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112 Newsletter vom 29. Dezember 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch diesen Newsletter will ich mit Ausführungen zu wesentlichen Kenngrößen des Pandemieverlaufes beginnen, muss allerdings vorausschicken, dass deren Aussagekraft im Unterschied zu sonst eingeschränkt ist. Denn feiertagsbedingt hatten in der letzten Woche viele Testzentren und Labore ihren Betrieb reduziert, sodass es etwa im Vergleich zur Vorwoche zu einer reduzierten Probennahme und zu einer etwas verzögerten labortechnischen Auswertung gekommen sein dürfte. Ich will Ihnen die Zahlen aber dennoch nicht vorenthalten, schon um die Kontinuität der Darstellung für die kommenden Wochen zu wahren.

Heute, Dienstag, 29.12.2020, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern 315.320 bestätigte COVID-19-Infektionen. Im Vergleich zu letzten Dienstag, bis zu dem 292.899 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 22.421 Fälle mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von ca. 3.203 Neuinfektionen. Für die 15 vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652, 372, 327, 375 bzw. 376. Es wäre wirklich ein riesiges verspätetes Weihnachtsgeschenk, wenn die neuen Zahlen die Trendwende beschreiben würden. Aber wie gesagt, um dies feststellen zu können, müssen wir noch weiter beobachten und die einzelnen Kenngrößen noch intensiver evaluieren. Gleichermaßen vorsichtig ist mit den Zahlen für ganz Deutschland umzugehen. Im Unterschied zur Vorwoche liegen die Tageszahlen des RKI im Schnitt nicht mehr bei etwa 25.000, sondern nur bei etwa 15.000. Das sind Dimensionen, die nach meinem Empfinden das tatsächliche Geschehen nicht vollständig abbilden und der weiteren Evaluierung bedürfen.

Auch in Bezug auf die 7-Tage-Inzidenzwerte ist aus den oben genannten Gründen Vorsicht geboten. Denn eventuell auswertungsbedingt zu geringe Positivzahlen einzelner Tage finden naturgemäß Eingang in die Betrachtung der Neuinfektionen binnen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner und werden dann sogar noch eine Woche mitgezogen, ehe sie nach sieben Tagen aus dem Betrachtungszeitraum herausfallen. Da allerdings diese statistische Problematik für alle Bundesländer gleichermaßen gilt, taugen die Zahlen immerhin für einen qualitativen Ländervergleich. Und hier ist Bayern erfreulicherweise um einen Platz nach hinten auf Rang 4 gerutscht. Weiter an der Spitze steht Sachsen mit einer optisch deutlich verbesserten 7-Tage-Inzidenz von 365, nach 427 letzte Woche. Sodann folgen Thüringen mit einem Wert von 274 (Vorwoche 299), Sachsen-Anhalt mit 172 und eben Bayern mit 162 (216). Am anderen Ende der Skala finden sich aktuell wieder die Ostseeanrainer, wobei einmal mehr Schleswig-Holstein mit jetzt 85 (94) und Mecklenburg-Vorpommern mit jetzt 77 (97) die Plätze getauscht haben.

Dass ich mir allzu positive Aussagen zur Zahl der Neuinfektionen verkneife, hat auch damit zu tun, dass sich andere Parameter längst nicht so positiv darstellen. Dies gilt zum einen für die Positivrate. Sie setzt die Zahl der laborpositiven Tests ins Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen bei Werten zwischen 7,4 und 12,1 Prozent (Vorwoche: 6,6 und 7,9 Prozent). Das mag auch wieder mit dem schon für die Vorwoche für einzelne Tage zu konstatierenden und auf die kommenden Feiertage zielenden Sondereffekt zu tun haben. Ganz offensichtlich haben sich überdurchschnittlich viele Menschen testen lassen, um z.B. vor einem Weihnachtsbesuch bei Eltern oder Großeltern auf Nummer sicher zu gehen und diesen nur ja nicht das Virus ins Haus zu schleppen. Der teststärkste Tag war der 22.12. mit fast 94.700 Tests, von denen über 45.000 in den kommunalen Testzentren der 96 Landkreise und kreisfreien Städte vorgenommen wurden.

Zum anderen begründet sich meine Zurückhaltung mit den Kernkenngrößen „Sterbefallzahl“ und „Hospitalisierungssituation“. Denn auch wenn diese in Bezug auf die Neuinfektionen gleichsam am Ende eines Infektionsverlaufes liegen, so sagen diese doch in ganz erheblichem Maße etwas über die Belastung des Gesundheitssystems und das persönliche Leid aus, das Corona tagesaktuell in die Gesellschaft trägt. Hinzu kommt die Belastbarkeit speziell dieser Parameter. Denn weder für die Auslastung der Intensivstationen noch für die Sterbefallzahlen spielt die Feiertagsthematik eine Rolle. Wer so schwer krank ist, dass er „auf Intensiv“ muss, kommt auch an Weihnachten dorthin.

So sind in Bayern an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 6.443 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum letzten Dienstag 622 oder 89,9 Sterbefälle pro Tag mehr, nach 99,4 Sterbefällen pro Tag in der Woche davor. Immerhin zeigen diese Zahlen im Wochenverlauf eine gewisse Stagnation des Corona-bezogenen Sterbegeschehens an und das wäre – trotz aller Tragik eines jeden Einzelfalles – der kleine Anfang eines Fortschritts.

Aktuell sind am heutigen Dienstag in Bayern 63.550 Personen an COVID-19 erkrankt (Vorwochen, i.d.R. donnerstags, 67.710, 65.720, 60.300, 58.600, 56.840, 52.970, 45.780, 34.420, 23.100 bzw. 13.190) und damit im Vergleich zu letztem Dienstag 4.160 mehr. Aber auch hier gilt, dass das feiertagsgeprägt reduzierte Laborgeschehen die Zahlen verzerren kann, weshalb wir uns mit Freudensprüngen noch zurückhalten sollten.

Dies umso mehr als sich, Stand heute, von den insgesamt 63.550 erkrankten Personen 5.550 in einer Klinik (in den Vorwochen 5.276, 5.065, 4.663, 4.015, 3.730, 2.626, 2.243, 1.751, 1.072, 614, 328, 243, 213, 215, 166, 215 bzw. 106) aufhalten müssen. Von diesen wiederum befinden sich 4.581 auf einer Normalstation und 969 (in den Vorwochen: 902, 860, 791, 726, 683, 530, 491, 367, 151 bzw. 100) auf „Intensiv“. In diesem Segment der Betrachtung befinden wir uns somit allenfalls in einer leicht gebremsten Aufwärtsbewegung, eine substanzielle Entlastung der Kliniken oder gar eine Trendwende deuten sich leider nicht an.

Lassen Sie uns nun noch kurz das Augenmerk auf die lokalen Entwicklungen richten. Obwohl der beim Ländervergleich in Bezug auf die 7-Tage-Inzidenz formulierte feiertagsbezogene Vorbehalt in gleicher Weise auch für regionale Betrachtungen gilt, so lassen diese doch den ein oder anderen sachdienlichen Rückschluss zu und sollten deshalb nicht entfallen. Hinsichtlich der absoluten Werte der 7-Tages-Inzidenz sehen wir in dieser Woche die schmerzliche Spitze bei der kreisfreien Stadt Coburg mit einem Wert von 535 (nach 379,8 letzte Woche). Dieser ergibt sich zu aller erst aus einem dramatisch zu nennenden Infektionsgeschehen in mehreren Alten- und Pflegeheimen. Bereits über die Feiertage haben in den betroffenen Einrichtungen Begehungen stattgefunden, bei denen der Pflegeleiter in der regionalen Führungsgruppe Katastrophenschutz gemeinsam mit den Betreibern nach den möglichen Ursachen und eventuellen Verbesserungspotentialen geforscht hatte. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das insoweit gut lokalisierbare Ausbruchsgeschehen schnell eingedämmt werden kann.

Auf Platz 2 liegt nunmehr der Landkreis Regen mit einem auch ohne einen möglichen statistischen Feiertagseffekt erfreulich deutlich verbesserten Wert von 354,0 (nach 560,7 letzten Dienstag). Dahinter folgen nun der Landkreis Passau mit 326,5 sowie die Stadt Nürnberg. Letztere hat mit 323,5 (383,1) Neuinfektionen binnen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner erneut mit der Stadt Schwabach, für die 314,8 (395,3) zu Buche stehen, die Plätze getauscht und kommt insoweit nicht recht vom Fleck.  

In einer bayernweiten Gesamtschau haben sich offenbar die Infektionsbrennpunkte ein Stück weit vom Süden des Freistaates weg in Richtung Franken und Ostbayern verlagert. Denn in der nach den 7-Tage-Inzidenzen geordneten Liste aller 96 Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns rangiert mit der kreisfreien Stadt Rosenheim eine oberbayerische Gebietskörperschaft erst auf Platz 19. Es ist nicht lange her, da hatte sich ein umgekehrtes Bild geboten.

Bildet man Cluster, dann liegt aktuell nur die Stadt Coburg jenseits der Marke von 400 (1). In dem Segment zwischen 300 und 400 sind es nunmehr 6 (letzten Donnerstag: 11) Gebietskörperschaften, bei Werten zwischen 200 und 300 liegen 15 (27) Gebietskörperschaften und in einem Korridor mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 finden sich weitere 63 (56) Kommunen. Den niedrigsten Wert verbucht neuerlich der Landkreis Würzburg mit 55,5 (72,1). Bei allem Vorbehalt gilt im Grunde die letzte Woche getroffene Bewertung weiter: Insgesamt betrachtet hat es durch das Absinken einer ganzen Reihe von Landkreisen und kreisfreien Städten in das Cluster „100-200“ eine Entlastung des höheren und damit problematischeren Clusters „200-300“ gegeben. Das ist erfreulich, darf aber auch nicht überbewertet werden, weil weiterhin knapp unterhalb des Schwellenwerts von 200 ein starkes Gedränge herrscht. Mit nur leicht erhöhten Inzidenzen könnte ein Dutzend Gebietskörperschaften bald auch wieder jenseits der 200er-Marke liegen und dann müsste die Einschätzung deutlich negativer ausfallen.  

Liebe Leserinnen und Leser, wie bereits im Newsletter der vergangenen Woche angekündigt legt die Staatsregierung in den nächsten Tagen und Wochen ein besonderes Augenmerk auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Denn gerade im Lichte der Erfahrungen des Sommers, als nach den großen Ferien vor allem Urlaubsrückkehrer aus Süd- und Südosteuropa zahlreiche Corona-Infektionen ins Land getragen hatten, wäre es mit Blick auf rückkehrende Weihnachtsurlauber geradezu grob fahrlässig, sich dieses Themas nicht anzunehmen.

Zwar hatten wir die Menschen immer wieder dazu aufgerufen, dieses Mal die Winterferien möglichst zu Hause zu verbringen. Natürlich wäre ein Skiurlaub in der Schweiz verlockend, wo in vielen Kantonen schon länger viele Lifte laufen. Genauso verlockend ist es für viele Menschen mit Migrationshintergrund, die Weihnachtsferien für einen „Heimaturlaub“ zu nutzen. Aber infektiologisch gesehen bergen derlei Reisen ein hohes Risiko und deshalb haben wir schon weit vor Weihnachten aufgerufen, dieses Mal hier im Lande zu bleiben.

Diese Appelle und die Quarantänevorschriften in vielen Zielländern haben dazu geführt, dass unmittelbar vor Weihnachten weitaus weniger PKW in Richtung Süden und Osten unterwegs waren als in „normalen“ Jahren. Angesichts der Stausituationen, die sich aber bei der Ausreise kilometerlang vor allem vor dem Grenzübergang Suben und in geringerem Maße auch vor Salzburg am Walserberg gebildet hatten, wo die österreichischen Behörden Gesundheitskontrollen vorgenommen haben, müssen wir davon ausgehen, dass das Rückreisegeschehen aus Risikogebieten infektionsschutz- und kontrolltechnisch keinesfalls vernachlässigbar gering ist. Das bedeutet für uns im Kern folgende Zielstellungen: Grundsätzlich keine Einreise nach Deutschland ohne einen aktuellen negativen Corona-Test, entsprechende stichprobenartige polizeiliche Kontrollen in den Grenzregionen sowie eine wirksame nachgelagerte Überwachung durch die Gesundheitsbehörden.

Natürlich verlangt die Umsetzung dieser Ziele entsprechende rechtliche Grundlagen. Diese ergeben sich aus dem nicht ganz übersichtlichen Zusammenspiel zwischen Bundes- und Landesrecht, das ich kurz erläutern darf. Auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes hat der Bundesgesundheitsminister am 04.11.2020 die sog. Testpflichtverordnung (TestpflichtV) erlassen. Diese regelt die Kernanforderungen für eine infektionsschutzrechtlich zulässige Einreise (ausländerrechtliche Voraussetzungen bleiben unberührt). In den Mittelpunkt aller Betrachtungen stellt die TestpflichtV das generelle Erfordernis, dass Personen, die auf dem Land-, See- oder Luftweg nach Deutschland einreisen und sich zu einem beliebigen Zeitpunkt in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem Gebiet mit erhöhtem Corona-Infektionsrisiko aufgehalten haben – derzeit sind das u.a. alle unsere Nachbarstaaten –, nach ihrer Einreise auf Anforderung des zuständigen Gesundheitsamtes oder der sonstigen vom Land bestimmten Stelle einen aktuellen Testnachweis vorzulegen haben.

Die vom Bundesverordnungsgeber so bezeichnete „Anforderung“ eines Testnachweises durch die zuständige Landesbehörde ist durch das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in Form einer am 22.12.2020 erlassenen Allgemeinverfügung ergangen. Konkret bedeutet dies, dass aus Risikogebieten nach Bayern Einreisende aufgefordert sind, einen gültigen Nachweis über einen negativen Test vorzuweisen. Auf diese Pflicht werden diese Personen ggf. im Rahmen (grenz)polizeilicher Kontrollen am Flughafen oder auch nach einem Grenzübertritt auf dem Landweg in der Grenzregion hingewiesen. Besitzt der Einreisende beim Grenzübertritt einen solchen Nachweis nicht, ist er verpflichtet, sich binnen längstens 48 Stunden ab der Einreise auf COVID-19 testen zu lassen und binnen längstens 72 Stunden ab der Einreise das Testergebnis der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorzulegen. Diese Anforderungen gelten unabhängig von der Nationalität und treffen insoweit Deutsche, sonstige EU-Bürger und Drittstaatsangehörige gleichermaßen. Wer diesen Verpflichtungen nicht nachkommt, muss mit einem empfindlichen Bußgeld in Höhe von regelmäßig 250 Euro rechnen.

Aber auch in diesem Zusammenhang gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. Von der Testpflicht ausgenommen sind zunächst Durchreisende. Das sind im Sinne der Allgemeinverfügung Personen, die in den Freistaat einreisen, um ihn auf direktem Weg zu einem außerhalb Bayerns liegenden Reiseziel unverzüglich wieder zu verlassen. Beispiel: Will die einreisende Person von Salzburg nach Stuttgart, so benötigt sie dann bei der Einreise keinen Test, wenn sie z.B. die Strecke auf der A 8 direttissima zurücklegt. Fährt die Person bei ansonsten gleicher Konstellation von Freilassing über Wunsiedel, Hof, Bayreuth und Coburg spazieren, um dann nach drei Tagen endlich Stuttgart anzusteuern, dann ist es nichts mit Ausnahme.

Ebenfalls von der Testpflicht ausgenommen sind Grenzpendler. Das sind definitionsgemäß Menschen, die in Bayern ihren Wohnsitz haben und sich zwingend notwendig zum Zweck ihrer Berufsausübung, ihres Studiums oder Ausbildung an ihre Berufsausübungs-, Studien- oder Ausbildungsstätte in einem Risikogebiet begeben und regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich, an ihren Wohnsitz zurückkehren. Beispiel gefällig? Ich spreche hier z.B. vom Schreiner, der in Traunstein wohnt und für eine Salzburger Schreinerei arbeitet, den angehenden Mediziner, der eigentlich in München wohnt, aber an der Medizinischen Universität Wien studiert, oder dem Lehrling aus Regensburg, der sich im tschechischen Karlsbad zum Oblatenbäcker ausbilden lässt und wöchentlich pendelt.

Was in die eine Richtung recht ist, ist in die andere nur billig. Deshalb sind auch Grenzgänger in gleicher Weise privilegiert. Das sind im Sinne der Allgemeinverfügung Personen, die ihren Wohnsitz in einem ausländischen Risikogebiet haben und die sich zwingend notwendig zum Zweck ihrer Berufsausübung, ihres Studiums oder ihrer Ausbildung in den Freistaat Bayern begeben und regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich, an ihren Wohnsitz zurückkehren. So etwa der in Tschechien wohnende und in einer Oberpfälzer Klinik arbeitende Krankenpfleger (der sich allerdings nach anderen Vorschriften an seinem Arbeitsplatz testen lassen muss) oder die – ohne ein Unternehmen namentlich erwähnen zu wollen –  z.B. bei einem bekannten bayerischen Motorenwerk als Schichtleiterin arbeitende Ingenieurin für Fahrzeugbau, die werktäglich nach Regensburg anreist.

Die praktische Umsetzung der eingangs erwähnten Ziele verlangt ein gut durchdachtes und zwischen Landes- und Bundepolizei abgestimmtes Einsatzkonzept. Das liegt vor. Sowohl die Bundespolizei als auch die bayerischen Schleierfahnder werden im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten ein waches Auge auf die einreisenden Personen haben und Stichprobenkontrollen durchführen. Der Personaleinsatz richtet sich auch nach den zu erwartenden Hauptreisezeiten, an denen wir Verstärkungskräfte der Bereitschaftspolizei einsetzen werden.

Bei den Kontrollen wird es nicht nur um die Testbescheinigungen gehen, sondern auch um die Digitale Einreiseanmeldung (DEA), die jeder aus einem Risikogebiet Einreisende bereits seit Wochen vorab online vornehmen muss. Diese Meldungen helfen den Gesundheitsämtern, die Einhaltung der Quarantänevorschriften zu überwachen. Denn auf eines will ich ausdrücklich hinweisen: Quarantänepflicht und Testpflicht stehen separat nebeneinander und sind jeweils umfassend zu beachten. Deshalb kann auch nicht die eine Pflicht durch die andere Maßnahme abbedungen werden. Insbesondere kann die Quarantänepflicht nicht durch ein negatives Einreisetestergebnis weggetestet werden.

Einen ersten kleineren Kontroll-Testlauf haben Landes- und Bundespolizei bereits am vergangenen Wochenende durchgeführt. Hierbei hat sich gezeigt, dass etwa 40 Prozent der Kontrollierten auf die DEA „verzichtet“ haben. Etwa 20 Prozent der überprüften Personen hatten weder ein Testergebnis noch einen Befreiungsgrund vorzuweisen. Den Betreffenden konnte natürlich nicht erspart werden, die Weiterfahrt zunächst zu unterbrechen. Denn die Daten müssen bei der Kontrolle erfasst und sodann an das zuständige Gesundheitsamt weitergeleitet werden. Derlei Unannehmlichkeiten können leicht durch eine rechtzeitige DEA-Registrierung oder die Vornahme eines Tests vor der Einreise vermieden werden.

Natürlich hat die Polizei auch im Landesinneren über die Feiertage die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen, der Ausgangssperre und der örtlich bestehenden Maskentragepflicht überwacht. Hier darf ich den Menschen in Bayern ein großes Kompliment machen. Denn sie haben sich außerordentlich umsichtig verhalten. So gab es kaum Beschwerden wegen „Corona-Feten“ oder illegaler Feiern. Selbst in den üblicherweise überlaufenen klassischen Ausflugsgebieten gab es an den Feiertagen und am Sonntag keine wirklich gravierenden „Aufläufe“, sodass auch nur vergleichsweise wenige Ahndungen ausgesprochen werden mussten. Im Ergebnis hat die Polizei zwischen dem 23.12., 06:00 Uhr und dem 28.12., 06:00 Uhr 1.791 Anzeigen geschrieben und 54 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgestellt.         

Ein zweites großes polizeiliches Betätigungsfeld war am verlängerten Weihnachtswochenende die Sicherung der ersten Impfstofftransporte, die von den acht Zentrallagern an alle regionalen Impfzentren in den 96 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten ausgeliefert und sogleich an gut 6.000 besonders vulnerable Personen verimpft wurden. Sicherheitsspezifisch gab es keinerlei Probleme. Gleichermaßen positiv fällt im Wesentlichen auch die Beurteilung des bayernweiten Impfbeginns aus, der in fast allen Regierungsbezirken reibungslos von statten ging. Dass allerdings der sprichwörtliche Teufel im ebenso sprichwörtlichen Detail stecken kann, mussten die Verantwortlichen in Oberfranken zur Kenntnis nehmen. Viele Medien hatten über eine vermeintliche „Panne“ berichtet. Schon um einer von militanten Impfgegnern betriebenen Mythenbildung vorzubeugen, will ich das Geschehen kurz skizzieren. 

Wie Sie wissen, muss der Impfstoff von Biontech/Pfizer für die längerfristige Aufbewahrung und den Langstreckentransport kontinuierlich bei ca. -70 Grad Celsius gehalten werden. Für den Kurzfristtransport und die Verabreichung wird der Impfstoff auf normale Kühlschranktemperaturen gebracht, ist dann aber nur noch ca. 5 Tage einsetzbar. Der Gefrier- bzw. Kühlungszustand wird deshalb minutiös überwacht. Hierzu kommen sog. Datenlogger zum Einsatz, die die um das Transportgut herrschenden Temperaturen kontinuierlich messen und eine Vielzahl weiterer Daten aufzeichnen.

Casus knacksus war das Umpacken im Zentrallager. Denn hier werden die Großpalletten aufgelöst und einzelne, einem Landkreis/einer Stadt nach deren Einwohnerzahl zustehende Chargen portioniert und in entsprechende Kühlbehälter umgepackt. Diese werden jeweils mit Datenloggern bestückt. Ab dieser Phase beginnen auch die besagten fünf Tage zu laufen. Das Problem bestand nun darin, dass in Abweichung von der Gebrauchsanweisung des Herstellers einige Datenlogger nicht auf die Transporttemperatur vorgekühlt, sondern längere Zeit der Zimmertemperatur ausgesetzt waren, die sie dann auch tatsachengemäß dokumentiert haben. Obendrein waren einige Geräte auch nicht ganz richtig im Behälter angebracht. Zwar hatte dies auf die tatsächliche Temperatur und damit die Wirkung des Kühlmittels keinerlei Einfluss, da der Datenlogger gerade kein Steuer-, sondern ein Dokumentationsgerät ist. In der technischen Dokumentation erzeugte dies aber den Anschein einer kurzzeitigen Überhitzung der Charge auf Zimmertemperatur, tatsächlich war es nur dem Messgerät „zu warm gewesen“. Der dokumentierte und insoweit vom Soll abweichende Temperaturverlauf ist bei der Übernahme der Chargen in den regionalen Impfzentren aufgefallen. Auch wenn sich nach Rücksprache mit dem Hersteller und der Feststellung, dass die Chargen nach der vermeintlichen, aber tatsächlich nicht eingetretenen Erwärmung jederzeit ordnungsgemäß gekühlt waren und keine Unterbrechung der Kühlkette vorlag, so haben die Leiter der betroffenen Kreisverwaltungsbehörden in der Kürze der Zeit vorsichtshalber davon abgesehen, die in Rede stehenden Impfdosen noch am selben Tag verabreichen zu lassen.  

Mittlerweile sind die nächsten Chargen in den bayerischen Zentrallagern eingetroffen und werden für die weitere Unterverteilung vorbereitet. Ich bin mir absolut sicher, dass derlei Anfangsschwierigkeiten kein zweites Mal auftreten und sich mit den weiteren Lieferungen schnell eine stabile Routine einstellen wird. Jetzt gilt es zu impfen, was geht, um der Pandemie möglichst bald den Schrecken zu nehmen.

Liebe Leserinnen und Leser, am Ende dieses ausgesprochen schwierigen Jahres bleibt mir nur noch, Ihnen von Herzen einen guten Rutsch in ein hoffentlich etwas ruhigeres, vor allem aber gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2021 zu wünschen. Ich habe keinen Zweifel, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit COVID-19 besiegt haben werden. Dafür müssen wir aber alle und ein jeder an seinem Platz immer wieder die sprichwörtlichen Ärmel hochkrempeln. Die einen haupt- oder ehrenamtlich bei der Bekämpfung der Pandemie und ihrer gesundheitlichen Folgen, die anderen als Bürger, die immer wieder mit der eigenen Disziplin ringen, um die Beschränkungen ein- und auszuhalten, und die dritten als Impfkandidaten, um den Oberarm hinzuhalten. Nutzen Sie die kommenden Feiertage, um sich darüber klar zu werden, ob Sie sich zu gegebener Zeit impfen lassen, wozu ich dringend rate.

Denn in Abwandlung eines Slogans, den die meisten von uns aus den Kindertagen zur Schluckimpfung noch kennen: Die Impfnadel piekst kaum – COVID ist grausam!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister