich deutlich freundlicher, weisen sie doch einen wachsenden Abstand zur entscheidenden Marke von 1,0 aus. Damit genesen statistisch aktuell mehr Menschen, als sich neu mit Corona infizieren.

Lassen Sie mich zum Ende des Zahlenteils noch kurz auf die Hotspot-Lage eingehen. Der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens liegt in seiner räumlichen Verteilung aktuell klar im Süden Bayerns und hier vor allem in den Regierungsbezirken Oberbayern, Schwaben und Teilen Niederbayerns.

Den höchsten Einzelwert verzeichnet aktuell die kreisfreie Stadt Landshut mit einer 7-Tage-Inzidenzrate von 41,43. Zur Erinnerung: Demnach haben sich, statistisch bezogen auf 100.000 Einwohner, in den letzten sieben Tagen in Landshut 41,43 Personen neu mit Corona infiziert. Die niederbayerische Bezirkshauptstadt liegt damit über der Vorwarnstufe von 35, aber noch deutlich unter der roten Linie bei 50, die regelmäßig verschärfte infektionsschutzrechtliche Maßnahmen auslöst.

Die nächstniedrigeren Werte wurden für die Stadt Ingolstadt (35,04), die Landeshauptstadt München (31,87) und die Stadt Rosenheim (31,58) ermittelt. Insoweit haben wir aktuell in Bayern keinen echten Hotspot. Dieser erfreuliche Umstand muss aber vor dem Hintergrund gesehen werden, dass sich das Infektionsgeschehen weiter in die Fläche ausbreitet. Wir haben nur mehr drei Landkreise bzw. kreisfreie Städte, die in den letzten sieben Tagen keinen Fall einer Neuinfektion verzeichnet haben. Und die Zahl der Gebietskörperschaften, deren Werte zwischen 10 und 25 liegen, nimmt deutlich zu. Derzeit fallen 36 Städte und Kreise in diese Kategorie. 

Unter dem Strich kann ich also Folgendes festhalten: Wir dürfen aktuell von einer insgesamt stabilen Infektionslage ausgehen, von Entwarnung kann aber nicht die Rede sein. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich sozusagen zum wiederholten Male wiederhole: Wir müssen weiterhin auf der Hut sein und vorsichtig bleiben, zumal in nächster Zeit mit dem Schulbeginn ein Ereignis bevorsteht, das die Tagesabläufe in vielen Familien ändern und zu einer erheblichen Zunahme potentiell infektionsrelevanter Sozialkontakte führen wird.

Themenwechsel. Der Fußball ist in Bayern und Deutschland die Sportart Nummer 1 und so nimmt es nicht Wunder, dass hier der Druck besonders groß ist, einigermaßen zeitnah wieder zu einem ansatzweise geregelten Spielbetrieb zu kommen. So verständlich der Wunsch nach Normalität, Bewegung im Spiel, Wettkampf und Mitfiebern mit der eigenen Mannschaft ist, so wichtig ist es gerade an Orten, die eine Mehrzahl von Menschen im Wettkampf räumlich eng und in euphorischer Stimmung zusammenführen und deshalb erhöhte Infektionsrisiken hervorbringen können, den klaren Blick für das Erforderliche nicht zu verlieren. Im Ergebnis gilt auch hier: Soviel Freiheit wie möglich, soviel Sicherheit wie nötig. Und was für den Fußball gilt, gilt für andere (Mannschaftsball-)Sportarten natürlich auch. 

Ich stehe in einem intensiven Austausch mit den relevanten Akteuren, um die für die Ministerratssitzung am 14. September ins Auge gefasste Entscheidung über eine Aufnahme des Spielbetriebs im Amateurbereich umfassend vorzubereiten und bin guten Mutes, dass wir im konstruktiven Austausch zu einem allen relevanten Belangen des Sports und des Infektionsschutzes gerecht werdenden Ergebnis kommen werden – dies aber immer unter dem Vorbehalt, dass die Infektionslage einen solchen Schritt zulässt.

Ich darf für heute zum Schluss kommen. Meine Freude der Woche bezieht sich darauf, dass bei aller Corona-Lastigkeit der aktuellen Arbeit der Staatsregierung und „meines“ Ministeriums mittlerweile auch der ein oder andere Termin ohne Corona-Bezug wieder zu Stande kommt. So war es mir eine besondere Freude und Ehre, dass Frau Karin Baumüller-Söder, Gattin des Ministerpräsidenten, gestern die Schirmherrschaft über die Polizei-Reiterstaffeln der Bayerischen Polizei übernommen hat. Frau Karin Baumüller-Söder hat dieses Ehrenamt sehr gerne übernommen, zumal sie als turniererfahrene Springreiterin naturgemäß einen besonders guten Draht zu Pferden hat. Ganz konnten die Teilnehmer an der kleinen Zeremonie in Nürnberg „Corona“ dann aber doch nicht ausblenden. Denn selbstverständlich musste die erforderliche Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Besser hatten es da nur die bereitgestellten Dienstpferde, allen voran „Oskar“, der an diesem Tag seinen Dienst als voll ausgebildetes Polizeipferd angetreten hat. Sie konnten die Luft ungefiltert atmen.

Mein Ärger der Woche bezieht sich auf den Auftritt zweier noch aktiver und eines bereits pensionierten bayerischen Polizeibeamten als Redner bei den Kundgebungen vom vergangenen Wochenende in Berlin, die sich gegen die Corona-Maßnahmen gerichtet hatten. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Selbstverständlich stehen auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten alle bürgerlichen Grundrechte zu und es ist das gute Recht eines jeden und einer jeden, die persönliche Meinung öffentlich zu vertreten – dies auch als Redner und sei die Argumentation noch so ungewöhnlich, schräg oder schlicht. Für Polizeibeamte gilt dies jedenfalls so lange, wie die beamtenrechtliche Pflicht zur Mäßigung und andere gesetzliche Anforderungen gewahrt bleiben.

Was mich aber an diesem Fall wirklich stört, ist, dass diese Beamten ihre private Meinung nicht etwa nur als solche kundtun, sondern diese ganz gezielt, wiederholt und prominent in den Kontext ihres Polizeiberufes stellen. Dies hat natürlich Kalkül. Man „kapert“ den weit über Bayern hinaus hervorragenden Ruf der Bayerischen Polizei und das große Vertrauen, das diese in der Bevölkerung genießt. Man ummantelt die eigene, für viele Menschen nachvollziehbar faktenfern erscheinende Position mit dem herausragenden Ruf der Polizei, um so von der inhaltlichen Schwäche der vermeintlichen Argumentationslinie abzulenken. Man schmückt sich mit fremden Federn, um gerade bei potentiell verunsicherten Menschen Eindruck zu schinden und die eigene Meinung mit einer Legitimation zu versehen, die aus der Schwäche der eigenen Argumente niemals erwachsen könnte. Auf so unlautere Weise ausgenutzt und benutzt zu werden, das hat die Bayerische Polizei und das haben vor allem ihre über 40.000 Bediensteten nicht verdient. Sie stehen für Seriosität, faktenbasiertes Arbeiten und Neutralität in der Dienstverrichtung.

Wir fahren weiter auf Sicht!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

Die 6. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde zum 02.09.2020 erneut geändert.

Die aktuelle Ausgabe mit Stand 02.09.2020 kann hier heruntergeladen werden:

6._BayIfSMV_Stand_02.09.2020.pdf

112 Newsletter vom 27. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der heutige Newsletter beginnt mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Heute, Donnerstag, 27. August 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 56.332 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 54.147). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 2.185 Fälle mehr. Dies bedeutet einen rechnerischen Tagesschnitt von rund 312 Neuinfektionen. Die Vergleichswerte für die beiden vorangegangenen Wochen lagen bei 245 bzw. 121. Mithin hat sich dieser Parameter binnen drei Wochen etwa um den Faktor 2,5 erhöht. Das ist in der Tendenz nicht gut, auch wenn wir die letzte Woche erhoffte Plateaubildung bei einem Tageswert von ca. 300 Neuinfektionen noch halten.

An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 2.633 Personen verstorben, das sind im Vergleich zur Vorwoche vier Sterbefälle mehr.

Gerade die Zahlen zu den Neuinfektionen verlangen nach einer vertieften Analyse. Wer oder was prägt die aktuelle Entwicklung?

Wie bereits letzte Woche ausgeführt, leuchten viele Tests das Dunkelfeld besser aus, als dies bei einem geringen Testgeschehen der Fall wäre. Und wir testen wirklich fleißig. Lag im Juni die Zahl der täglichen Tests im Durchschnitt bei unter 20.000, waren es in der letzten Woche 38.000 Tests und der Tagesspitzenwert betrug 48.000 – wohl gemerkt: wir sprechen von Tageswerten. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass die absolute Zahl der erkannten Infektionen tendenziell ansteigt. Haben damit Corona-Skeptiker, Impfgegner und Verschwörungsideologen womöglich sogar recht, wenn sie behaupten, die hohen Infektionszahlen seien mittels der Tests gemacht, um als Legitimation zu dienen, die Freiheit der Menschen einzuschränken? Nein, haben sie natürlich nicht. Zum einen schaffen Tests keine Infektionen und infizieren auch niemanden, Tests decken allein ohnehin vorhandene Infektionen auf.

Zum anderen zeigt der Blick auf die Positivrate, dass die steigenden Zahlen nicht allein eine statistische Folge verstärkter Testungen sind, sondern sich das Infektionsgeschehen als solches intensiviert. Die sog. Positivrate sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testbefunde an der Gesamtzahl der untersuchten Proben ist. Wären die steigenden Infektionszahlen rein testbasiert, würden diese in gleichem Maße steigen, wie mehr getestet wird. Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache. Bewegte sich im Juni die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, liegt die Positivrate nach den Feststellungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bisher im August zwischen 0,9 und 1,7 Prozent.

Diese Testergebnisse bilden die Grundlage für weiterführende Aussagen zu den Gründen des Infektionsanstiegs. Dabei ist der Befund ganz klar: Es sind vor allem die Reiserückkehrer, die das Infektionsgeschehen dominieren. Von den 2.185 Neuinfektionen der vergangenen Woche gehen nachweislich 1.050 und somit knapp die Hälfte der Fälle auf Reiserückkehrer zurück. Noch drastischer ist das Ergebnis, schaut man sich die Zahlen zum aktuellen Hotspot Rosenheim und zwei weiteren Gebietskörperschaften mit hohen Werten näher an. In der Stadt Rosenheim, die aktuell eine 7-Tage-Inzidenz von 50,53 ausweist, haben 84 Prozent der Neuinfektionen einen entsprechenden Hintergrund. Im Landkreis Kelheim mit einer Inzidenzrate von 31,9 gilt dies für 80 Prozent und für die Stadt Ingolstadt, aktuelle Inzidenzrate 30,66, ist für 90 Prozent der Neuinfektionen ein Reisegeschehen ursächlich.

Den Zusammenhang zwischen hohen Neuinfiziertenzahlen und Reiseaktivitäten legt auch der Blick auf die hauptbetroffene Alterskohorte nahe. Es sind die nach ihrem Lebensstil sehr mobilen, feierfreudigen und tendenziell im Vergleich weniger risikobewussten 15 bis 35-Jährigen, die statistisch weit überproportional vertreten sind.

Nun zu überwiegend erfreulicheren Aspekten. Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 49.820 (Vorwoche 48.870) Personen oder 950 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell mit COVID-19 Infizierten beläuft sich momentan in Bayern auf 3.880 im Vergleich zu 2.650 letzte Woche. Dieser Anstieg hat aber zum Glück kaum Auswirkungen auf die Hospitalisierungszahlen. Diese sind nach wie vor niedrig und damit günstig. Stand heute befinden sich in Bayern 100 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung, von diesen liegen 34 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 31 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weiterhin weit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=0,99 (nach R=1,27 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=0,87 nach R=1,35 in der Vorwoche. Beide Werte zeigen sich insoweit wieder deutlich freundlicher, liegen sie doch knapp unterhalb der entscheidenden Marke von 1,0. Damit genesen statistisch aktuell mehr Menschen, als sich neu mit Corona infizieren.

Themenwechsel. Auch in dieser Woche haben wir uns wieder intensiv mit der Einrichtung und dem Betrieb von Teststationen befasst. Dies in zwei unterschiedlichen Ausprägungen. Zum einen geht es um die speziell – aber nicht nur – auf Reiserückkehrer zielenden Teststationen an bedeutenden Verkehrswegen. Diesbezüglich haben das Innen- und das Gesundheitsministerium gemeinsam mit den privaten Betreibern zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um speziell für die an den kommenden beiden Wochenenden zu erwartenden Rückreisewellen personell und organisatorisch gewappnet zu sein.

Die zweite Ausprägung bezieht sich auf die in allen 71 Landkreisen und 25 kreisfreien Städten Bayerns einzurichtenden Testzentren. Nach dem Beschluss des Ministerrates vom 11. August sollen alle Zentren spätestens zum 1. September den Betrieb aufgenommen haben. Dies flächendeckend für ganz Bayern zu leisten, kann nur gelingen, wenn in den Ministerien, bei den Bezirksregierungen und vor Ort bei den Landratsämtern und Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte alle Kräfte mobilisiert und mit größter Kreativität schnell gute Lösungen für bis dahin nicht dagewesene Fragestellungen und Probleme ersonnen werden.

Ganz am Anfang des Prozesses stand eine Grundsatzfrage: Schaffen wir Lösungen, die quasi standardisiert für alle hier in Rede stehenden Gebietskörperschaften identisch aussehen, oder geben wir einen Rahmen vor, der den Verantwortlichen genügend Luft lässt, für die spezifischen Gegebenheiten vor Ort möglichst passgenaue Lösungen maßzuschneidern?

Die erstgenannte Variante hat durchaus Charme, passt doch in einer an allen Einsatzorten identischen Lösung „aus einem Guss“ ablauftechnisch alles zusammen, ist etwa im Austausch von Personal flexibler möglich, ggf. der Betrieb langfristig billiger und in den Arbeitsabläufen leichter optimierbar. Letztlich haben wir uns aber mit voller Überzeugung für dezentrale Strukturen entschieden. Denn erstens lässt uns das Virus schlicht nicht die Zeit, um über ein halbes oder dreiviertel Jahr hinweg etwas völlig Neues zu entwickeln. Das Virus zwingt uns angesichts der steigenden Infektionszahlen, siehe oben, JETZT umfangreich zu testen und nicht erst nächstes Jahr.  

Für die Stabilität des Betriebes und die Effizienz der Abläufe ist zum einen die eingesetzte IT-Umgebung entscheidend. Hier wollte ich keine Situation erleben frei nach dem alten Kalauer „Was haben Software und Bananen gemeinsam? Beide reifen erst beim Kunden.“ Deshalb setzen wir auf Lösungen, die bereits im Einsatz sind und stabil laufen, auch wenn das bedeutet, dass etwa für die Erstellung von Statistiken und die Etablierung von Meldewegen etwas mehr Aufwand getrieben werden muss.

Für die Stabilität des Betriebes und die Effizienz der Abläufe ist vor allem aber entscheidend, dass eine klare Verteilung der Verantwortung besteht, die handelnden Akteure ihr Handwerk verstehen und sie sich mit der Aufgabenstellung uneingeschränkt identifizieren, weil sie von der Sinnhaftigkeit des Dienstes am Bürger durchdrungen sind. Dass alle diese Kriterien die Landratsämter und Verwaltungen der kreisfreien Städte uneingeschränkt erfüllen, ist eine der unumstößlichen Gewissheiten der öffentlichen Verwaltung in Bayern. Nicht nur im routinemäßigen Behördenalltag, sondern auch bei schwersten Katastrophen und Krisen haben die hier besonders geforderten Behörden und ihre gewählten politischen Spitzen vielfach ihre Leistungsfähigkeit und ihr Improvisationsgeschick bewiesen.

Dass uns die Regierungen, Landratsämter und Stadtverwaltungen auch dieses Mal nicht im Stich lassen werden, davon konnte ich mich gestern Abend gemeinsam mit Gesundheitsministerin Huml, Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek und Staatssekretär Gerhard Eck eindrucksvoll überzeugen. Meiner kurzfristigen Einladung nach Nürnberg zu einer Dienstbesprechung waren mitten in der Haupturlaubszeit alle Regierungspräsidentinnen und -präsidenten bzw. deren Vertreter, zahlreiche Landräte und Oberbürgermeister aus den Reihen des Bayerischen Landkreistages und des Bayerischen Städtetages sowie die Geschäftsführenden Präsidialmitglieder der beiden genannten kommunalen Spitzenverbände gefolgt. Hierbei haben wir für alle Regierungsbezirke den jeweiligen Stand der Umsetzung beraten und erkannte Probleme intensiv und dabei sehr sachlich diskutiert

Die Kernbotschaft lautet: Alle 96 Gebietskörperschaften werden fristgerecht entweder selbst oder gemeinsam mit einem „Nachbarn“ ihr Testzentrum in Betrieb nehmen. Dass hierbei wahrscheinlich sogar bei den meisten bis zum Stichtag intensiv weitergearbeitet und auch in den nächsten Wochen noch vielfach nachjustiert und optimiert werden muss, versteht sich beinahe von selbst. Entscheidend ist, dass alle ihren Bürgerinnen und Bürgern termingerecht ein Testangebot machen können. Besonders gefreut haben mich die Wortmeldungen mehrerer Landräte, die Hinweise und Maßgaben des Innenministeriums seien deutlich und stringent genug, um der Basis zu vermitteln, was die Staatsregierung erwarte, aber auch flexibel genug, um für passgenaue Lösungen den nötigen Freiraum zu verschaffen.

Natürlich wird es vor allem in den ersten Tagen nach Betriebsaufnahme eine Herausforderung sein, den Zustrom der Probanden von vorne herein so zu kanalisieren, dass es keine größeren Staus und Wartezeiten gibt. Dies umso mehr, als um den Monatswechsel mit der letzten größeren Welle von Rückreisenden zu rechnen ist, und auch das neue Schuljahr dann unmittelbar bevorsteht und sich viele Lehrer und Schüler testen lassen werden. Deshalb kann ich nur an die Verantwortlichen vor Ort appellieren, sich intensiv abzusprechen und die Abläufe zu ordnen und zu planen. 

Heute habe ich gemeinsam mit Landrat Christian Bernreiter, der auch Präsident des Bayerischen Landkreistages ist, das Testzentrum des Landkreises Deggendorf eröffnet. Deggendorf ist damit bei den ersten, die ihr neues Testzentrum in Betrieb nehmen und liegt deshalb perfekt im Zeitplan.

Dass für die Pandemie Staatsgrenzen keine hermetisch wirkenden Hürden darstellen, konnte ich heute mit dem neuen österreichischen Innenminister besprechen. Kollege Karl Nehammer hatte mich zu einem ersten intensiven Gedankenaustausch nach Wien eingeladen und natürlich stand auch bei dieser Gelegenheit die wirksame Bekämpfung der Pandemie im Zentrum aller Betrachtungen. Wir waren uns einig, dass wir uns gerade in einer für den weiteren Verlauf der Pandemie in unseren Ländern entscheidenden Phase befinden. Wenn wir jetzt zu locker sind oder sonst schwere Fehler machen, werden die Probleme im Herbst und Winter erheblich sein. Deshalb denken unsere südlichen Nachbarn u.a. darüber nach, die Maskenpflicht wieder zu verschärfen und wir werden jedenfalls in nächster Zeit keine Lockerungen vornehmen.      

Ich darf zum Schluss kommen. Nachdem es mir heute schwergefallen ist, mich für eine Freude der Woche zu entscheiden, werde ich ihnen beide Sachverhalte vorstellen und zum Ausgleich auf einen Ärger der Woche verzichten.

Die eine Freude der Woche bezieht sich auf den Championsleague-Sieg des FC Bayern München und den damit verbundenen Gewinn des Triples. Wäre es im Sommer nicht gelungen, die Pandemie entsprechend einzudämmen und den ins Stocken geratenen Spielbetrieb in der Bundesliga, im DFB-Pokal und der Championsleague wieder rechtzeitig flott zu bekommen, hätte dieser grandiose, ja historisch zu nennende Erfolg nicht gelingen können. Nochmals herzlichen Glückwunsch an „die Bayern“. Das war absolute Extraklasse!!!!!!

Die andere Freude der Woche bezieht sich auf den oben geschilderten Aufbau der Testzentren. Es erfüllt mich mit großer Freude und auch mit Stolz, mit welchem Einsatzwillen, mit welchem Herzblut und mit welcher Kreativität alle Beteiligten aller Ebenen sich ins Zeug legen, um zum Wohle der Menschen in Bayern das im Ländervergleich intensivste Testkonzept zu einem Erfolg werden zu lassen. Hierfür sage ich allen Beteiligten ein herzliches „Vergelt`s Gott“!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

112 Newsletter vom 21. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der Newsletter dieser Woche beginnt mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Die Zahlen zeigen innerhalb eines weiterhin gut beherrschbaren Rahmens ein erhöhtes Geschehen an. Für gestern, Donnerstag, 20. August 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 54.147 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 52.432). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 1.715 Fälle mehr (Woche davor + 849). Im Durchschnitt der letzten sieben Tage bedeutet dies rund 245 Neuinfektionen pro Tag, mithin im Vergleich zur Vorwoche eine Verdoppelung (121). Diese steigende Tendenz untermauert nicht zuletzt der heutige Tageswert, der bei 399 liegt. Das ist eine Größenordnung, die wir mehrere Monate nicht mehr gesehen haben, zwischenzeitlich lagen wir ja sogar schon bei lediglich niedrigen zweistelligen Tageswerten.

An oder mit einer Corona-Infektion verstorben sind in Bayern mittlerweile 2.629 Personen.

Was sagen diese Zahlen aus? Klar positiv zu bewerten sind die weiterhin sehr niedrigen Corona-Sterbefallzahlen. Seit Monatsbeginn sind insgesamt neun Personen an COVID-19 verstorben, seit dem 14. August mussten wir glückicherweise gar keinen Todesfall beklagen. Der – jenseits des einzelnen tragischen Schicksals – in der Gesamtschau sehr erfreuliche Befund unterscheidet sich deutlich von der Situation im April, als wir zeitweise knapp 100 Tote pro Tag verzeichnen mussten. Diese positive Entwicklung hat zum einen mit einem mittlerweile deutlich verbesserten Verständnis der Medizin vom Virus und seiner optimalen Behandlung zu tun, vor allem aber mit einer veränderten Altersstruktur bei den Infizierten. Corona ist derzeit insbesondere in Altenheimen und Pflegeinrichtungen kein Hotspot-Thema mehr.

Demgegenüber bilden aktuell Reiserückkehrer und Mitarbeiter bestimmter Betriebe die stärksten Einzelgruppen bei den Neuinfizierten. In beiden Kategorien finden sich vor allem jüngere, mobile, aktive, körperlich hart arbeitende und insoweit gesundheitlich weitgehend stabile Menschen, die ganz offensichtlich eine akute Corona-Erkrankung vergleichsweise gut wegstecken, jedenfalls nicht an ihr sterben und auch nur selten eine stationäre intensivmedizinische Behandlung in einer Klinik benötigen.

Das legen die weiterhin niedrigen Hospitalisierungszahlen nahe. Derzeit befinden sich in Bayern 82 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung, von diesen liegen 26 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 22 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Sorgen bereitet dagegen die Entwicklung der absoluten Zahlen bei den Neuinfektionen. Deren Anstieg hat natürlich etwas mit den massiv verstärkten Testungen zu tun – bis zu 46.000 an einem Tag –, die naturgemäß mehr Fälle ans Licht bringen, aber längst nicht nur. Davon zeugt unter anderem die sog. Positivrate. Diese sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testbefunde an der Gesamtzahl der untersuchten Proben ist. Im Juni bewegte sich die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent. Für den August werden positive Quoten zwischen 0,9 und 1,4 Prozent pro Tag ausgewiesen.

Ein wesentlicher Beitrag hierzu dürften nach Einschätzung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die bereits genannten Reiserückkehrer jüngeren Alters sein. Bei diesem Personenkreis liegt nahe, dass er sich im Urlaub gleichsam in Feierlaune insgesamt deutlich risikofreudiger als andere Personengruppen verhält und deshalb überdurchschnittlich viele Infektionsfälle provoziert und produziert.

Wieder genesen sind jetzt amtlich ausgewiesen 48.870 (Vorwoche 48.200) Personen oder 670 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell an COVID-19-Erkrankten beläuft sich momentan in Bayern auf 2.650 im Vergleich zu 1.610 letzte Woche, 1.520 vor zwei und 1.270 vor drei Wochen. Hier zeigt sich also leider weiterhin eine steigende Entwicklung, die mit den bereits genannten Neuinfektionszahlen korrespondiert.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich aktuell entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=1,27 (nach R=0,83 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=1,35. Beide Entwicklungen sind nicht schön, zeigen sie doch an, dass sich aktuell mehr Menschen neu mit Corona infizieren als eine solche Erkrankung überwinden.

Wie immer gebe ich Ihnen auch eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. Dies gibt an, wie viele Menschen, bezogen auf 100.000 Einwohner, sich innerhalb von sieben Tagen neu mit Corona angesteckt haben.

Die sehr gute Nachricht ist hier zunächst, dass der Landkreis Dingolfing-Landau seinen Status als Hotspot nunmehr hinter sich gelassen hat. Die Inzidenzrate liegt dort mit 29,1 nunmehr sogar unter dem Vorwarnwert von 35, nachdem nach den Geschehnissen in einem landwirtschaftlichen Betrieb und einer Konservenfabrik in den zurückliegenden Wochen Werte von 94 und 232 verzeichnet werden mussten. Es ist also gelungen, durch konsequentes vielfaches Testen und die Verhängung von Quarantäne über infizierte Personen aus dem stark betroffenen Kreis von Erntehelfern und Saisonarbeitskräften zu verhindern, dass sich das Infektionsgeschehen über die unmittelbaren Betriebsbereiche der genannten Unternehmen hinaus in die Stammbevölkerung des Landkreises ausdehnt. Die wenigen sonstigen Fälle des Landkreises haben keinen ursächlichen Zusammenhang mit dem Hotspot der letzten Wochen, sondern gehen u.a. auf Reiserückkehrer zurück.

Blickt man auf die von mir schon vielfach zitierte, nach Landkreisen und kreisfreien Städten untergliederte Bayernkarte, dann stechen einem derzeit keine orangen oder gar roten Einfärbungen ins Auge. Dies bedeutet, dass kein Landkreis und keine kreisfreie Stadt einen Wert jenseits der Vorwarngrenze von 35 oder gar der Hotspot-Grenze von 50 zu verzeichnen hat. Das ist erfreulich. Man darf sich allerdings nicht täuschen lassen. Denn betrachtet man die einzelnen Werte für die jeweiligen Gebietskörperschaften, dann wird deutlich, dass sich die Pandemie ausdehnt, wenn auch auf niedrigem Niveau aber doch immer stärker in die Breite Bayerns. Denn es gibt nur mehr vier Landkreise, die eine 7-Tage-Inzidenz von Null verbuchen. Vor zwei Wochen waren nach dieser Definition noch 20 Landkreise und kreisfreie Städte Corona-frei.  

Und auch der Befund von letzter Woche, mit Ausnahme von Dingolfing-Landau verzeichne kein Land- oder Stadtkreis eine 7-Tage-Inzidenz über 20, ist nun perdu. Aktuell liegen neun Gebietskörperschaften bei einem Wert über 20 und eine ganze Anzahl liegt nur mehr knapp darunter.

Alles in allem gilt auch diese Woche: Wir müssen extrem wachsam bleiben. Mein Eindruck ist, dass wir uns gerade in einer entscheidenden Phase befinden, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Ich hoffe inständig, dass sich aus der zweiten Hälfte der Sommerferien und dem damit einhergehenden Reisegeschehen z. B. aus Spanien, Kroatien, dem Kosovo und Bosnien-Herzegowina, die allesamt deutlich steigende Infektionszahlen melden, bei uns keine signifikanten Lageverschärfungen ergeben, sondern dass sich zumindest bei den täglichen Neuinfektionen wieder ein stabiles Plateau um einen Wert von 300 bildet, mit dem wir gut zurechtkommen. Hierzu kann jede und jeder Einzelne ihren bzw. seinen ganz persönlichen Beitrag leisten, indem man eventuelle Reiseziele mit Bedacht wählt und sich auch dort penibel an die Abstands- und Hygieneregeln hält.

Themenwechsel. Zentrales fachliches Thema dieser Woche war und ist die Umsetzung der vom Ministerrat beschlossenen Bayerischen Teststrategie, das haben Sie sicherlich den Medien entnommen. Dass es vergangene Woche beim Handling von ca. 40.000 Proben, namentlich bei der Rückmeldung der individuellen Testergebnisse an ca. 900 positiv getestete Personen, gravierende Schwierigkeiten gab, ist nicht zu bestreiten.

Das bedeutet aber nicht, dass die auf „Testen, Testen und nochmals Testen“ ausgerichtete Gesamtstrategie falsch ist. Im Gegenteil: Die ansteigende Entwicklung der Zahl der positiven Testergebnisse, siehe oben, zeigt, dass es notwendig ist, das offensichtlich vorhandene Dunkelfeld aus ohnehin im Land befindlichen und durch den urlaubsbedingt intensivierten grenzüberschreitenden Reiseverkehr ins Land kommenden Infektionsfällen möglichst intensiv aufzuhellen. Nur so können wir dafür Sorge tragen, dass sich keine größeren Ausbruchsgeschehen entwickeln, die dann weiter stark streuen und sich in Windeseile ins ganze Land ausbreiten.

Dass dieser stark testbasierte Ansatz richtig ist, wird – nach anfänglich teils sogar hämischer öffentlicher Kritik – zwischenzeitlich kaum mehr bestritten. Wir hatten speziell mit Blick auf die an einzelnen Bundesautobahnen gelegenen Testzentren für Reiserückkehrer sozusagen das Pech, als Vorreiter in der Umsetzung dieser Strategie Pannen zu erleiden, die anderen Ländern, die zwar auch an der Bundesgrenze liegen, aber den heimkehrenden Reisenden kein besonderes Testangebot machen, aus dieser Untätigkeit heraus erspart bleiben.

Aber: Es ist meine tiefe Überzeugung, dass der alte Spruch „wer nichts macht, macht auch keine Fehler“ zwar verlockend einfach erscheint, in der Sache aber überhaupt nicht weiterführt und deshalb schlicht falsch ist. Jetzt gilt es, aus den negativen Erfahrungen der letzten Woche die richtigen Schlüsse zu ziehen und diese beim weiteren Ausbau der Testkapazitäten zu berücksichtigen.

Nicht zuletzt als Reserveoffizier habe ich gelernt, dass „der Blick ins Gelände“ die Entscheidungsfindung erleichtert. Deshalb habe ich vorgestern das auf der Theresienwiese aufgebaute Testzentrum der Landeshauptstadt München besucht, um mir dort einen unmittelbaren persönlichen Eindruck davon zu verschaffen, wie ein gut organisiertes Testzentrum aussehen kann. Dort fahren die Probanden nach vorheriger Online-Anmeldung und Terminvereinbarung in aller Regel mit einem PKW vor. Wie ich beobachten konnte, ist es aber auch kein Hindernis, mit dem Wohnmobil, einem Motorrad, dem Fahrrad, einem Skateboard oder schlicht zu Fuß zu kommen. Im Drive-through-Verfahren wird an einer ersten Station anhand von Dokumenten geprüft, ob die online gemachten Angaben zu Personen- und Kontaktdaten zutreffen.

Der Vorgang dauert allenfalls zwei Minuten, dann können die Probanden zur nächsten Station weiterfahren, wo medizinisches Personal bereitsteht, um den Rachenabstrich durchzuführen. Parallel stellen weitere Mitarbeiter EDV-basiert und nach den Regularien des später die Probe untersuchenden Labors Etiketten mit QR-Codes her. Diese markieren für eine eindeutige Zuordnung von Probe und Proband das Probengefäß, einen begleitenden Laufzettel sowie eine Karte, die der Proband mitbekommt.

Auf dieser ist detailliert beschrieben, wie der Proband 24 bis 48 Stunden nach der Probenentnahme „sein“ Testergebnis online über eine vom Labor betriebene Plattform abrufen kann. Hierzu geht er auf die entsprechende Seite und legitimiert sich über den QR-Code. Sollte der Vorgang seitens des Labors noch nicht abgeschlossen sein, gibt die Seite – vergleichbar der Versandwegbeschreibung einzelner Paketdienstleister – Auskunft über den Verfahrensstand („Ihre Probe ist auf dem Weg zum Labor“ oder „Ihre Probe wird derzeit untersucht“ o. ä.). Sollte das Testergebnis „positiv“ ausfallen, also eine Infektion nachgewiesen werden, erhält zusätzlich das zuständige Gesundheitsamt automatisiert eine Mitteilung. Sollte der Proband nicht in angemessener Zeit ein Ergebnis abrufen können, kann er über eine Hotline nachfragen.

Und wer etwa für den Arbeitgeber einen Beleg über ein negatives Testergebnis benötigt, kann sich diesen zusenden lassen.

Diese vereinfachte Beschreibung zeigt, dass es technisch wie personell keine triviale Aufgabe ist, leistungsfähige Prozesse zu schaffen, die den Vorgang vom Erstkontakt mit dem Probanden bis zu dessen Information über das Testergebnis schnell, stabil, mit hoher Kapazität und datensicher gestalten. Apropos Kapazität: Die Abläufe werden ständig optimiert und die insoweit den „Flaschenhals“ bildenden Laborkapazitäten ständig ausgebaut. Betrug die Tageskapazität der Teststation unter den Augen der Bavaria am Montag noch 200 Proben, werden seit Mittwoch 1.000 Abstriche durchgeführt. Und ein weiterer Aufwuchs ist grundsätzlich möglich.  

Ich bedanke mich bei der Landeshauptstadt München, namentlich der Umwelt- und Gesundheitsreferentin, Frau Stephanie Jacobs, sowie Herrn Peter Aicher, der mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Station betreibt, für die Möglichkeit zur Besichtigung und die Erläuterung des sehr überzeugenden Konzepts.

Abschließend darf ich noch meine Freude und meinen Ärger der Woche artikulieren. Besonders gefreut habe ich mich, dass es im Zuge des besagten Pannenszenarios am vergangenen Freitag gerade durch den Einsatz von über zweihundert Bereitschaftspolizisten gelungen ist, die zunächst nicht verständigten fast 10.800 Personen zu fast 80 Prozent binnen eines halben Tages und einer halben Nacht zu erreichen. Besonders wichtig war dies in Bezug auf die fast 1.000 offenen Vorgänge zu positiv getesteten Personen.

Hier knüpft dann auch mein Ärger der Woche an. Anstatt diesen Erfolg zu würdigen wurde in der medialen Darstellung ständig auf 46 Fällen herumgeritten, bei denen die Betreffenden „auch nach Tagen immer noch nicht erreicht“ worden seien. Hier die ganze Wahrheit zu berichten, hätte wahrscheinlich die Meldung kaputt gemacht und ist wohl deshalb unterblieben. Denn beim Hauptteil der verbliebenen Suchvorgänge konnten immerhin Bezüge zu einem anderen Bundesland hergestellt und daraufhin die dortigen Behörden eingeschaltet werden. Und auf einigen weiteren Erfassungsbögen hatten sich die Probanden mit Phantasieidentitäten wie „Max Mustermann“ oder „Mickey Mouse“ eingetragen und/oder falsche Telefonnummern oder nicht existente E-Mailadressen angegeben. Da ist dann auch der engagierteste Ermittler mit seinem Latein am Ende!

Testen, bis der Arzt kommt!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

112 Newsletter vom 13. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

wie gewohnt beginnt auch der heutige Newsletter mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Sie zeigen erfreulicher Weise weiterhin, dass die Lage insgesamt unter Kontrolle ist, wir die Entwicklung aber auch genau im Auge behalten müssen. Heute, Donnerstag, 13. August 2020, verzeichnen wir 52.432 bestätigte COVID-19-Infektionen (Stand: 08:00 Uhr). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 849 Fälle mehr (Vorwoche + 762). Im Durchschnitt der letzten sieben Tage bedeutet dies rund 121 Neuinfektionen pro Tag (Vorwoche 109). An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.625 Personen. Das sind im Vergleich zum Donnerstag letzter Woche 3 Corona-Tote mehr. Beide für die Gesamtsituation essentiellen Parameter sind damit weiterhin erfreulich stabil.

Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 48.200 Personen oder 760 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell an COVID-19-Erkrankten beläuft sich momentan in Bayern auf 1.610 im Vergleich zu 1.520 letzte Woche, 1.270 vor zwei und 1.030 vor drei Wochen. Hier zeigt sich also leider weiterhin eine steigende Entwicklung.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=0,83 (nach R=0,84 in der Vorwoche). Damit liegt dieser Wert auch diese Woche unter 1 und stellt sich damit günstig dar.

Wie immer gebe ich Ihnen auch eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. Mit dem Landkreis Dingolfing-Landau verzeichnen wir immer noch einen echten Hotspot. Die Inzidenzrate liegt mit rund 94 (Vorwoche rund 232) dabei zwar immer noch weit über dem Schwellenwert von 50, ist aber im Vergleich zur Vorwoche stark rückläufig. Meine Hoffnung scheint sich also bewahrheitet zu haben, dass wir mit unseren breit angelegten Testungen und Quarantänemaßnahmen die Infektionsherde auf die betroffenen Betriebe eingrenzen und der Bevölkerung im Landkreis so weitergehende Maßnahmen ersparen konnten. Um derartige Infektionsketten in landwirtschaftlichen Betrieben künftig noch effizienter zu vermeiden, sollen in landwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten künftig nur noch Personen beschäftigt werden dürfen, die bei Beginn der Beschäftigung über ein ärztliches Zeugnis verfügen, dass bei ihnen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus bestehen. Zur Durchsetzung der Testpflicht werden diese landwirtschaftlichen Betriebe verpflichtet, die Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte den zuständigen Kreisverwaltungsbehörden zu melden. Daneben wird für Erntehelfer und Saisonarbeiter von ausgewählten Großbetrieben, die bereits in Beschäftigung sind, eine Reihentestung durchgeführt.

Ansonsten liegt in Bayern erfreulicherweise kein Landkreis über einer 7-Tages-Inzidenz von über 20. Die Zahl der Landkreise bzw. kreisfreien Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz von Null liegt jetzt bei 9 (Vorwoche 19). Insgesamt gibt es 12 Landkreise, die eine Inzidenz größer 10 aufweisen, 21 Landkreise bewegen sich zwischen 5 und 10. Die übrigen Landkreise weisen eine Inzidenz unter 5 auf. Damit zeigt sich in vielen Landkreisen eine insgesamt weiterhin relativ stabile Situation.

Die Entwicklung zeigt auch diese Woche: Wir müssen weiter wachsam bleiben und mit Nachdruck darauf achten, dass wir die Abstands- und Hygieneregeln auch nach wie vor sorgfältig einhalten. Corona kennt keine Ferien! Nur so können wir auf uns selbst und auf andere bestmöglich Acht geben und Ansteckungen effizient vermeiden.

In der Vorwoche, habe ich betont, dass das augenblickliche Infektionsgeschehen in Bayern keinen Anlass zu Hysterie gibt, da trotz steigender Neuinfektionen pro Tag die Zahlen der hospitalisierten Corona-Patienten sowie die Zahlen der an und mit Corona Verstorbenen weiterhin auf niedrigem Niveau verharren. Dieser Trend hält Gott sei Dank weiterhin an. Und auch die Zahl der Krankenhausbetten, die von Covid-19-Patienten belegt sind, liegt mit aktuell 84 weiterhin unter dem vergleichbaren Vormonatswert (Stand 13. Juli 2020: 105 hospitalisierte Covid-19-Patienten). Bei den Covid-Patienten, die intensivmedizinisch beatmet werden müssen, ist die Lage ebenso erfreulich stabil. Denn hatten wir zur Hochphase der Pandemie noch rund 850 Beatmungsplätze belegt, so sind es aktuell 18.

Dass wir uns in Bayern aber nicht auf diesen Erfolgen bei der Eindämmung der Pandemie ausruhen, haben wir erst diesen Montag wieder unter Beweis gestellt. In der Ministerratssitzung vom 10. August 2020 haben wir aufgrund der steigenden Infektionszahlen nochmals die Bedeutung von Hygieneregeln, Mindestabständen, Mund-Nasen-Bedeckungen und Testungen betont. Dazu wurde unter anderem der Beschluss gefasst, die Bayerische Teststrategie fortzuentwickeln und unsere hohen Testkapazitäten nochmals massiv auszubauen. Dazu soll in jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis umgehend ein Bayerisches Testzentrum eingerichtet werden, in dem sich jeder kostenlos testen lassen kann. Damit gewährleistet der Freistaat ein flächendeckendes Testangebot, das auch für die Reihentestungen von Lehrkräften und Schulpersonal sowie Erzieherinnen und Erziehern am Ende der Sommerferien genutzt werden soll. Die Kosten der Testungen trägt der Freistaat Bayern, soweit sie nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung oder anderen Kostenträgern übernommen werden. Dafür nehmen wir eine Menge Geld in die Hand und investieren nochmals rund 272 Millionen Euro.

Wie gut unsere bayerischen Testkapazitäten nachgefragt werden, zeigt sich nicht zuletzt an den Corona-Teststationen, die wir für Reiserückkehrer eingerichtet haben. Hier wurden bislang mehr als 85.000 Tests durchgeführt. Diese überwältigend hohe Nachfrage sowie die aufgrund der Gefahr durch vermehrte Reiserückkehrer möglichst zeitnahe Einrichtung der Testzentren hat allerdings zwischenzeitlich dazu geführt, dass rund 44.000 Test-Ergebnisse nicht zeitnah übermittelt werden konnten, da anfänglich tausende Tests händisch erfasst wurden und es so zu einer starken Verzögerung kam. Darunter befanden sich auch mehr als 900 positive Test, an deren Übermittlung seit gestern mit Hochdruck gearbeitet wird. Die zuordenbaren Ergebnisse werden bis zur Stunde so rasch wie möglich übermittelt.

Mit Stand heute sind inzwischen alle Teststationen an Autobahnen und Bahnhöfen auf private Dienstleister übergegangen. Mit diesen ist für die Zukunft vereinbart worden, dass die Testergebnisse künftig vornehmlich digital innerhalb von 24 bis 48 Stunden übermittelt werden sollen. Dennoch ein großes Dankeschön an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die in der Interimsphase ihr Bestes in den Testzentren geleistet haben. Ich betone auch deutlich: Unsere bayerische Teststrategie ist vollumfänglich richtig und wird so fortgesetzt. Um die Fehler in der Umsetzung zu beheben, hat die Staatsregierung umgehend und konsequent alle nötigen Schritte in die Wege geleitet.

Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, haben wir im Ministerrat außerdem beschlossen, an jeder Kreisverwaltungsbehörde eine „Koordinierungsgruppe Corona-Pandemie“ einzurichten. Zu ihren Aufgaben gehören u.a. die umgehende Organisation von Reihentestungen in betroffenen Betrieben und Einrichtungen, die konsequente Umsetzung von Quarantänen und Kohortierungen gegenüber asymptomatisch infizierten Personen und Kontaktpersonen sowie eventuell nötige Absperrungen. So können wir im Fall eines Corona-Ausbruchsgeschehens noch schneller und effizienter handeln und vor Ort alle Kräfte der Gesundheits- und Sicherheitsverwaltung, der Hilfsorganisationen und des Gesundheitswesens effizient zusammenführen und koordinieren.

Und um die Moral bei der Einhaltung der infektionsschutzrechtlichen Bestimmungen zu stärken, habe ich außerdem die Polizei angewiesen, die Einhaltung der Maskenpflicht und der Mindestabstandsregeln verstärkt zu kontrollieren und insbesondere Verstöße gegen die Maskenpflicht konsequent zur Anzeige zu bringen. An Brennpunkten wie Innenstädten, Badeseen, Parks und sonstigen Orten, in denen erfahrungsgemäß erhöhte Menschenansammlungen anzutreffen sind, wird durch verstärkte Polizeipräsenz die Bedeutung der Infektionsschutzregeln verdeutlicht.

Themenwechsel: Nebst der Panne bei der Benachrichtigung der Corona-Ergebnisse habe ich mich auch darüber geärgert, dass in Düsseldorf am 4. September mit Billigung der Stadt ein Pop-Konzert mit bis zu 13.000 Zuschauern stattfinden soll und der Vorverkauf dafür bereits diese Woche angelaufen ist, halte ich angesichts wieder steigender Corona-Zahlen für völlig unangemessen und verantwortungslos. Weitere Lockerungen hin zu derartigen Großveranstaltungen sind aktuell nicht vertretbar und könnten unsere mühsam erreichten Erfolge bei der Pandemiebekämpfung zunichte machen. Ich appelliere darum an die politisch Verantwortlichen, hier hinsichtlich der Größendimension der Veranstaltung nochmals deutlich nachzujustieren.

Aber auch diese Woche gibt es natürlich Erfreuliches zu vermelden: Heute hat in den großen bayerischen Städten eine Schwerpunktkontrollaktion der Bayerischen Polizei zur Einhaltung der Maskenpflicht im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehr stattgefunden, die bis zur jetzigen Stunde andauert. Und diese Aktion war ein voller Erfolg: So verhält sich der Großteil der Bevölkerung verantwortungsbewusst und beachtet die bestehenden Regelungen. Mehr noch, ich betone ausdrücklich: Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger befürwortet das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ausdrücklich und erachtet dies als zwingend erforderlich. Dafür ein herzliches Dankeschön! Denn gerade im ÖPNV leistet das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung einen überaus wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Ein wichtiger Beitrag, um dem Coronavirus weiterhin erfolgreich die Stirn zu bieten.

Vergessen wir nicht: Corona kennt auch in der Urlaubzeit keine Ferien. Das Gebot der Stunde lautet darum weiterhin: Testen, testen, testen! Denn nur durch Testen machen wir den unsichtbaren Feind Corona sichtbar!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

112 Newsletter vom 6. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der heutige Newsletter beginnt mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Sie zeigen erfreulicher Weise weiterhin, dass die Lage insgesamt unter Kontrolle ist, wir die Entwicklung aber auch genau im Auge behalten müssen. Heute, Donnerstag, 6. August 2020, verzeichnen wir 51.583 bestätigte COVID-19-Infektionen (Stand: 08:00 Uhr). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 762 Fälle mehr (Vorwoche + 776). Im Durchschnitt der letzten sieben Tage bedeutet dies knapp 109 Neuinfektionen pro Tag (Vorwoche 110). An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.622 Personen. Das sind im Vergleich zum Donnerstag letzter Woche 2 Corona-Tote mehr. Beide für die Gesamtsituation essentiellen Parameter sind damit relativ stabil.

Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 47.440 Personen oder 510 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell an COVID-19-Erkrankten beläuft sich momentan in Bayern auf 1.520 im Vergleich zu 1.270 letzte Woche, 1.030 vor zwei und 990 vor drei Wochen. Auch hier zeigt sich leider eine wiederum steigende Entwicklung.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der letztverfügbaren Zahlen der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern auf R=0,86 (nach R=1,28 in der Vorwoche). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt bei R=0,84 (nach R=0,9 in der Vorwoche). Damit bewegen sich die Werte auch diese Woche unter 1 und stellen sich damit günstig dar.

Wie immer gebe ich Ihnen auch eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. Leider verzeichnen wir mit dem Landkreis Dingolfing-Landau immer noch einen echten Hotspot. Denn nach dem Ausbruchsgeschehen auf einem Erntehof in Mamming ist es dort auch bei einem großen Konservenhersteller zu zahlreichen Infektionen gekommen. Die Inzidenzrate liegt mit rund 232 (Vorwoche rund 190) immer noch weit über dem Schwellenwert von 50. Ich bin aber zuversichtlich: Mit unseren breit angelegten Testungen und Quarantänemaßnahmen werden wir die Infektionsherde auf die genannten Betriebe eingrenzen und der Bevölkerung im Landkreis so weitergehende Maßnahmen ersparen. An zweiter Stelle liegt die Stadt Ingolstadt mit einer 7-Tage-Inzidenz von rund 26 und damit bereits deutlich unter der Warnschwelle von 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Die Zahl der Landkreise bzw. kreisfreien Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz von Null zeigt sich mit jetzt 19 (Vorwoche 11) wieder auf einem höheren Niveau. Insgesamt gibt es 5 Landkreise, die eine Inzidenz größer 10 aufweisen, 16 Landkreise bewegen sich zwischen 5 und 10. Die übrigen Landkreise weisen eine Inzidenz unter 5 auf. Damit zeigt sich in vielen Landkreisen weiterhin eine insgesamt stabile Situation.

Die Entwicklung zeigt abermals: Wir müssen weiter wachsam bleiben und mit Nachdruck darauf achten, dass wir die Abstands- und Hygieneregeln auch nach wie vor sorgfältig einhalten. Nur so können wir auf uns selbst und auf andere bestmöglich Acht geben und einer möglichen zweiten Corona-Welle effizient begegnen.

Wichtig ist aber auch festzuhalten, dass das augenblickliche Infektionsgeschehen in Bayern keinen Anlass zu Hysterie gibt. Denn auch wenn die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag nach einer längeren Phase von Infektionen im zweistelligen Bereich inzwischen die zweite Woche in Folge wieder im niedrigen dreistelligen Bereich liegen (aktuell wie erwähnt bei 109), so sind die Zahlen der hospitalisierten Corona-Patienten sowie die Zahlen an und mit Corona Verstorbener Gott sei Dank sogar rückläufig. Denn starben Corona-bedingt in der Vorwoche noch 4 Personen, waren es in den letzten 7 Tagen wie dargestellt 2 Personen. Und auch die Zahl der Krankenhausbetten, die von Covid-19-Patienten belegt sind, liegt mit aktuell 100 sogar deutlich unter vergleichbaren Vormonatswerten (Stand 02.07.2020: 133 hospitalisierte Covid-19-Patienten).

Auffällig ist also, dass trotz der gestiegenen Zahlen bestätigter Corona-Neuinfektionen die Zahl der schweren bzw. tödlichen Verläufe eher rückläufig ist. Der Schluss liegt darum nahe, dass die zunehmenden bestätigten Corona-Infektionen auch zu einem erheblichen Teil den erhöhten Testkapazitäten in Bayern geschuldet sind, wodurch folglich eine größere Zahl asymptomatischer Corona-Erkrankungen diagnostiziert wird. So haben sich beispielsweise die aktuellen Testkapazitäten (27.07.-02.08.2020) mit durchschnittlich 20.018 durchgeführten Tests pro Tag im Vergleich zum entsprechenden Vormonatszeitraum (25.06.-01.07.2020) mit 9.556 Tests pro Tag mehr als verdoppelt. Auch hinsichtlich der Quote positiver Testergebnisse sind die Zahlen stabil. Im Schnitt liegt heute die Positivenrate bei 0,57 %. Das entspricht immer noch in etwa dem Prozentsatz (0,41 %) vom 02.07.2020, als wir gerade einmal 40 Neuinfizierte ausgewiesen hatten.

Auf diesen Erfolgen bei der Eindämmung der Pandemie ruhen wir uns aber natürlich nicht aus. In Bayern wissen wir, dass die Lage, solange wir mit Corona leben müssen, stets fragil bleibt und daher aufmerksam beobachtet werden muss. Wie bereits letzte Woche erläutert, behalten wir darum u. a. auch das intensivierte Reisegeschehen genau im Blick. Ich freue mich, dass jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, sich inzwischen innerhalb von 72 Stunden beziehungsweise unmittelbar bei Wiedereinreise kostenlos auf das Coronavirus testen lassen kann. Die Testangebote in Bayern werden auch bereits stark nachgefragt und sind ein voller Erfolg. Allein an den bayerischen Autobahnen haben sich am 5. August 2020 beispielsweise knapp 4.000 Personen testen lassen.

Außerordentlich begrüße ich auch, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heute verkündet hat, dass Einreisende aus Risikogebieten ab sofort zum Test verpflichtet sind. Entweder sie legen bereits bei Einreise einen negativen Corona-Test vor, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, oder sie lassen sich nach der Einreise in Deutschland testen. Das soll zum Beispiel noch direkt am Flughafen geschehen und ist für die Reisenden kostenlos; sich zu widersetzen ist bußgeldbewehrt. Klar ist aber auch: Einen körperlichen Zwang zur Testung kann und soll es nicht geben. Alle nicht negativ getesteten Reisenden müssen sich darum nach ihrer Rückkehr direkt zu ihrem Zielort begeben und dort eine 14-tägige häusliche Quarantäne einhalten. Und sie müssen sich sofort bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt melden. Wichtig ist: Bis das Testergebnis vorliegt oder eben eine 14-Tage dauernde häusliche Selbstisolation absolviert wurde, müssen sich Einreisende aus Risikogebieten strikt an die Quarantäneregeln halten. Währenddessen ist es nicht erlaubt, das Haus oder die Wohnung zu verlassen und Besuch zu empfangen. Verstöße dagegen können zu Recht sehr teuer werden!

Themenwechsel: Auch diese Woche kann und will ich nicht verhehlen, dass ich mich über ein Ereignis ganz besonders geärgert habe. Die massenhaften Verstöße gegen die Covid-19-Auflagen bei den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen am vergangenen Samstag in Berlin sind nicht hinnehmbar. Unzählige Teilnehmer haben sich dort dicht gedrängt und ohne Masken auf der Straße des 17. Juni aufgehalten. Neben Corona-Leugnern und Impfgegnern waren auch viele Teilnehmer mit eindeutig rechtsgerichteten Fahnen oder T-Shirts in der Menge; einige von ihnen riefen sogar zynisch „Wir sind die zweite Welle.“ und brachten damit ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit unserer Bevölkerung zum Ausdruck. Dieses verantwortungslose Verhalten dürfen wir nicht tolerieren.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bekenne mich klar zum Grundrecht auf Versammlungsfreiheit – es ist ein außerordentlich wichtiges Gut für eine lebendige Demokratie. Gerade auch im Zuge der Coronavirus-Beschränkungen muss dieses Grundrecht besondere Berücksichtigung finden. Und klar ist auch: Selbst für Unsinn zu demonstrieren, muss in einer Demokratie ungestraft möglich sein. Mein Verständnis endet aber da, wo Demonstranten die Gesundheit unserer Bevölkerung mutwillig gefährden – und genau das ist in Berlin am vergangenen Wochenende geschehen. Denn die dort gezeigte Dimension an unverantwortlicher Sorglosigkeit im Umgang mit dem Coronavirus hat das Potential, unsere mühsam erreichten Erfolge bei der Pandemiebekämpfung zunichte zu machen. Dieses rücksichtslose Verhalten gefährdet uns alle! Ich finde es darum dringend angezeigt und auch verhältnismäßig, solche Versammlungen künftig nur noch unter strengeren Auflagen zu genehmigen. Es muss klar sein: Demonstrationen werden ohne Einhaltung der Hygiene- und Abstandsgebote unverzüglich aufgelöst. Und diejenigen, die derart verantwortungslos und leichtsinnig handeln, müssen für ihr Tun auch zur Verantwortung gezogen werden und mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Nur so können wir beidem gerecht werden: dem Recht auf Versammlungsfreiheit und dem Schutz der Gesundheit unserer Bevölkerung.

Aber Gott sei Dank gibt es diese Woche natürlich auch wieder Anlass zur Freude: Als Bayerischer Sportminister und leidenschaftlicher Fußballfan bin ich froh, dass nach rund fünf Monaten Corona-Unterbrechung endlich die UEFA Champions League fortgeführt werden kann. Nach 149 Tagen Pause rollt der Ball am 7. August 2020 wieder in der „Königsklasse“ des Fußballs. Und am 8. August steht auch gleich der FC Bayern München im Achtelfinal-Spiel gegen den FC Chelsea. Ich drücke fest die Daumen, dass der FC Bayern wie beim 0:3-Hinspiel das Spiel wieder für sich entscheidet – dann wären wir unserem Ziel, dem Finalturnier in Lissabon, wieder einen entscheidenden Schritt näher.

Damit Corona für uns nicht zum Aha-Erlebnis wird, halten wir uns lieber an die AHA-Formel: Achten wir auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, dort wo es eng wird!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister

Mit Änderungsverordnung wurde die 6. Bayer. Infektionschutzmaßnahmenverordnung zum 01.08.2020 wieder aktualisiert. Wenn keine neuerlichen Änderungen kommen, dann tritt die Verordnung mit Ablauf des 16. August 2020 außer Kraft.

6._BayIfSMV_Stand_01.08.2020.pdf