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112 Newsletter vom 1. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage. Heute, Donnerstag, 1. April, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern insgesamt 500.077 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 481.431 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 18.646 mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 2.664 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 2.305, 1.888, 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Wir müssen diese Woche nicht nur konstatieren, dass mittlerweile in Bayern sich mehr als eine halbe Million Menschen mit Covid-19 infiziert haben bzw. hatten, sondern dass sich auch der exponentielle Anstieg der Neuinfektionen fortsetzt. Das gilt leider auch für das Bundeslagebild, das für ganz Deutschland mindestens denselben Negativtrend beschreibt. Dieser mündete in der vergangenen Woche im Schnitt in 16.566 Neuinfektionen pro Tag, nach 14.416, 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen. Das RKI vermeldet heute für ganz Deutschland mit 24.300 einen Höchstwert, den es seit Mitte Januar nicht mehr gab und der im Wochenvergleich um knapp 1.650 höher liegt.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute auf Platz 5 (Vorwoche 8) des Negativ-Rankings und hat sich damit mit einer 7-Tage-Inzidenz von 142 – nach 114, 96, 77, 68, 58, 55 – um drei Plätze verschlechtert. Insgesamt 13 Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss Thüringen mit 254 (220) hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 75 (60). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt bei 134, nach 113 und 90 in den Vorwochen. Diese Zahlen belegen die bundesweit ungebrochene strukturelle Aufwärtsdynamik, die keineswegs nur von einigen „Problemländern“ herrührt, sondern die auch die vermeintlich „guten“ Länder immer schlechter dastehen lässt.

Dass sich das Infektionsgeschehen ungünstig entwickelt, hängt entscheidend mit der Verbreitung der britischen Mutation B.1.1.7. zusammen, denn diese ist deutlich ansteckender als der ursprüngliche Wildtyp oder andere Varianten wie etwa die südafrikanische B.1.351. Wurde vorvergangene Woche noch in ca. 60 Prozent der positiven PCR-Tests B.1.1.7. nachgewiesen und galt das letzte Woche noch für 72 Prozent der Proben, so meldet das RKI aktuell bereits rund 90 Prozent britische Mutanten. Dieser Typ hat somit nahezu alle anderen Arten verdrängt und für ungünstig klare Verhältnisse gesorgt, jedenfalls so lange, wie er nicht selbst einer noch ansteckenderen Mutation weichen muss. Das wäre dann erst recht übel.

Ein statistisches Kernelement der Beurteilung der Lage ist seit jeher die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 4,0 und 5,3 Prozent (Vorwoche: 4,0 und 5,0) und steigt damit – wenn auch leicht gebremst – weiter an. Die Zahl der in Bayern vorgenommenen PCR-Tests nimmt aktuell zu. Letzte Woche hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit an gleich drei Tagen zu verzeichnenden Werten von jeweils um die 90.000 PCR-Tests ein herausragendes Testgeschehen registriert, das sich diese Woche mit Blick auf die Ostertage noch einmal erheblich steigern könnte. Jedenfalls werden von vielen Testzentren lange Schlangen testwilliger Personen berichtet. Das ist einerseits gut, macht mir aber schon auch etwas Sorge, falls dieses Phänomen andeutet, dass sehr viele Menschen über die Feiertage ins Ausland reisen.

Angesichts dieser Gesamtlage verwundert es nicht, dass auch in den Regionen Bayerns die Infektionszahlen weiter steigen. Zwar zeigt sich weiterhin eine unterschiedliche regionale Verteilung, diese wird aber zusehends diffuser. Jedenfalls gilt die Regel der letzten Wochen nicht mehr, wonach sich eine überproportionale Betroffenheit nahezu ausschließlich auf einen Gürtel entlang der bayerisch-tschechischen Grenze fokussiert. Mittlerweile weist die Bayern-Karte der Landkreise und kreisfreien Städte auch in Schwaben und Niederbayern Landkreise mit 7-Tage-Inzidenzen von über oder knapp 300 aus. Im Einzelnen: Die gute Nachricht ist, dass die Stadt Hof mit jetzt 373 wieder unter die 400er-Marke gekommen ist. Es folgen die Landkreise Kulmbach (347), Cham (334) und Ostallgäu (301), die sich nunmehr in das letzte Woche noch unbesetzten Segment zwischen 300 und 400 einreihen. Schwandorf liegt nunmehr bei leider verschlechterten 299, gefolgt von Kelheim mit 280. Über der im Sinne der Maßnahmen-Matrix entscheidenden Marke von 100 Neuinfektionen binnen 7 Tagen liegen nunmehr 73 (50) Landkreise und kreisfreie Städte, die, soweit dieser Wert mehr als drei Tage hintereinander überschritten bleibt, mit diversen Einschränkungen des öffentlichen Lebens einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr umzugehen haben. Unter 100, aber über 50 liegen leider nur mehr 23 (37) Gebietskörperschaften und das Segment unter 50 ist nunmehr verwaist. Die niedrigste Inzidenz, die letzte Woche noch die Stadt Ansbach mit einem Wert von 35,9 für sich verbuchen konnte, meldet das RKI heute für den Landkreis Schweinfurt mit nicht wirklich prickelnden 61,5.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.260 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 171 (181) oder pro Tag ca. 24,4 Fälle mehr, nach 25,9, 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Damit gilt auch diese Woche: Auch wenn natürlich jeder Sterbefall tragisch und einer zu viel ist, so liegt in dieser Entwicklung doch die gute Nachricht, dass trotz der stark zunehmenden Neuinfektionen die Corona-bezogenen Sterbefälle, nicht zuletzt wegen der Impfungen, ohne nennenswerten Anstieg auf demselben Niveau verharren.

In den Kliniken ist der Trend leider auch nicht unser „friend“, wie die Briten sagen. Zum einen steigt die Zahl der hospitalisierten Covid-19-Patientinnen und -Patienten kontinuierlich an und vor allem gilt dies für die Intensivstationen. Dort liegen heute 648 Corona-Patienten, das hatten wir zuletzt am 9. Februar. Allein innerhalb einer Woche ist die Zahl der Intensivbelegungen in Bayern um 90 gestiegen und ich hoffe sehr, dass es die nächsten Wochen nicht in diesem Tempo weitergeht. Sonst wird die Lage sehr schnell eng. In der Zusammenschau aller Faktoren, Parameter und Lagefelder bleibt nur ein Urteil: die Lage ist ernst, für ein „Wir-sind-über-den-Berg-Gefühl“ besteht kein Anlass.

Liebe Leserinnen und Leser, letzte Woche hatte ich in Aussicht gestellt, mich in dem in der Karwoche erscheinenden Newsletter mit den Optionen für eine Lockerung der Maßnahmen näher befassen zu wollen. Wenn Sie gestatten, dann würde ich mir dieses Thema gerne noch etwas aufsparen. Denn wie gesehen, steigen aktuell die Infektionszahlen weiter, die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte, die bei der 7-Tage-Inzidenz über der 50er oder gar 100er-Marke liegen, wächst rasant und auch die Belegung der Intensivstationen entwickelt sich nicht in die richtige Richtung, sodass ich nicht davon ausgehe, dass das Gesundheitsministerium sehr zeitnah das für weitere Lockerungsmaßnahmen vor Ort erforderliche Einvernehmen erteilen wird. Und eine derzeit aktuell rein theoretische Abhandlung will ich Ihnen nicht zumuten, zumal es auch so den ein oder anderen Hoffnungsschimmer gibt.

STICHwort Impfen. Natürlich sind die neuerlichen Fragezeichen, die sich mit der Anwendung des Serums von AstraZeneca verbinden, eine emotionale Belastung für das gesamte Impfgeschehen. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“ sagt in Abwandlung einer Stelle im neutestamentlichen Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 11,33-36) ein deutsches Sprichwort, mit dem üblicherweise eine leicht genervte Grundstimmung in Bezug auf eine mangelnde Nachvollziehbarkeit des Handelns einer Person zum Ausdruck gebracht wird. Ähnliches könnte einem derzeit mit Blick auf die Ständige Impfkommission (Stiko) in den Sinn kommen. Zunächst hatte sie in Abweichung von der Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die Anwendung von AstraZeneca nur für bis zu 65-jährige Impfwillige empfohlen, weil der Stiko die studienbasierte Datengrundlage für Ältere als zu gering erschien. Nachdem Großbritannien ohne Altersgrenze und beginnend bei den Senioren millionenfach AstraZeneca verimpft hatte, war die Datenbasis auch für die Sitko hinreichend und die „deutsche“ Altersbeschränkung konnte entfallen. Kurz darauf hat die Stiko aber für dieses Präparat einen neuerlichen Impfstopp verfügt, nachdem sich in kleinsten absoluten Dimensionen statistische Auffälligkeiten in Bezug auf generell sehr seltene Hirnvenenthrombosen ergeben hatten. Zwei Tage später war der Impfstopp obsolet, nachdem eine neuerliche Überprüfung durch die EMA keine gravierenden Bedenken bestätigen konnte und ein entsprechender Hinweis auf die sehr seltene Möglichkeit von Hirnvenengerinnsel in den Beipackzettel aufgenommen wurde. Dem hatte sich die Stiko angeschlossen. Nun also auf Grundlage einer weiteren Stiko-Empfehlung eine neuerliche Einschränkung des Anwendungsbereiches. Seit vorgestern soll AstraZeneca nur mehr an mindestens 60 Jahre alte Probanden verabreicht werden – also im Wesentlichen die anfangs gesperrte Altersgruppe. Einmal mehr hat sich die Ansicht der Stiko europaweit nicht durchgesetzt. Die EMA hat – und das bereits am nächsten Tag – auf der Grundlage einer breiten europäischen Datenbasis keinen Anlass für ein sofortiges Impfmoratorium oder eine Altersbeschränkung gesehen und die Gesundheitsbehörden anderer EU-Staaten, u.a. Österreich, impfen ohne Altersbeschränkung mit AstraZeneca weiter. Wissenschaftlich gesehen ist das Vorgehen der Stiko für sich genommen sicherlich nachvollziehbar. Und doch sieht glückliches Agieren anders aus. Denn hier geht es längst nicht nur um Wissenschaft, sondern insbesondere auch um die öffentliche Wahrnehmung in einer ohnehin emotional sehr aufgeheizten Zeit. Dieses kurzatmige Hin und Her verunsichert die Menschen und müsste doch eigentlich durch einen rechtzeitigen Austausch auf Fachebene weitgehend zu vermeiden sein, ohne dass daraus in der Sache selbst unvertretbare Risiken erwachsen.

Nach allem, was man hört, lassen sich zum Glück die meisten, die aktuell einen Impftermin mit AstraZeneca haben, nicht verunsichern. Diese Menschen sind zum einen nach der aktuell weiter geltenden Priorisierung ohnehin i.d.R. älter als 60, und diejenigen, die bei der Nachricht „AstraZeneca“ doch zurückzucken, können schnell nachersetzt werden. Die auf Bundesebene getroffene Entscheidung hat aber insoweit Konsequenzen, als wir im elektronischen Terminvergabesystem BayIMCO Umprogrammierungen vornehmen müssen.

Mit Blick auf unsere eigenen Zuständigkeiten kann ich sagen, dass in den vergangenen Wochen in den Impfzentren an den Spritzen ordentlich Druck gemacht wurde. So wurden bisher etwa
2,3 Millionen Anti-Covid-19-Injektionen verabreicht. Diese verteilen sich auf ca. 1,6 Mio. Erst- und etwa 700.000 Zweitimpfungen. Des Weiteren wurden aus Sonderbeständen der EU für schwere Hotspot-Ausbrüche dem Freistaat 100.000 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung gestellt, speziell um in den besonders hart betroffenen Grenzregionen zu Tschechien mehr Menschen zu impfen, ohne dass anderen Regionen etwas „weggenommen“ würde.

Diese Sonderzuteilung folgt zwei unterschiedlichen, aber gleichermaßen wichtigen strategischen Überlegungen. Zum einen sind diese Gegenden in Bayern nach wie vor diejenigen mit der höchsten Ansteckungsgefahr und jeder, der dort geimpft ist und sich danach ansteckt, wird zumindest in aller Regel nicht mehr als schwerer Fall auf der Intensivstation landen. Das ist gut, denn die dortigen Krankenhäuser sind aktuell bayernweit im Verhältnis zu den verfügbaren Kapazitäten am stärksten ausgelastet und benötigen deshalb dringend eine Entlastung bei den Covid-Patientenaufnahmen. Denn auch wenn der letzte wissenschaftliche Beweis noch nicht erbracht ist, so deutet doch vieles darauf hin, dass bei erneuter Ansteckung das Immunsystem der Geimpften die Virenlast so weit drückt, dass die Gefahr, andere anzustecken, erheblich minimiert ist.

Dieser Zusammenhang gilt natürlich nicht nur für Hochinzidenzgebiete, sondern ganz generell. Deshalb ist es eine ausgezeichnete Nachricht, dass wir allein im April für Bayern weitere
ca. 2,3 Millionen Einzeldosen erwarten dürfen, die umgehend verabreicht werden. Nach den Ergebnissen des „Impfgipfels“, bei dem sich am Dienstag Ministerpräsident Dr. Söder u.a. mit den kommunalen Spitzenverbänden und Vertretern der Ärzteschaft zum weiteren Vorgehen beraten hat, werden den größeren Teil – ca. 1,3 Mio. Einzeldosen – die kommunalen Impfzentren übernehmen, die wir als Freistaat auch weiterhin bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach Kräften unterstützen. Die Impfzentren arbeiten natürlich auch über Ostern weiter und bereiten sich für die kommenden Wochen auf einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb vor. Die weitere Million Impfdosen sollen die niedergelassenen Ärzte verimpfen. Am gestrigen Mittwoch haben zunächst 1.635 Arztpraxen mit 33.000 Einzeldosen begonnen. Ab der Osterwoche stoßen nach und nach weitere niedergelassene Ärzte dazu, ehe dann auch die Betriebsärzte größerer Unternehmen ins Geschehen eingreifen können. Mit diesem Hochlauf in verschiedenen komplementären Teilsystemen streben wir an, bis Anfang Mai ca. 20 Prozent der bayerischen Bevölkerung mindestens einmal geimpft und damit grundimmunisiert zu haben.

Besonders gut gefallen haben mir zudem zwei Meldungen, von denen es die eine immerhin in die bundesweite Berichterstattung geschafft hat, die andere „nur“ in die Wirtschaftsnachrichten des führenden bayerischen Rundfunknachrichtenkanals. Die erste Meldung besagt, dass das neue Produktionswerk von Biontech im hessischen Marburg nunmehr von der EMA die Genehmigung erhalten hat, pro Jahr bis zu einer Milliarde Dosen des von ihm entwickelten Impfstoffs zu produzieren. Das Werk, das ursprünglich einem schweizer Pharmakonzern gehörte, der unabhängig von Covid-19 seit Jahren darauf hinarbeitete, in das Geschäft mit den mRNA-Impfstoffen einzusteigen, aber an der Komplexität der Forschungs- und Entwicklungsaufgabe gescheitert ist und deshalb das Werk letztes Jahr im Sommer zum Verkauf stellte, hat Biontech erworben und in Windeseile so umgerüstet, dass damit das Vakzin ab Mitte April in großen Mengen hergestellt werden kann und zwar unabhängig von Pfizer.

Die zweite Meldung bezog sich auf ein mir bis dahin völlig unbekanntes Unternehmen, das eigentlich Arzneimittel gegen Allergien herstellt und hierbei schon seit Langem mit – na, erraten Sie es? – Biontech zusammenarbeitet. Auch dieses Unternehmen ist im Umgang mit der mRNA-Technologie firm, wird einen erheblichen Teil seiner Produktionskapazitäten auf das Covid-Präparat umrüsten und ausbauen und dann um die Jahresmitte die Impfstoffproduktion aufnehmen. Dieses Beispiel zeigt, dass durchaus noch Reserven im System stecken, die schnell gehoben werden müssen. Es zeigt aber auch, wie genial sich die Leistung des Forscher- und Biontech-Gründer-Ehepaares Uğur Şahin und Özlem Türeci darstellt. Ohne diese sähe es düster aus, und so haben sich beide jüngst sehr zurecht im Berliner Schloss Bellevue ganz Corona-konform das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland vom Tischchen des Bundespräsidenten nehmen dürfen.

Bei aller Freude über sich einstellende Hoffnungsschimmer darf man aber nicht vergessen, dass Covid-19 eine Krankheit ist, die tödlich verlaufen kann. Das, was mit Ausnahme von hartnäckigen Corona-Leugnern, sog. Querdenkern und Verschwörungsideologen jeder hinreichend vernünftige und für Tatsachen aufgeschlossene Mensch den Berichten der Mediziner aus der klinischen Praxis entnehmen und was man bei gelegentlichen Friedhofsbesuchen an der Zahl der frischen Grabhügel und Urnengestecke sehen konnte, hat nun das Bayerische Statistische Landesamt mit einer Sonderauswertung der von den örtlichen Standesämtern gemeldeten Sterbefallzahlen eindrucksvoll belegt. Danach ist evident, dass aus der ersten und zweiten Corona-Welle jeweils statistisch eindeutig belegbare Sterbewellen erwachsen sind. So lag bei landesweiter Betrachtung die Zahl der Sterbefälle im April 2020 um gut 21 Prozent, im November 2020 um ca. 12 Prozent und im Dezember 2020 sogar um gut 35 Prozent über dem Durchschnittswert der Vergleichsmonate der zurückliegenden fünf Jahre. Ähnliches deutet sich für den datentechnisch noch nicht abgeschlossenen Januar 2021 an, für den schon jetzt ein trauriges Plus von
21 Prozent zu Buche steht. Und das alles, obwohl wegen der pandemiebedingt stärkeren Hygienemaßnahmen die sonst üblichen Influenza-Sterbezahlen deutlich niedriger ausgefallen sein dürften.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung machen aber die ebenfalls noch nicht endgültig zu sehenden Februar-Zahlen Mut. Denn diese zeigen eine deutliche Entspannung beim Sterbefallgeschehen der 80plus, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die positive Folge der eben auf jene Altersgruppe fokussierten frühen Impfkampagne ist. Hoffen wir, dass die Sterbefallzahlen trotz der im Vergleich zum Wildtyp ansteckenderen und wohl auch aggressiveren britischen Mutante sich weiterhin günstig entwickeln.

Und dennoch muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass wir uns zwar allem Anschein nach auf der Schlussetappe der Covid-19-Pandemie befinden, dass wir aber noch ein paar extrem harte Wochen vor uns haben. Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben, wie es heute die Chefvirologin der TU München, Ulrike Protzer, formuliert hat. So bleibt unter den gegebenen Umständen als zentrales Instrument für ein rechtzeitiges Brechen der dritten Welle nur der möglichst sparsame Umgang mit physischen Kontakten. Testen ist gut und hilft Infektionsketten frühzeitig zu brechen. Noch besser ist es aber, wenn solche erst gar nicht entstehen. Meiden Sie deshalb bitte gerade an den Feiertagen die klassischen Ausflugsgebiete mit ihren Menschenmassen, bleiben Sie möglichst in Ihrer engeren Region oder verlegen Sie das Ostereiersuchen zumindest in weniger überlaufene Gegenden. Bayern hat unendlich viele schöne Ecken, da müssen es nicht immer die Touri-Hotspots sein, weil diese sonst zu Corona-Hotspots werden. Halten Sie sich bitte auch im privaten Bereich an die für Ihre Region geltenden Kontaktbeschränkungen. Diese beziehen sich ausschließlich auf physische Kontakte, sodass auch zu Ostern das gilt, was ich zu Weihnachten festgestellt hatte. Nutzen Sie die Zeit, um mehr Telefonate zu führen, die schon längst geführt werden hätten sollen, aber nie geführt wurden.

Liebe Leserinnen und Leser, wie wohl kein anderes christliches Festgeschehen versinnbildlichen die Karwoche und das Osterfest auch ein Stück weit die Extreme dieser Pandemie. Die Karwoche, in deren liturgischen Feiern sowie neutestamentlichen Berichten zum Gründonnertag und vor allem Karfreitag die Todesangst Jesu und das Wissen um seine kommende Leidensgeschichte ebenso greifbar werden, wie die tiefgreifende, in Teilen geradezu panische Verwirrung seiner Jünger über das eigentlich Unvorstellbare und eine daraus resultierende, auch existenzielle Not. Genauso fühlen viele Menschen jetzt tiefe Angst, sie könnten Covid-19 zum Opfer fallen, ihr Leben verlieren oder als Long-Covid-Patienten als Pflegefall enden. Andere spüren tiefes Unbehagen über ihre existenziell-wirtschaftliche Not, wieder andere reagieren geradezu hysterisch und suchen in kruden Theorien einen Ausweg für sich.

Die zunächst tieftraurige biblische Situation erfährt ihre österliche Auflösung in der Auferstehung Jesu als Sinnbild einer Überwindung aller Plagen, Sorgen, Nöte und Ängste der menschlichen Existenz. Aus dieser Erfahrung konnten die Jünger Jesu Kraft schöpfen, um ihr Leben weiterzuführen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Und so dürfen auch wir hoffen und aus dieser Hoffnung Kraft schöpfen, dass die schwierige Zeit der Pandemie möglichst schnell überwunden sein wird.

Das geht aber nicht wundersam von selbst, sondern nur dadurch, dass wir selbst die Kraft der Hoffnung dazu nutzen, unseren eigenen aktiven Beitrag zu leisten. Indem wir uns am Riemen reißen, anstatt schon fast gewohnheitsmäßig zu nörgeln. Indem wir die AHA-Regeln konsequent beachten. Indem wir uns gegenseitig stützen und Mut machen, anstatt der Versuchung zu erliegen, alles und jeden schlecht zu reden, weil das irgendwie mainstreamiger scheint. Indem wir den Gedanken zulassen, dass trotz aller Probleme schon unendlich viel erreicht wurde, zahllose Leben gerettet und schwere Krankheitsverläufe verhindert wurden. Indem wir denen, die aus der schwierigen Lage mit ihren verqueren Ideologien Kapital schlagen wollen, in den kleinen und großen Diskussionen des Alltags widersprechen, anstatt derlei Unfug einfach stehen zu lassen, bloß, weil das einfacher ist.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen allen frohe und gesegnete Ostern und ein paar ruhige und erholsame Feiertage! Und ich wünsche insbesondere jenen ganz viel österliche Kraft und danke diesen Menschen aus tiefstem Herzen, die auch jetzt über die Feiertage in den Kliniken, den Test- und Impfzentren, den Führungsstäben Katastrophenschutz, in den Behörden und Organisationen und wo auch immer uns nicht im Stich lassen, sondern unermüdlich und oft genug unter Einsatz der eigenen Gesundheit daran arbeiten, dass die Folgen der Pandemie für Sie und mich und alle Menschen im Lande beherrschbar bleiben.

Suchen wir das Gute, dann wird es uns besser gehen

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister