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112 Newsletter vom 22. Dezember 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

zunächst ein kurzer organisatorischer Hinweis. Alle bisherigen Wochennewsletter haben Sie stets donnerstags erhalten. Feiertagsbedingt bietet sich in dieser und den nächsten Wochen die Beibehaltung der bisherigen Praxis aber nicht an. Denn der kommende Donnerstag ist der Heilige Abend und eine Woche später ist Silvester, beides arbeitsfreie Tage, an denen Sie hoffentlich vom Alltagsstress dieser verrückten Zeit ausspannen können und nicht dienstliche Newsletter lesen. Und auch die erste Woche des neuen Jahres ist von einem Feiertag geprägt, sodass wir es auch hier mit einer Sondersituation zu tun haben. Deshalb habe ich mich entschlossen, die nächsten Newsletter jeweils am Dienstag zu veröffentlichen, danach werden wir wieder zum gewohnten Verfahren zurückkehren.

Auch in den vergangenen fünf Tagen hat sich die Corona-Lage leider nicht grundlegend entspannt. Das zeigen die aktuellen Zahlen, mit denen ich auch heute beginnen möchte. Heute, Dienstag, 22.12.2020, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern 292.899 bestätigte COVID-19-Infektionen (letzten Donnerstag 273.339). Das sind im Vergleich zum letzten Donnerstag 19.560 mehr. Dies bedeutet für die zurückliegenden fünf Tage einen rechnerischen Schnitt von ca. 3.912 Neuinfektionen. Für die 14 vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte (aus sieben Tagen gemittelt) bei 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652, 372, 327, 375 bzw. 376. Und so betrachte ich es als kleinen Silberstreif am Horizont, dass – bei aller Vorsicht wegen des verkürzten Betrachtungszeitraumes – der heute ermittelte durchschnittliche Tageswert im Vergleich zu letztem Donnerstag keine weitere Steigerung zeigt. Ganz ähnlich stellen sich die Dinge bundesweit dar. Hier haben sich ganz aktuell die täglichen Neuinfektionszahlen um die 25.000er-Marke eingependelt und scheinen im Unterschied zu den Vorwochen zunächst nicht weiter anzusteigen.

Im innerdeutschen Ranking steht Bayern weiterhin auf Platz 3, direkt hinter Spitzenreiter Sachsen mit einer 7-Tage-Inzidenz von 427 (vor fünf Tagen 415), und Thüringen mit einem Wert von 299 (vor fünf Tagen 274). Mit der nochmals leicht gestiegenen Rate von jetzt 216 (vor fünf Tagen 210) liegt Bayern nun ganz knapp vor Baden-Württemberg (208), Brandenburg (203) und Hessen (200). Am anderen Ende der Skala finden sich aktuell die Küstenstaaten Mecklenburg-Vorpommern (97) und Schleswig-Holstein (94), die beide an der 100er-Linie kratzen.

Wie Sie wissen, schaue ich bei der Beurteilung der Lage nicht allein auf die Zahl der Neuinfektionen. Zwar bildet dieser Parameter das Kernelement, aber auch andere Kenngrößen liefern wichtige Hinweise, etwa die Positivrate. Sie setzt die Zahl der laborpositiven Tests ins Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen bei Werten zwischen 6,6 und 7,9 Prozent (Vorwoche: 7,6 und 9,1 Prozent). Das mag auch mit einem verstärkten Testgeschehen vor Weihnachten zu tun haben, denn allein gestern sind in die kommunalen Testzentren der 96 Landkreise und kreisfreien Städte erstmals mehr als 50.000 Menschen zur Testung gekommen. Und doch möchte ich die im Vergleich zu letztem Donnerstag um etwa einen Prozentpunkt zurückgegangene Positivrate auch der Kategorie „Silberstreif am Horizont“ zuordnen, weil ich es bemerkenswert finde, dass mit einer stärkeren Ausleuchtung des Dunkelfeldes durch mehr Tests kein Anstieg der Positivrate einhergegangen ist.

Weitere bedeutende Gradmesser sind für die Einschätzung der Corona-Situation die Kenngrößen „Sterbefallzahl“ und „Hospitalisierungssituation“. An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 5.821 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum letzten Donnerstag 497 oder 99,4 Sterbefälle pro Tag mehr, nach 97,1 Sterbefällen pro Tag in der Woche davor (aus sieben Tagen gemittelt) – also auch hier eine gewisse positive Stagnation. Mit viel gutem Willen lässt sich eine solche auch aus den Zahlen für die bundesweite Betrachtung herauslesen. Denn immerhin hat es in den letzten sieben Tagen kein neues All-time-high gegeben, auch wenn natürlich der gestrige Tageswert von 731 Toten im Zusammenhang mit Corona ein sehr trauriges Faktum ist.

Aktuell sind am heutigen Dienstag in Bayern 67.710 Personen an COVID-19 erkrankt (Vorwochen, jeweils donnerstags, 65.720, 60.300, 58.600, 56.840, 52.970, 45.780, 34.420, 23.100 bzw. 13.190) und damit im Vergleich zu letztem Donnerstag 1.990 mehr. Auch aus diesem zugegeben asymmetrischen Vergleich der jeweiligen TAGESwerte Donnerstag/Dienstag mögen Optimisten Honig saugen, denn in der Vorwoche war im Vergleich Donnerstag/Donnerstag ein enormer Anstieg von 5.420 neu erkrankten Menschen zu konstatieren.

Stand heute befinden sich von den insgesamt 67.710 erkrankten Personen 5.276 in einer Klinik (in den Vorwochen jeweils am Donnerstag 5.065, 4.663, 4.015, 3.730, 2.626, 2.243, 1.751, 1.072, 614, 328, 243, 213, 215, 166, 215 bzw. 106). Von diesen wiederum befinden sich 4.374 auf einer Normalstation und 902 (Donnerstage der Vorwochen: 860, 791, 726, 683, 530, 491, 367, 151 bzw. 100) auf „Intensiv“. In diesem Segment der Betrachtung befinden wir uns somit nach wie vor in einer Aufwärtsbewegung, eine Entlastung der Kliniken deutet sich leider noch nicht an.

Lassen Sie uns nun noch kurz das Augenmerk auf die lokalen Entwicklungen richten. In Bezug auf die absoluten Werte der 7-Tages-Inzidenz verzeichnen wir den Spitzenwert auch in dieser Woche beim Landkreis Regen, dies allerdings erfreulicherweise bei einem deutlich verbesserten Wert von 560,7 nach 670,5 letzten Donnerstag. Dahinter folgt nun die Stadt Schwabach mit 395,3 (383,1) Neuinfektionen binnen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner, die mit der Stadt Nürnberg die Plätze getauscht hat. Die Franken-Metropole muss eine 7-Tage-Inzidenz von 383,1 verzeichnen, nach 364,6 letzten Donnerstag. Gleich dahinter folgt die Stad Coburg mit einem deutlichen Anstieg auf 379,8 (331,1).

Bildet man Cluster, dann liegt von den 96 Landkreisen und kreisfreien Städten heute neuerlich nur der Landkreis Regen jenseits der Marke von 400 (1). In dem Segment zwischen 300 und 400 sind es nunmehr 11 (letzten Donnerstag: 8) Gebietskörperschaften, bei Werten zwischen 200 und 300 liegen 27 (42) Gebietskörperschaften und in einem Korridor mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 finden sich weitere 56 (42) Kommunen. Den niedrigsten Wert verbucht neuerlich der Landkreis Würzburg mit 72,1 (65,3). Insgesamt betrachtet hat es durch das Absinken einer ganzen Reihe von Landkreisen und kreisfreien Städten in das Cluster „100-200“ eine Entlastung des höheren und damit problematischeren Clusters „200-300“ gegeben. Das ist erfreulich, darf aber auch nicht überbewertet werden, weil es nur knapp unterhalb des Schwellenwerts von 200 eine regelrechte Rudelbildung gibt.

Liebe Leserinnen und Leser, im Ministerrat haben wir heute im Umlaufverfahren zahlreiche Beschlüsse gefasst, die sich u.a. auch auf die Thematik der Reiserückkehrer aus Nicht-EU-Staaten bezogen haben. Nachdem wir diesbezüglich starke Verknüpfungen zum Bundesrecht haben, das aber erst noch „in der Mache“ ist, werde ich Sie hierüber im nächsten Newsletter informieren. Stattdessen möchte ich ein ganz aktuelles Thema aufgreifen, das die Menschen augenscheinlich enorm bewegt.

Dass COVID-19 ein trickreicher Gegner ist, den man auf keinen Fall unterschätzen darf, hat das Virus diese Woche wieder eindrucksvoll belegt. So hat die Regierung des Vereinigten Königreiches mitgeteilt, dass im Großraum London eine Mutation des Virus grassiere, die um ca. 70 Prozent ansteckender sei als die bisherige „Standard-Variante“. Ob der von „London“ genannte Wert einer um 70 Prozent erhöhten Ansteckungsgefahr exakt zu verstehen oder ggf. etwas zu hoch gegriffen ist, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Denn nach einer ersten Bewertung deutscher und europäischer Virologen scheint es jedenfalls sehr wahrscheinlich, dass sich mit der Mutation ein signifikant erhöhtes Ansteckungsrisiko verbindet.

Was wir bei der oben beschriebenen starken Auslastung der Kliniken gerade am allerwenigsten brauchen, sind höhere Hospitalisierungszahlen. Deshalb war es im Sinne einer Vorsichtsmaßnahme absolut richtig, den Reiseverkehr mit dem Vereinigten Königreich sofort weitgehend herunterzufahren. Derzeit ist der Flugverkehr zwischen der Insel und den meisten kontinentaleuropäischen Staaten unterbunden, der Eurostar, der üblicherweise die unter dem Ärmelkanal liegende Hochgeschwindigkeitsstrecke durchrast, ist eingestellt und die Fähren auf Hauptverbindungen wie etwa zwischen Dover und Calais verkehren aktuell nicht.

Mit diesen Maßnahmen bannt man nicht nur die Gefahr, dass die Mutation mit dem Weihnachtsreiseverkehr lawinenartig auf den Kontinent und damit auch nach Deutschland gelangt, sondern man gewinnt auch Zeit, die Lage weiter zu analysieren. Denn über eine größere Ansteckungsgefahr hinaus stellen sich wichtige Anschlussfragen, etwa die, warum diese Mutation ausgerechnet in Großbritannien aufgetreten ist. Womöglich ist das aber auch gar nicht so, sondern womöglich wurde es dort nur erstmals großflächig nachgewiesen. Das könnte an einer unterschiedlichen Untersuchungspraxis diesseits und jenseits des Ärmelkanals liegen. Hierbei muss man zweierlei unterscheiden: Die gerade in Bayern sehr intensiv genutzten PCR- und Antigenschnelltests klären, ob sich ein Virus vom Stamme COVID-19 nachweisen lässt. Das geht vergleichsweise einfach und reicht für die Klärung der Frage „positiv ja/nein“ völlig aus. Das wird auf der ganzen Welt so gemacht.

Davon zu unterscheiden ist die Frage, welcher Subtyp derer vom Stamme der COVID-19 vorliegt. Das zu untersuchen ist wesentlich aufwändiger, weil man hier in die genaue Genstruktur des in einer Probe vorgefundenen Virus hineinschauen muss. Solche vertieften Untersuchungen werden auch in Deutschland gemacht, allerdings nur in vergleichsweise geringem Umfang. So hat das RKI bisher ca. 2.000 Proben entsprechend analysiert, wobei die hier in Rede stehende Mutation – wie auch in den meisten Staaten von Festlandeuropa – bisher noch nicht nachgewiesen werden konnte. Anders in Großbritannien. Ausgehend von einer generell wesentlich weiter verbreiteten Praxis, menschliches Erbgut intensiv auszuwerten – so wurde die von der Polizei genutzte DNA-Analyse in „GB“ erfunden und erstmals forensisch zur Anwendung gebracht – sind dort um ein Vielfaches höhere Laborkapazitäten für die Durchführung sog. „Sequenzierungen“ vorhanden, die nun zum Teil auf die Analyse des Erbgutes von COVID-19-Viren umgeswitcht wurden, sodass dort entsprechende Untersuchungen in sechsstelligen Größenordnungen vorgenommen werden. Das bedingt wiederum eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit der schnelleren Entdeckung neuer Varianten. Übrigens: Dass Viren mutieren, ist etwas völlig Normales. Schon jetzt sind gut 20 COVID-19-Mutationen bekannt und diese Zahl spricht nach Auskunft von Dr. Stürmer (Uni Frankfurt/Main) für eine vergleichsweise große Mutationsträgheit von COVID-19. Im Vergleich dazu sind Grippeviren wesentlich mutationsfreudiger.

Viele fragen sich auch, was die neue Variante für die Impfstrategie bedeutet. Könnte diese womöglich sogar von der neuen Variante unterlaufen werden? Auch an dieser Stelle braucht es noch weitere Evaluierungen, aber nach Auskunft von Experten, u.a. Prof. Dr. Adams (Uni Düsseldorf) spricht eher wenig für eine solche Befürchtung. Denn alle in Rede stehenden Impfstoffe zielen nicht nur auf eine Stelle am/im Virus, um es durch Antikörper anzugreifen, die der Körper nach einer Impfung bildet, sondern auf zahlreiche unterschiedliche Stellen der Struktur des Virus. Deshalb gilt: Ist nach einer Mutation bei einer neuen Variante ein spezieller Angriffspunkt zufällig für einen bestimmten Typ Antikörper unüberwindlich verbarrikadiert, bleiben alle anderen Angriffsmittel verfügbar. Oder bildlich gesprochen: Ist das Virus nach einer Mutation gegen Angriffe mit „Speeren“ gewappnet, bleibt es aber immer noch mit „Pfeilen“, „Schwertern“, „Schleudern“, „Messern“ etc. genauso wirksam angreifbar und kann allein mit jeder einzelnen „Waffenart“ so neutralisiert werden, dass es den geimpften Menschen nicht mehr krankmachen kann. Wir dürfen die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen, müssen aber nach allem, was man aktuell sagen kann, auch nicht in Panik verfallen.        

Liebe Leserinnen und Leser, Weihnachten ist für mich jedes Jahr etwas ganz Besonderes. Zum einen, weil es traditionell das Fest der Familie ist, an dem sich der Kern des engsten persönlichen Umfeldes, das einen auch in schwierigsten Situationen bedingungslos stützt, zusammenfindet, um in festlicher Stimmung mit gemütlicher Atmosphäre gemeinsam Zeit zu verbringen und zu genießen. Weihnachten ist für mich zum anderen aber auch deshalb seit jeher etwas Besonderes, weil sich mit diesem zutiefst christlichen Fest, das in der dunklen Jahreszeit mit den kürzesten Tagen und längsten Nächten im Jahreslauf liegt, eine ganz besondere Frohbotschaft verbindet. Es kommt mit der Geburt Jesu, oder neutestamentlich gesprochen, mit Christus, einem Titel, der aus dem Lateinischen oft mit „Erlöser“ übersetzt wird, gleichsam Licht in die Dunkelheit. Oder ganz praktisch gesprochen verbinden sich mit der Weihnachtsbotschaft mehr Zuversicht und weniger Ängste, mehr Hoffnung und weniger Sorgen, mehr Mitmenschlichkeit und weniger Nöte sowie mehr Freude und weniger Trübsal.

Das gilt ganz besonders an diesem beispiellosen Weihnachten 2020, das unter dem Eindruck der Corona-Pandemie in einem unguten Wortsinne „ganz besonders“ ist. Denn wie ich aus zahlreichen Zuschriften weiß, sind derzeit sehr viele Menschen verunsichert. In der Kurzfristperspektive betrifft das zunächst die kommenden Weihnachtsfeiertage. Sicherlich ist in sehr vielen Familien Weihnachten von beinahe ehernen Traditionen geprägt, die aber aktuell ein Stück weit in Frage stehen. Gerade für Heiligabend gilt dies. Man trifft sich jedes Jahr zur selben Tageszeit möglichst vollständig in derselben personellen Zusammensetzung vor der prächtig geschmückten Nordmanntanne, die Reihenfolge des Erscheinens der Familienmitglieder ist stets dieselbe und es ist immer dasselbe Familienmitglied, das sich etwas verspätet. Der Ablauf des Abends folgt strengen Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf „wann wird gegessen“, „welches Gericht kommt auf den Tisch“ „wann ist Bescherung“, „wann wird was gemeinsam gesungen“, „wer liest die Weihnachtsgeschichte vor“, „wer geht später am Abend in die Christmette und wer dann heuer doch (wieder) nicht“ und vieles andere mehr. Dieses gemeinsame, tief vertraute Erleben ist für viele regelrecht ein Ankerpunkt fürs ganze Jahr, an dem sich das familiäre Wir-Gefühl stärkt und festigt.

Und heuer? Heuer sind derlei Gewissheiten relativ und alles ist irgendwie anders. Schon weil es für nicht wenige Menschen die unausgesprochen in der Luft liegende Horrorvorstellung schlechthin ist, ein Familienmitglied könnte sich ausgerechnet beim privaten Weihnachtsfest infizieren. Die Kontaktbeschränkungen und die Ausgangssperre zwingen zu einem veränderten Festablauf sowie weihnachtsstimmungskillenden Schutzvorkehrungen, etwa was das Abstandhalten angeht. Womöglich muss entschieden werden, wer an Heiligabend dabei sein darf und wer erst an einem Feiertag kommt. Die Christmette gibt es zur gewohnten Zeit nur in Radio, Fernsehen oder im Livestream, aber nicht mit den so prägenden Begleiteindrücken von Kerzen-, Weihrauch- und Tannenduft, dem unmittelbaren Blick auf den Schattenwurf des örtlichen Kirchenchores, der mit Orchesterunterstützung alles gibt, um eine festliche Umrahmung des Gottesdienstes darzubieten. Und auch das leichte Frösteln in der nur mäßig geheizten Kirche wird vielen irgendwie an diesem Weihnachtsfest fehlen.

In der Langfristperspektive sind viele besorgt, selbst schwer zu erkranken oder andere mit Corona anzustecken. Nicht wenige haben große Ängste, wie es wirtschaftlich-existenziell weitergeht, ob sie nächstes Jahr um diese Zeit noch eine auskömmliche Arbeit haben, ihr Geschäft werden halten oder das Darlehen für das Haus bedienen werden können. Darüber hinaus haben immer mehr Menschen Bedenken, was Corona, mit dem wir sicherlich noch viele Monate zu tun haben werden, mit ihnen selbst, mit ihrem Zusammenleben im unmittelbaren sozialen Umfeld, aber auch mit unserem Gemeinwesen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt auf Dauer machen wird.         

Dazu will ich Folgendes sagen: Es mache sich bitte niemand Sorgen, weil ihn gelegentlich solche Gedanken beschleichen. Im Gegenteil. Sorgen machen mir vielmehr die, die sich über derlei existenzielle Herausforderungen keine Gedanken machen oder nicht auch mal ins Grübeln kommen, diejenigen, die verquere Sichtweisen als Wahrheiten verkaufen und die Fakten leugnen. Und ich möchte uns allen Hoffnung machen, dass es bald aufwärtsgeht.

Deshalb möchte ich Sie von Herzen ermuntern, sich von Corona nicht die Freude an Weihnachten verderben zu lassen. Ja, es ist heuer manches schwieriger und anders, aber es ist auch nicht so, dass Weihnachten total ausfallen müsste. Und vielleicht erwachsen ja gerade aus der Entschleunigung Chancen und Gelegenheiten, um aus einem vermeintlichen „Wenigerweihnachten“ tatsächlich ein Mehr an Mitmenschlichkeit zu machen. Um mehr miteinander zu reden, Telefonate zu führen, die schon längst geführt werden hätten sollen, aber nie geführt wurden oder einfach Zeit für sich und die seinen zu haben.

Hoffnung und Zuversicht schöpfe ich für die weitere Entwicklung zunächst daraus, dass seit gestern in der EU der erste Impfstoff alle erforderlichen Zulassungshürden genommen hat, deshalb schon am 27.12. mit dem Impfen begonnen werden und so die Pandemie von der Wurzel her angepackt werden kann – auch wenn es bis zu einem nachhaltigen Zurückdrängen geraume Zeit brauchen wird. Aber immerhin: Der Wendepunkt ist umfahren.

Und ich baue ganz besonders auf die Solidarität der weit überwiegenden gesellschaftlichen Mehrheit. So setzt dieser Tage z.B. die ARGE Bevölkerungsschutz (ARGE) ein Glanzlicht an Mitmenschlichkeit und Solidarität. In der ARGE sind der Arbeiter-Samariter-Bund, das Bayerische Rotes Kreuz, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst, das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk Deutschland und das Technische Hilfswerk organisiert. Unter Federführung des BRK betreiben diese über die Weihnachtsfeiertage bayernweit ca. 135 zusätzliche Anlaufstellen, an denen sich diejenigen Menschen testen lassen können, die Angehörige oder enge Freunde in einer Klink, einem Alten- und Pflegeheim oder einer Behinderteneinrichtung besuchen wollen. Hier opfern hilfsbereite Menschen „ihr“ Weihnachten, um die Patienten und Bewohner der genannten Einrichtungen vor dem Alleinsein zu bewahren. Das sind mit Geld gar nicht aufzuwiegende Weihnachtsgeschenke, die die Hilfsorganisationen den Schwächsten machen.

Hoffnung und Zuversicht gewinne ich bei diesem Wettlauf gegen die Pandemie aber gerade auch aus dem unglaublichen Einsatzwillen und der enormen Ausdauer derer, die unmittelbar an der Bekämpfung der Pandemie mitarbeiten, etwa das ärztliche und das pflegende Personal in den Kliniken. Ihnen allen ein herzliches Vergelt`s Gott! Ganz besonders danken möchte ich an dieser Stelle natürlich allen, die ihren Beitrag in meinem eigenen Zuständigkeitsbereich als Innen- und Katastrophenschutzminister erbringen. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Innenministeriums wie der Regierungen und Landratsämter, aber natürlich auch der Polizei, um nur die größten Behördenkategorien zu nennen. Ihre enorme Leistungsbereitschaft und nicht zuletzt ihre große Kreativität auf der Suche nach sofort umsetzbaren Lösungen für bisher nie dagewesene Problemstellungen sind für mich die bereits erwähnten sprichwörtlichen Lichter in der Dunkelheit, die mir immer wieder die unerschütterliche Überzeugung schenken, dass uns diese Pandemie zwar weiter stark herausfordern, aber am Ende nicht in chaotische Zustände stürzen wird. Dass wir nicht in die Knie gehen, daran haben auch die bereits genannten Hilfsorganisationen sowie die Feuerwehren und die Bundeswehr einen enormen Anteil. Sie alle haben und sind die „helfenden Hände“, ohne die die Katastrophenschutzbehörden oft zu schnell an Grenzen stoßen würden.

Ich wünsche Ihnen allen frohe und gesegnete Weihnachten, ruhige und friedvolle Feiertage und genügend Zeit für sich selbst.

„Gsund bleim“, denn Gesundheit ist auch an Weihnachten das größte Geschenk!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister