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112 Newsletter vom 10. Juni 2021

auch heute darf ich an den Anfang dieses Corona-Newsletters die Datenlage stellen. Heute, Donnerstag, 10. Juni, 08:00 Uhr, verzeichnen wir für Bayern insgesamt 643.969 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Mittwoch der letzten Woche, bis zu dem 640.253 Infektionen gezählt wurden, sind dies 3.716 mehr. Für den feiertagsbedingt ausnahmsweise auf acht Tage erweiterten Betrachtungszeitraum errechnet sich somit ein Tagesschnitt von 465 Neuinfektionen, nachdem dieser Wert in den Vorwochen bei 612, 820, 1.536, 1.867, 2.465, 3.212, 3.558, 3.560, 2.492, 2.664, 2.305, 1.888, 1.496, 1.320, 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372 lag. Die dritte Welle ist weiterhin rapide auf dem Rückzug, aber nicht nur das: Einen derart niedrigen Wert hatten wir zuletzt vor 34 Wochen Mitte Oktober 2020 gesehen, also deutlich vor der zweiten Welle und ich bin zuversichtlich, dass wir uns in eine bereits letztes Jahr zu beobachtende „Corona- Sommer-Lage“ mit weiter sinkenden Infektionszahlen hineinbewegen, zumal bekanntlich dem Covid-19-Virus hohe Sommertemperaturen und die in dieser Jahreszeit deutlich erhöhte UV-Strahlung gar nicht behagen.

Diese positive Entwicklung bildet sich auch in den für Bund und Länder ermittelten 7-Tage-Inzidenzen ab. Für Bayern hat das RKI heute eine 7-Tage-Inzidenz von 22 ermittelt – nach 38, 41, 69, 107, 124, 161, 180, 178, 119, 142, 114, 96, 77, 68 und 58 an den vorangegangenen Vergleichstagen. Bundesweit steht heute ein Wert von 19 zu Buche, der sich aus einer flächendeckend sinkenden Infektionslage speist – von „26“ für Ba-Wü bis „5“ für Mek-Pom.

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt. Der Parameter schwankte die letzten Tage zwischen 0,81 und 0,77 und deckt sich insoweit mit den sinkenden Infektionszahlen, als ein R-Wert unter 1 bedeutet, dass täglich mehr Menschen aus dem Infektionsgeschehen ausscheiden, als neu dazukommen. Je weiter dieser Wert unter die Nulllinie sinkt, umso besser.

Die Positivrate, also die Quote der auf die Gesamttestzahl bezogenen Fälle mit Corona-positivem Ergebnis, hat sich über die Woche erneut deutlich verbessert. Die Schwankungsbreite lag zwischen 1,2 und 1,8 Prozent (Vorw.: 1,4 und 3,1) bei einem 7-Tages-Mittel von nochmals verbesserten 1,53 (1,97). Die bundesweite Positivrate liegt nach wie vor deutlich höher bei jetzt 4,16 Prozent (5,82). Die Nachfrage nach PCR-Tests hat sich mit jetzt ca. 41.300 (Vorwoche: 47.200) im 7-Tage-Mittel deutlich abgeschwächt. Das hat sicherlich mit der am Montag in Kraft getretenen neuen Regelungslage nach der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sowie den flächendeckend niedrigeren Inzidenzwerten zu tun, denn in Kombination beider Faktoren sind zahlreiche Nutzungsfelder wie etwa die Außengastro nun i.d.R. ohne negatives Testergebnis zugänglich. Auch wenn die Zahl der Test zurückgeht, ein tägliches Testgeschehen von über 40.000 liefert ein absolut aussagekräftiges Bild von der Lage.

Ich darf auf das Infektionsgeschehen in den bayerischen Regionen überschwenken und hierbei gleich schon zu Beginn der Ausführungen den schon letzte Woche festzustellenden Positivbefund bekräftigen. Der Rückgang der Neuinfektionen ist flächendeckend und erfasst weiterhin alle Regierungsbezirke. Jenseits der Marke von 100 findet sich aktuell keine einzige Gebietskörperschaft mehr und es sind auch nur noch fünf Landkreise bzw. kreisfreie Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz oberhalb der öffnungstechnisch besonders magischen Marke von 50. Mit dieser kämpfen derzeit noch die Stadt Schweinfurt (73) sowie die Landkreise Lindau i.B. (57), Donauwörth (55), Günzburg (55) und Ansbach (50kommaAwengla). Eine besonders erfreuliche Nachricht gibt es vom anderen Ende der Skala zu vermelden. Mit dem ehedem furchtbar gebeutelten Landkreis Tirschenreuth, der im Verlaufe der Pandemie die für einen eher bevölkerungsschwachen Landkreis sehr hohe Zahl von 265 Todesfällen zu beklagen hatte, haben wir seit Langem wieder eine Gebietskörperschaft mit einer 7-Tage-Inzidenz von 0. Das ist auch deutschlandweit der absolute Spitzenplatz, den sich die wackeren Oberpfälzer nur mit der mecklenburg-vorpommerischen Landeshauptstadt Schwerin teilen muss.

Riesenfortschritte zeigen sich glücklicherweise auch in den Kliniken, was ich an der wöchentlichen Faustformel aus der Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patienten und denen auf „Intensiv“ erläutern darf. Galt letzte Woche noch „1.200 zu 370“, so gilt nun „850 zu 280“. Diese Entwicklung ist einfach nur schön! Und auch wenn jeder einzelne Sterbefall sehr tragisch und einer zu viel ist, so wird es auch an dieser Stelle besser, denn die Corona-Sterbefälle sind erneut deutlich gesunken. Mussten wir in den letzten Wochen regelmäßig zwischen 20 bis 40 neue Fälle verzeichnen, so waren es im Schnitt der letzten sieben Tage noch 11,3.

Das ist sicherlich auch eine Folge des – trotz aller Unkenrufe – deutlichen Impffortschrittes. Waren vor einer Woche in Bayern knapp 8,1 Mio. Impfdosen verabreicht, so sind es heute bereits knapp 9 Mio. Diese verteilen sich auf knapp 6 Mio. Erst- und gut 3 Mio. Zweitimpfungen. In Bayern haben damit 45,3 (Vorw. 43) Prozent der Bevölkerung die Erstimpfung und immerhin 23,9 (18,7) Prozent auch die abschließende Impfung erhalten. Diese Zahlen sind nicht nur im deutschlandweiten, sondern auch im internationalen Vergleich nicht so schlecht. So meldet etwa Österreich bei den Erstimpfungen eine Quote von knapp 45 und bei den Zweitimpfungen von gut 21 Prozent. Das ist gut, reicht aber noch nicht, denn die dauerhafte Lösung der Pandemiefrage liegt bei einer Impfquote von ca. 80 Prozent. Also dranbleiben!

Liebe Leserinnen und Leser, am vergangenen Montag 00:00 Uhr ist angesichts der grundlegend verbesserten Infektions- und Krankenhaussituation nicht nur die Neuausrichtung der Infektionsschutzmaßnahmen wirksam geworden, sondern auch die von mir auf einen entsprechenden Beschluss des Ministerrates hin verfügte Aufhebung der Feststellung des zweiten bayernweiten Katastrophenfalles Corona (KF-C-2). Damit ist ein wesentliches Kernelement der Unterstützung des originär für die Pandemiebekämpfung zuständigen öffentlichen Gesundheitsdienstes durch den insoweit externen Katastrophenschutz formal ausgelaufen.

Es war am 8. Dezember 2020, als ich in dieser Pandemie ein zweites Mal das Vorliegen eines bayernweiten Katastrophenfalles festzustellen hatte. Ich räume gerne ein, dass ich es mir am
16. Juni 2020 bei der Beendigung des ersten Katastrophenfalles Corona (KF-C-1) nicht hatte vorstellen können, nach dem bis dahin in der Geschichte Bayerns mit 93 Tagen längsten und dabei flächendeckend festgestellten Katastrophenfall überhaupt noch einmal zu diesem weitreichenden Instrument greifen zu müssen. Wie viele andere war auch ich hoffnungsfroh, die Sache werde sich nach der einen Welle über den Sommer hinweg erledigen. Bekanntlich kam es anders. Schon ab dem Spätherbst hatte sich das Auflaufen einer zweiten Welle angedeutet, die dann auch mit aller Macht kam. Spätestens zu Beginn der Adventzeit wurde aus der Sorge vor einer zweiten Welle Gewissheit, als alle Kernparameter – von den Neuinfektionen bis zu den Sterbefallzahlen – Tag um Tag neue Höchststände zeigten. Um Nikolaus führte an der Feststellung des Katastrophenfalles kein Weg mehr vorbei und zum Glück kam bald nach Neujahr der Umschwung, die Zahlen gingen wieder deutlich zurück, ehe sich dann um Ostern die dritte Welle aufbaute und alle Hoffnung zunichte machte, schnell aus dem zweiten Katastrophenfall Corona (KF-C-2) herauszukommen.

So gleichförmig diese wellenartigen Abläufe erscheinen, bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Welle nicht gleich Welle war und es dafür Gründe gibt. Im Unterschied zur zweiten Welle blieb die in diesen Tagen aktuell auslaufende dritte Welle trotz einer starken Dominanz der britischen Variante B.1.1.7, die im Vergleich zur Wildform deutlich ansteckender ist, bei den Neuinfektionen in punkto Dauer und Höchststände etwas zurück. Einen ähnlichen Effekt weisen die Graphen für die Auslastung der Intensivstationen aus. So hat die dritte Welle bei der Zahl der schwer an Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten das Maß der ersten beiden Wellen gottlob nicht mehr erreicht, und das, obwohl die durchschnittliche Verweildauer „auf Intensiv“ nun deutlich länger war. Denn die in der dritten Welle hospitalisierten Patientinnen und Patienten waren nun im Vergleich deutlich jünger, damit körperlich widerstandsfähiger und letztlich mit besseren Überlebenschancen ausgestattet. Dass die Zahl der Intensivpatienten auch in dieser Phase nicht durch die Decke ging, war angesichts eines nach knapp eineinhalb Jahren Corona völlig ausgepowerten Klinikpersonals, vor dessen Leistung ich nur einmal mehr ganz tief den Hut ziehen kann, extrem wichtig.

Zudem hatte sich in der dritten Welle das Corona-bedingte Sterbefallgeschehen augenscheinlich vom Infektionsgeschehen entkoppelt. Denn im Unterschied zu den ersten beiden Wellen in Bayern sowie zur Situation in anderen EU-Staaten haben sich in der dritten Welle die enormen Steigerungen der Infektionszahlen nicht ansatzweise anteilig im Sterbegeschehen abgebildet. Die vormals gültige Formel „ca. 5 Prozent der Infizierten werden so schwer erkranken, dass sie sterben“ hatte glücklicherweise ihre Gültigkeit verloren, stattdessen zeigte sich der Kurvenverlauf deutlich flacher und zudem ohne größere Ausschläge.

Im Ergebnis sind wir somit auch durch die Wellen zwei und drei besser als erwartet gekommen. Die dafür erforderlichen Erfolge – insbesondere die rechtzeitige Brechung der zweiten Infektionswelle sowie das Abflachen der Infektions-, der Hospitalisierungs-, und der Sterbefallraten in der dritten Welle – gründen auf vielen Ursachen. Zu nennen sind hier sicher die teils mit schmerzlichen Grundrechtseingriffen verbundenen Infektionsschutzmaßnehmen, der medizinische Fortschritt im Umgang mit der vormals großen Unbekannten Covid-19, das mit jeder weiteren Welle gestiegene Bewusstsein der Bevölkerung um die drohenden Gefahren und einem damit einhergehenden konsequenter werdenden Gegensteuern durch Bundes- und Landesregierungen, aber speziell in Bayern eben auch die im Katastrophenfall deutlich einfacher gestaltete und insoweit optimierte Kooperation aller beteiligten Stellen.

Diese Einschätzung bezieht sich auf die örtlichen und regionalen Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) bei den Landratsämtern, den Verwaltungen der kreisfreien Städte, den Regierungen und auch hier im Innenministerium. Mit jedem Tag wurde deutlicher, wie enorm wichtig gerade in einer zeitlich wie räumlich über alle bekannten Dimensionen hinausgehenden und absehbar über Monate nicht enden wollenden Lage – für Insider wenig überraschend – die Lagearbeit ist. Denn wer nicht über ein vollständiges und nach einem regelbasierten Schema geordnetes und aktuelle Bild von der in allen Winkeln und Ecken Bayerns herrschenden Situation, aber auch der zur Verfügung stehenden Ressourcen und ihres stundenaktuellen Verbleibs verfügt, der kann nur mit der berühmten Stange im genauso berühmten Nebel stochern und hat im Grunde schon verloren. Relevante Lagefelder sind hierbei längst nicht nur die Infektions-, Hospitalisierungs- oder Sterbefallzahlen, sondern gleichermaßen Daten und Fakten zur Ausstattung mit Schutzausrüstung, zur Organisation entsprechender Lagerungen und Transporte, zur Einsatzbereitschaft von zu errichtenden und dann zu betreibenden Teststationen und Impfzentren, zur Etablierung von Lieferketten selbst für empfindlichste Güter wie tiefgefrorene Impfstoffe, zur Verfügbarkeit von Feuerwehren, Rettungsdiensten, die sog. „Helfenden Hände“ der Bundeswehr, in der Spitze waren dies bis zu 1.400 Soldatinnen und Soldaten, die entsprechend ihrer jeweiligen Qualifikation geholfen, getestet, gepflegt und geimpft haben, oder Daten zum famosen Logistikeinsatz des THW, das werktags wie feiertags zigtausende Palletten unterschiedlichster Güter stets termingerecht in die Fläche Bayerns zu den 96 Kreisverwaltungsbehörden und sieben Bezirksregierungen ausgeliefert hat. Wenn es von der vor Ort getroffenen Feststellung „München, wir haben ein Problem“ bis zur Umsetzung der Gegenmaßnahmen nicht wie am Schnürchen klappt, dann werden Testzentren deutlich später in Betrieb gehen, Hotspots zunächst unerkannt bleiben und die Lage sich weiter verschärfen. Gleiches gilt für die Impfzentren. Jeder Tag hat gezählt und ohne das Zusammenwirken aller hätten wir – im Unterschied zu vielen Ländern – nicht noch im Dezember 2020 die ersten Impfdosen verabreichen können. Das Contact Tracing wäre ohne das nötige Unterstützungspersonal bloß auf dem Papier gestanden oder suboptimal eingeteilt gewesen. Mobile Impfteams hätten nicht sofort in besonders gefährdeten Seniorenheimen tätig werden können, wäre der Impfstoffmangel nicht im Rahmen des Möglichen bestmöglich verwaltet worden und wäre die Logistik nicht optimal auf die lagedefinierte Bedarfssituation abgestimmt gewesen. Das alles aber zu tun war der Schlüssel zum Erfolg.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen. Ich will damit keinesfalls sagen, dass allein mit der Feststellung des Katastrophenfalles und dem „Auf-den-Plan-treten“ der Katastrophenschutzbehörden, der einschlägigen Organisationen sowie der Polizei der Erfolg in der Seuchenbekämpfung gekommen wäre. Nein, dieser verbindet sich ganz maßgeblich mit anderen Beteiligten, allen voran den Kliniken, dem öffentlichen Gesundheitsdienst einschließlich Gesundheitsministerium und Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, und weiteren Ministerien, um nur einige zu nennen, zumal Katastrophenschützer weder Virologen noch Epidemiologen oder Fachärzte für öffentliche Gesundheit sind.

Was ich aber sehr wohl für den Katastrophenschutz und seine handelnden Personen in Anspruch nehme, sind zwei besonders erfolgskritische Fähigkeiten. Zum einen hat der Katastrophenschutz die örtlichen, regionalen und landesweiten und dabei erprobten Plattformen geboten, auf denen sich alle jeweils relevanten Akteure über eigentlich bestehende Behörden-, Organisations- und Verantwortungsgrenzen hinweg verzahnen konnten. Hier wurde sich regelmäßig ebenenübergreifend und vertrauensvoll ausgetauscht, beraten und abgestimmt. Gerade in den besonders heiklen Phasen hat man den herausragenden Wert dieser Standardisierung der Strukturen und Abläufe und der sich daraus entwickelnden stabilen Routinen förmlich mit Händen greifen können. Denn jede Sparte hat erfahren, nicht allein dazustehen, sondern Knotenpunkt eines zusehends enger werdenden Netzwerkes zu sein, in dem jeder für den anderen mitdenkt und nötigenfalls auch mal über den von ausgefeilten Erlasslagen geworfenen Schatten springt, um der völlig überlasteten benachbarten Organisation unter die Arme zu greifen. Insgesamt war es auch nicht von Schaden, dass gelegentlich Auffassungsunterschiede zu Tage getreten und bisweilen auch aufeinandergeprallt sind. Denn im konstruktiven Streit entstehen oft nicht nur die besten, weil am stärksten durchdachten Lösungen, es werden auch das Miteinander und die Bereitschaft, sich in die Rolle des anderen zu versetzten besonders intensiv geschult. Das wiederum schafft Vertrauen.

Zum Zweiten ist nicht zu unterschätzen, dass mit den „Blaulichtern“ die Nachschub- und Durchhaltefähigkeit ressourcenstarker Organisationen, vor allem aber die enorme Einsatzerfahrung und das große Improvisationsgeschick von Männern und Frauen in das System der Pandemiebekämpfung gekommen sind, die sich schon vielfach in nervenaufreibenden Einsatzlagen der polizeilichen und nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr bewähren mussten.

Beide spezifischen Beiträge des Katastrophenschutzes haben alle Ebenen der Pandemiebekämpfung gestärkt, von den Gesundheitsämtern an der Basis bis hinauf zur Staatsregierung, und so die für erfolgreiches Arbeiten und Entscheiden erforderliche Ruhe geschaffen. Selbst abrupte Änderungen der Infektionslage oder der politischen Auftragslage wurden in diesen Kreisen nicht als grundstürzende und Verzweiflung auslösende Schicksalsschläge, sondern als zwar nicht gesuchte, aber gleichwohl ab sofort anzugehende Zusatzaufgaben verstanden. Von dieser Mentalität und der mentalen Stärke habe ich mir nicht nur während der 36 von mir geleiteten Sitzungen der FüGK Bayern ein beeindruckendes Bild machen können, darüber haben mir auch immer wieder Kabinettskolleginnen und -kollegen, kommunale Mandatsträger und Vertreter verschiedener Organisationen berichtet. Deshalb lautet mein Zwischenfazit: Die im Katastrophenfall aktivierten Menschen, Behörden und Organisationen haben ihren Auftrag vollumfänglich erfüllt, denn sie haben dem in der Pandemiebekämpfung originär zuständigen öffentlichen Gesundheitsdienst die Rahmenbedingungen geschaffen, die ihm erst eine erfolgreiche Erledigung seiner Aufgaben ermöglicht haben.

Profiteure dieses monatelangen besonderen Einsatzes sind aber auch die Behörden, Organisationen und Stellen des Katastrophenschutzes selbst. Denn sie haben einmal mehr das Bild vom „lernenden und an den Aufgaben wachsenden“ Katastrophenschutz eindrucksvoll bestätigt. Die Digitalisierung der Einsatzbewältigung hat in Geschwindigkeit und Umfang Fortschritte gemacht, wie dies ohne die Feststellung des Katastrophenfalls wohl kaum möglich gewesen wäre. Noch weit wichtiger erscheint mir aber, dass über den Tag hinaus vielfältigste Kontakte und das angesammelte enorme Erfahrungswissen derer bleibt, bei denen sich in diesen 180 Tagen alles um die Welt der FüGKen und die Bewältigung des KF-C-2 gedreht hat. Sie mögen sich gelegentlich wie Akteure in einem mittelmäßigen Katastrophenroman vorgekommen sein. Denn immer, wenn man geglaubt hat, es vor die Lage geschafft zu haben, dann kam unter Garantie wieder eine völlig neuartige Herausforderung und manchmal auch eine pandemische Hiobsbotschaft von gefährlicheren Mutationen, neuen Hotspots und unsicheren Entwicklungen um die Ecke. Wer aus den Katastrophenschutzstrukturen hatte sich jemals mit dem konzeptionellen und tatsächlichen Aufbau von Testzentren befasst? Wer mit den besonderen logistischen und sicherheitsspezifischen Herausforderungen des Transports, der Lagerung und vor allem der Ultratiefkühlung hoch sensibler Impfstoffe? Wer hatte schon jemals bei der Einrichtung von Impfzentren geholfen? Niemand. Jetzt ist allen klar, wir können nötigenfalls auch das und können mithelfen, das Unmögliche möglich zu machen. Derlei Erfahrungen stärken das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und erweitern den von Waldbrand, Hochwasser oder großen Schadenereignissen definierten Blick.

Wie enorm wertgeschätzt die in der Pandemie gezeigten Leistungen des Katastrophenschutzes an anderer Stelle sind, wurde auch deutlich, als die Beendigung des Katastrophenfalles publik wurde. Da haben mich zahlreiche Nachfragen erreicht, ob das denn nun bedeute, dass ab sofort jegliche Unterstützung des öffentlichen Gesundheitsdienstes durch die „Innenschiene“ obsolet werde. Nein. Ähnlich wie nach dem Ende des KF-C-1 am 16. Juni 2020 sind zwar die örtlichen und regionalen Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) bei den Landratsämtern, den Verwaltungen der kreisfreien Städte, den Regierungen und auch hier im Innenministerium nun nicht mehr aufgerufen. Aber natürlich bestehen innerhalb der jeweiligen Allgemeinen Aufbauorganisation bei den Sachgebieten für den Katastrophenschutz die entsprechenden Kontaktpunkte fort, sodass die Meldewege und damit der Informationsfluss von der Basis zu den Führungsstellen und umgekehrt uneingeschränkt gewährleistet bleiben. Im Bedarfsfall könnten die FüGKen umgehend wieder hochgefahren werden. Und auch ohne den formal festgestellten Katastrophenfall bleiben diverse Logistik- und Unterstützungsstrukturen im Rahmen der Amtshilfe in Betrieb. Dies gilt für die bayerischen Feuerwehren und Rettungsorganisationen ebenso wie für Organisationen des Bundes. Mit Blick auf diesen sind hier nicht nur die Logistikexperten des THW zu nennen, sondern auch die sog. „Helfenden Hände“ der Bundeswehr. Gerade letztere drängt zunehmend und nachvollziehbar darauf, ihre Kräfte aus der deutlich entspannten Lage zurückzuziehen. Deshalb kann ich den Landkreisen und Städten, die schon seit Monaten und immer noch von der Unterstützung der Bundeswehr profitieren, nur raten, sich zeitnah mit dem Gedanken vertraut zu machen, die verbliebenen Pandemie-Aufgaben mit eigenen Kräften zu stemmen.

So bleibt mir als Katastrophenschutzminister nur zweierlei. Zum einen die Wiederholung dessen, was ich zum Ende des KF-C-1 gesagt habe. Ich danke von Herzen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Ministerien und Katastrophenschutzbehörden, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Bayerischen Polizei, den freiwilligen und hauptamtlichen Kräften der Feuerwehren sowie der Hilfsorganisationen – des BRK, des Malteser Hilfsdienstes, der Johanniter Unfall Hilfe, des Arbeiter Samariter Bundes, der DLRG sowie den privaten Rettungsdienstunternehmen, den Berufs- und Reservesoldatinnen und -soldaten der Bundeswehr, den Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei und den Angehörigen von zahlreichen anderen Behörden und Organisationen, die alle aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde und die mit ihren Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen und Innovationspotentialen mitgeholfen haben, diese beispiellos langwierige und komplexe Lage zu bewältigen. Ich bin sehr stolz auf Sie alle und dankbar für das stets kameradschaftliche Miteinander!

Zum anderen darf ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass im Herbst kein KF-C-3 nötig werden möge. Zwar wird die indische Variante auch an Deutschland nicht spurlos vorübergehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass rechtzeitig ausreichend viele Menschen geimpft sein werden, um die Kraft der Pandemie entscheidend zu brechen.

Das Team ist der Star!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister