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112 Newsletter vom 2. Juni 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

wie üblich starte ich auch heute mit der Daten- und Faktenlage, dies allerdings feiertagsbedingt mit einem verkürzten Betrachtungszeitraum. Heute, Mittwoch, 2. Juni, 08:00 Uhr, verzeichnen wir für Bayern insgesamt 640.253 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 636.321 Infektionen gezählt wurden, sind dies 3.671 mehr. Für die zurückliegenden sechs Tage errechnet sich somit ein Tagesschnitt von 612 Neuinfektionen, nachdem dieser Wert in den Vorwochen bei 820, 1.536, 1.867, 2.465, 3.212, 3.558, 3.560, 2.492, 2.664, 2.305, 1.888, 1.496, 1.320, 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372 lag. Auch wenn die heutigen Tageszahlen erstmals seit Langem im Wochenvergleich wieder leicht gestiegen sind, so stimmt der Gesamttrend sehr zuversichtlich. Die dritte Welle ist auf dem Rückzug. Das belegt auch das Bundeslagebild. Dieses wies in den zurückliegenden sechs Tagen im Tagesdurchschnitt 4.223 und damit um weitere knapp 400 Neuinfektionen weniger aus als der Vergleichswert der Vorwoche.

Diese positive Entwicklung spiegelt sich in den für Bund und Länder ermittelten 7-Tage-Inzidenzen. Im Ländervergleich liegt Bayern heute auf Platz 7 (6) des Negativrankings mit einem Wert von 38 – nach 41, 69, 107, 124, 161, 180, 178, 119, 142, 114, 96, 77, 68 und 58 an den vorangegangenen Vergleichstagen – und befindet sich damit nur einen Punkt über dem rechnerischen Bundesdurchschnitt der Inzidenzwerte. Die positive Lage ist weiterhin von einer breiten Entwicklung getragen. Am besten stehen derzeit Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit einer 7-Tage-Inzidenz von 18 da. Am anderen Ende der Skala finden sich weiterhin mit allerdings jeweils stark verbesserten Werten Baden-Württemberg mit 45, Hessen mit 46 und Thüringen mit 47. Insgesamt fällt auf, dass das Feld unter dem Eindruck stark sinkender Infektionszahlen erheblich enger zusammenrückt.

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt. Der Parameter schwankte die letzten Tage zwischen 0,91 und heute 0,66. Damit sind täglich deutlich mehr Menschen aus dem Infektionsgeschehen ausgeschieden, als neu dazukommen. Auch das ist eine wohltuend gute Entwicklung.

Die Positivrate, also die Quote der auf die Gesamttestzahl bezogenen Fälle mit Corona-positivem Ergebnis, schwankte in Bayern in den zurückliegenden Tagen im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert zwischen 1,4 und 3,1 Prozent (Vorwoche: 1,7 und 3,1) bei einem 7-Tages-Mittel von bombastischen 1,97 (2,41). Die bundesweite Positivrate liegt nach wie vor deutlich höher bei jetzt nochmals deutlich verbesserten 5,82 Prozent (8,26). Die Nachfrage nach PCR-Tests hat sich mit 47.200 im 7-Tage-Mittel wieder auf das Niveau vor Pfingsten eingepegelt, die 22.000 PCR-Tests pro Tag letzte Woche waren offenbar feiertagsbedingt.

Ich darf auf das Infektionsgeschehen in den bayerischen Regionen überschwenken. Was im Großen für ganz Deutschland gilt, trifft auch für Bayern zu: Der Rückgang der Neuinfektionen ist flächendeckend und erfasst weiterhin alle Regierungsbezirke. Jenseits der Marke von 100 finden sich heute nur ein Landkreis und eine kreisfreie Stadt. Es sind dies der Landkreis Günzburg mit einer 7-Tage-Inzidenz von 122 sowie die Stadt Schweinfurt mit 118. Alle anderen 94 Gebietskörperschaften verzeichnen Werte unterhalb der vom Infektionsschutzgesetz des Bundes gezogenen „roten Linie“, oberhalb der umfassende Einschränkungen des öffentlichen Lebens greifen. Die große Mehrheit von 72 (Vorwoche 69) Landkreisen und kreisfreien Städten unterschreiten sogar die Schwelle von 50 und haben in der Mehrzahl bereits weitergehende Lockerungen wie etwa den Verzicht auf einen Test beim Zugang zu Wirtsgärten und anderen Freischankflächen erlassen können. Am besten stehen heute der Landkreis Starnberg und die Städte Hof und Weiden da, letztere mit einem Wert von 4,7.

Immer besser sieht es zudem in den bayerischen Kliniken aus. Lautete hier letzte Woche die ohnehin stark verbesserte Faustformel, „ca. 1.500 Corona-Patienten liegen in der Klinik und davon ca. 460 auf „Intensiv“, so gilt heute „1.200 zu 370“. So soll es gerne weitergehen!

Gleiches gilt für die Zahlen Corona-verknüpfter Sterbefälle, denn diese zeigen sich diese Woche erheblich niedriger. Lagen diese in den letzten Wochen bei täglich 20 bis 40, so sind es diese Woche 15 bis 20 und addieren sich bayernweit mittlerweile auf 14.963.

Das ist sicherlich auch eine Folge des Impffortschrittes. Nach den Zahlen von heute haben wir die Marke von 8 Mio. Impfungen überschritten. Diese verteilen sich auf etwa 5,6 Mio. Erst- und
ca. 2,4 Mio. Zweitimpfungen. In Bayern haben damit knapp 43 (Vorwoche 41,4) Prozent der Bevölkerung die Erstimpfung und immerhin 18,7 (15,5) Prozent auch die abschließende Impfung erhalten. Gerade bei den Zweitimpfungen ist der Fortschritt signifikant und auch die Erstimpfungen sind – anders als zunächst wegen der Impfstoffknappheit gemutmaßt – keineswegs völlig zum Erliegen gekommen. Derzeit konzentrieren sich die kommunalen Impfzentren auf Zweitimpfungen, Erstimpfungen verabreichen nahezu ausschließlich niedergelassene Ärzte. Dieses „duale System“ hat sich als stabil erwiesen, es geht eben nur „Hand in Hand“ und nicht „entweder oder“. Und ohne Lob und Anerkennung für unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte schmälern zu wollen, gilt dennoch festzuhalten: Von den über. 8 Mio. Impfungen haben etwa 5,6 Mio. die kommunalen Impfzentren verabreicht.

Liebe Leserinnen und Leser, ein gutes Beispiel, wie in der Corona-Pandemie die europäische mit der mitgliedsstaatlichen Ebene zusammenspielt, bietet der sog. digitale EU-Impfpass. Dieser ist eine digitale Anwendung, über die insbesondere verabreichte Corona-Impfungen, aber auch der Status als genesene oder getestete Person fälschungssicher nachgewiesen werden sollen. Der Nachweis soll idealerweise auf dem Smartphone der betreffenden Person verfügbar sein, da dieses die meisten Menschen stets mit sich führen, die erforderlichen Daten also jederzeit verfügbar „am Mann bzw. an der Frau“ sind und etwa bei Einlasskontrollen einfach vorgezeigt und elektronisch abgeglichen werden können. Da das System in allen 27 Mitgliedstaaten der EU bis spätestens Ende Juni eingeführt sein soll, wird der digitale Impfpass von zentraler Bedeutung dafür sein, in welchem Umfang in diesem Sommer innereuropäische Urlaubsreisen möglich werden. Denn auch wenn die Infektionszahlen derzeit EU-weit stark sinken, so ist doch nicht zu erwarten, dass die einzelnen Staaten ein völlig kontroll- oder auflagenfreies (Ein-)Reisen zulassen oder etwa in der Gastronomie und anderen touristischen Angeboten auf jegliche Beschränkung verzichten werden. Insbesondere werden Test- und Quarantänepflichten aufrechterhalten werden. Um diese vor Ort als Gesunder ohne größere Umstände zu überwinden, dürfte der digitale Impfpass letztlich schon deshalb für alle negativ Getesteten, Genesenen oder doppelt Geimpften zum Matchmaker werden, weil er über seine eigentliche „Beweisfunktion“ hinaus auch über alle eventuell vorhandenen Sprachbarrieren der beteiligten Personen in Sekundenschnelle hinweg hilft. Ich gebe Ihnen ein fiktives Beispiel. Braucht es beim Kreta-Urlaub etwa für den Zugang zur Taverna „Σειρήνα“ einen aktuellen negativen Corona-Test, dann muss Kai-Uwe aus Bottrop nicht mehr radebrechend anhand eines in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch abgefassten und mittlerweile angesichts vieler Hände, durch die das Dokument bereits gegangen ist, arg zerknitterten Papier-Zertifikates des Impfzentrums Gelsenkirchen oder eines abgegriffenen WHO-Impfpasses mit Wirt Costas verhandeln, ob dessen Taverne dem namensgebenden „Sirenengesang“ folgend betreten werden darf. Das alles soll dann ganz automatisch der digitale Impfpass erledigen und insoweit die Ampel auf „Grün“ stellen, der auch deshalb und nicht nur wegen der grün gestalteten elektronischen Oberfläche „grüner Pass“ genannt wird. Die erste Kernbotschaft lautet also: Die Mitgliedsstaaten haben sich auf Vorschlag der EU-Kommission auf einen technischen Standard sowie einen einheitlichen Datenumfang geeinigt, sodass vollständige Interoperabilität entsteht.

Die zweite Kernbotschaft lautet „europäische Standards, aber einzelstaatliche Umsetzung und Verantwortlichkeit“ für den nachzuweisenden Status als getestet/geimpft/genesen. Das zeigt sich deutlich bei der Beschreibung des praktischen Weges zum digitalen Impfpass, sobald die Impf-App zur Verfügung stehen wird. Bei der Impfung wird der Impfarzt über eine spezielle Zertifizierungsapp beim nationalen Zertifikatsserver einen QR-Code sowie eine individuelle Kennung des dazugehörigen Sicherheitsschlüssels anfordern. Hierzu wird jeder EU-Mitgliedsstaat einen Zertifikatsserver betreiben, einen EU-Zentral-Zertifikatsserver wird es nicht geben. Das aus QR-Code und Schlüssel technisch gebildete Zertifikat enthält als Grunddaten Name, Geburtsdatum, Datum der Zertifikatsausgabe sowie Daten zu den Impfungen wie insbesondere die Bezeichnung der verwendeten Impfstoffe. Zertifiziert werden können neben den von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassenen Impfstoffen auch weitere, allein national zugelassene Seren wie etwa der in Ungarn im Einsatz befindliche russische Sputnik V, den allerdings die anderen EU-Staaten auch nicht aufgrund des digitalen Impfpasses gleichsam über die Hintertüre akzeptieren müssten. Das Datum der Impfung(en) ist insbesondere bei der Bestimmung des Termins relevant, zudem eine Impfung ein Testerfordernis ersetzt. Auch hier gibt es nationale Unterschiede. In Österreich geht man bereits vom Vorliegen einer hinreichenden Schutzwirkung drei Wochen nach der Erstimpfung aus, in Deutschland 14 Tage nach der letzten erforderlichen Impfung, bei den meisten Vakzinen also nach der Zweitimpfung (nur bei Johnson&Johnson genügt ein Pieks). Neben einer Impfung kann die digitale Impf-App auch eine bestätigte Genesung oder ein Testergebnis erfassen und nachweisen.

Wer sich bei der Thematik nicht nur um den Schutz seiner Gesundheit, sondern auch seiner personenbezogenen Daten sorgt, der sei beruhigt. Auf besagtem nationalen Zertifikatsserver werden keine persönlichen Daten gespeichert, dieser produziert allein das Zertifikat. Im Grunde muss man sich das so wie beim Online-Shopping vorstellen, wenn zur Autorisierung einer Zahlung eine eTAN angefordert und sogleich via SMS aufs Smartphone gespielt wird.

Das Zertifikat wird sodann mittels einer Wallet-App (Wallet engl. Brieftasche) auf dem Smartphone des Geimpften/Genesenen/Getesteten gespeichert. Wer kein Smartphone besitzt, der kann sich den QR-Code auch ausdrucken, dann analog versuchen, an Costas vorbeizukommen und hat dann ggf. wieder das Problem des derangierten Papiers.

Apropos Costas: Der führt in unserem fiktiven Beispiel die Zugangskontrolle idealerweise wie folgt durch: Als erstes lässt er sich vom hoffnungsfrohen Gast ein gültiges Identifikationsdokument wie den Reisepass oder den „Perso“ vorzeigen, um zu wissen, mit wem er es zu tun hat. Sodann wird der auf dem Smarthone des Gastes gespeicherte QR-Code mittels eines Lesegerätes eingescannt, das sich der geschäftstüchtige Wirt zwischenzeitlich beschafft hat. Dieses zeigt die o.g. Personaldaten an und erlaubt so den Identitätscheck, ob es tatsächlich der Berechtigte selbst ist, der Einlass begehrt. Nicht dass ein „Leihgerät“ zum identitäts- und statustäuschenden Einsatz kommt. Parallel prüft eine App des Lesegerätes, ob der QR-Code des Impfnachweises echt oder doch vielleicht selbstgebastelt ist. Denn im QR-Code sind wie bei einem Geldschein spezifische Sicherheitsmerkmale eingearbeitet, die nur über den Zertifizierungsschlüssel generiert werden können. Diese werden in Echtzeit an den nationalen Zertifikatsserver geschickt, der sofort rückkoppelt, ob der vorgezeigte QR-Code den technischen Spezifikationen nebst Sicherheitsmerkmalen genügt. Und schon steht dem Genuss einer herrlichen Fischplatte und eines Glaserls griechischen Weines nichts mehr im Wege! Dass derlei Köstlichkeiten spätestens mit der Version 7.0 gleich über den digitalen Impfpass bestellt werden können, dafür gibt es derzeit weder auf EU- noch auch mitgliedsstaatlicher Ebene Pläne.

Wie gesagt: so klingt die Zukunft. Aktuell bereiten die einzelstaatlichen Gesundheitsbehörden, in Deutschland das RKI, die erforderlichen Softwarelösungen vor und testen sie in mehreren Pilotversuchen. Bundesweit sind daran mehrere Dutzend Impfzentren beteiligt, so etwa das im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Eine erhebliche Herausforderung wird noch darin bestehen, die Stand heute bundesweit bereits verabreichten ca. 8 Millionen Erst- und Zweitimpfungen nachzuerfassen. Ich hoffe sehr, dass die beteiligten, durchweg sehr namhaften Softwarehäuser das alles schnell, gut und stabil laufend hinbekommen. Denn natürlich wäre bei den potentiellen Nutzern der Frust groß, liefe es nach dem alte EDV-Sponti-Spruch: „Was haben Bananen und Software gemeinsam? Beide reifen erst beim Kunden!“.

Liebe Leserinnen und Leser, das ist die 50. Ausgabe meines Corona-Wochennewsletters. Ich hoffe, Sie fühlen sich wieder gut informiert und vielleicht sogar ein bisschen unterhalten. Auch wenn der Newsletter für mich längst ganz selbstverständlich zum Wochenablauf gehört, so hoffe ich doch, dass es nicht auch nur annähernd so viele sein werden, ehe wir sagen können „Auftrag ausgeführt, die Corona-Pandemie ist Geschichte!“ Wir sind auf einem sehr guten Weg und bereits am Freitag wird der Ministerrat über weitere mögliche Lockerungen beraten. Über die Ergebnisse werde ich Sie in der 51. Ausgabe unterrichten. Dass wir in Richtung Normalität gehen, mag man auch daran sehen, dass gestern das RKI die Corona-Gefahrenlage für Deutschland von „sehr hoch“ auf „hoch“ heruntergestuft hat. Und selbst die WHO hat offenbar wieder Zeit, sich besonderes tiefschürfende Gedanken zu machen. So werden Covid-19-Virusvarianten künftig nicht mehr nach dem Staat ihres erstmaligen Nachweises benannt, sondern mit Buchstaben des griechischen Alphabets. So wird aus der britischen Variante B.1.1.7. ab sofort „Alpha“, aus der südafrikanischen Variante B.1.351 wird „Beta“ und aus der jüngsten, der indischen Variante B.1.617.1 wird „Kappa“. Begründung: Die Nennung einzelner Staaten im Kontext von Mutationen könnte die Menschen in den jeweiligen Staaten stigmatisieren. Aha. Da kann ich nur hoffen, dass Costas und all seine griechischen Landsleute die neuen Bezeichnungen mit stoischer Gelassenheit hinnehmen und sich nicht stigmatisiert fühlen. Sie müssten eigentlich damit umgehen können, zumal das Wort Stigma griechischen Ursprungs ist und sie Kummer gewöhnt sind. Aber wer weiß?

Ich wünsche Ihnen für morgen einen schönen und erholsamen Feiertag und nutzen Sie diesen trotz aller Erleichterungen gern auch für einen Ausflug abseits der touristischen Hotspots, denn die Pandemie ist auf dem Rückzug, aber noch nicht vorbei!

Wir lassen uns weder ein X für ein U, noch ein Δ für ein Ω vormachen!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister