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112 Newsletter vom 24. Juni 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

wie bei jedem Update des Corona-Newsletters darf ich auch in dieser Ausgabe die Datenlage an den Anfang stellen. Heute, Donnerstag, 24. Juni, 08:00 Uhr, verzeichnen wir für Bayern insgesamt 646.983 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 645.790 Infektionen registriert wurden, sind dies 1.193 mehr. Daraus errechnet sich ein Tagesschnitt von 170 Neuinfektionen, nachdem dieser Wert in den Vorwochen bei 256, 465, 612, 820, 1.536, 1.867, 2.465, 3.212, 3.558, 3.560, 2.492, 2.664, 2.305, 1.888, 1.496, 1.320, 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372 lag. Die dritte Welle läuft somit weiter aus und sinkt insoweit auf einen „Pegelstand“, wie wir ihn zuletzt im Sommer 2020 verzeichnen konnten.

Diese positive Entwicklung bildet sich auch in den für Bund und Länder ermittelten 7-Tage-Inzidenzen ab. Für Bayern hat das RKI heute eine solche von 8 ermittelt – nach 14, 22, 38, 41, 69, 107, 124, 161, 180, 178, 119, 142, 114, 96, 77, 68 und 58 an den vorangegangenen Vergleichstagen. Bundesweit verzeichnen wir heute einen Wert von deutlich verbesserten 7 (12), der wie schon in den Vorwochen aus einer sich vom Alpenrand bis an die Waterkant weiter entspannenden Infektionslage herrührt. Hierbei verfestigt sich der erfreuliche Trend weiter, dass es nicht nur im Schnitt passt, sondern dass die Inzidenzen ohne Ausnahme für alle Länder zurückgehen. Die Einzelwerte liegen aktuell zwischen „11“ für die Freie und Hansestadt Hamburg und „2“ für Mecklenburg- Vorpommern.

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt. Dieser Parameter, in dessen Berechnung verschiedenste über einen gewissen Zeitraum betrachtete statistische Größen Eingang finden, schwankte die letzten Tage zwischen jeweils deutlich verbesserten 0,67 (0,77) und 0,70 (0,81). Dies bestätigt die aus den absoluten Zahlen herauszulesende Tendenz eines zurückgehenden Infektionsgeschehens, nachdem ein R-Wert unter 1 bedeutet, dass täglich mehr Menschen aus dem Infektionsgeschehen ausscheiden, als neu dazukommen. Je weiter dieser Wert unter die Marke von 1 sinkt, umso besser.

Die Positivrate, also die Quote der auf die Gesamttestzahl bezogenen Fälle mit Corona-positivem Ergebnis, hat sich über die Woche nochmals deutlich verbessert. Die Schwankungsbreite lag zwischen 0,7 und 1,0 Prozent (Vorw.: 0,9 und 1,3) bei einem 7-Tages-Mittel von ebenfalls günstigeren 0,91 (1,32). Die bundesweite Positivrate liegt nach wie vor deutlich höher bei jetzt 2,31 Prozent (3,12), sinkt aber ebenfalls beständig. Die Nachfrage nach PCR-Tests hat sich mit jetzt gut 31.000 (Vorwoche: 37.100) im 7-Tages-Mittel neuerlich abgeschwächt. Das hat damit zu tun, dass man angesichts flächendeckend niedriger Inzidenzen nur noch für vergleichsweise wenige Anlässe zwingend ein negatives Testergebnis benötigt. Insoweit ist erfreulich, dass sich immer noch 30.000 Menschen pro Tag nach dem „Goldstandard“ PCR testen lassen – hinzu kommen noch mehrere zehntausend Schnelltests – denn nur mit einer hinreichenden Testintensität lässt sich ein aussagekräftiges Lagebild zeichnen.

Ich darf nun auf das aktuelle Infektionsgeschehen in den bayerischen Regionen überschwenken. Der Rückgang der Neuinfektionen ist weiterhin flächendeckend und erfasst alle Regierungsbezirke gleichermaßen. Nunmehr liegen alle 96 bayerischen Landkreise bzw. und kreisfreien Städte stabil unterhalb einer 7-Tage-Inzidenz von 50. Sage und schreibe 74 dieser Gebietskörperschaften sortieren sich aktuell sogar unterhalb einer 7-Tage Inzidenz von 10 ein. Am stärksten betroffen sind derzeit noch die Landkreise Lichtenfels und Miesbach mit Werten von 33 bzw. 28 sowie die Städte Schweinfurt, Fürth und Landshut mit 21, 20 und 19.

Von Tag zu Tag günstiger sieht es auch am anderen Ende der Skala aus, denn mit den Landkreisen Freyung-Grafenau, Regen, Coburg, Roth, Straubing-Bogen und Haßberge sowie der Stadt Straubing verzeichnen heute bereits 7 Gebietskörperschaften eine 7-Tage-Inzidenz von 0,0. Immer besser läuft es auch in den Kliniken. Hier lautet die wöchentliche Faustformel aus der Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patienten und denen auf „Intensiv“ heute nicht mehr wie letzte Woche „670 zu 220“, sondern „580 zu 150“.

Und wie mag es wohl weitergehen? Das hängt ganz maßgeblich davon ab, wie stark die neue Variante „Delta“, vormals indische Variante, einschlagen wird. Hier stellen sich viele noch ungeklärte Fragen. So etwa wie verbreitet diese Form bereits ist und um welchen Faktor sie ansteckender bzw. im Krankheitsverlauf gefährlicher ist. Zu diesen Aspekten gibt es bisher nur einzelne Studien, aber keinen weitreichend erforschten Stand der Erkenntnis.

Dies hat zunächst damit zu tun, dass „Delta“ derzeit nur mittels einer kompletten Sequenzierung des Genoms überhaupt nachgewiesen werden kann. Das bedeutet, dass nach einem positiven PCR-Test die RNA, also das Erbgut des Virus, komplett analysiert werden muss. Das ist extrem zeitaufwändig und ressourcenintensiv, weshalb längst nicht alle positiven Proben – für Bayern heute 155 und bundesweit 1.008 Proben – komplett sequenziert werden können, sondern lediglich kleine Stichproben. Noch dazu steht das Ergebnis der Analyse erst nach ca. zwei Wochen fest. Insoweit beruhen alle Einschätzungen wie etwa die des RKI von gestern, „Delta“ mache ca. 15 Prozent aller erkannten Infektionen aus, auf Hochrechnungen, die auf einem Testgeschehen von vor ca. zwei Wochen basieren. Gleichwohl sind sich die Forscher schon jetzt sehr sicher, dass „Delta“ bald zur dominierenden Form werden wird, nachdem sich dessen Anteil innerhalb der sequenzierten Proben von Woche zu Woche verdoppelt. Hochgerechnet heißt dies: Ende Juli wird sich der Anteil von „Delta“ auf ca. 70 und Ende August auf ca. 90 Prozent belaufen. Und sie sind sich auch sehr sicher, dass „Delta“ im Vergleich zur Urform etwa doppelt so ansteckend ist. Die erste bedeutende Mutante „Alpha“, vormals „britische“ Variante B.1.1.7., brachte es „nur“ auf etwa 40 Prozent.

Und was kann das für das tatsächliche Erkrankungsgeschehen der kommenden Wochen und Monate bedeuten? Weitere Studien legen den Schluss nahe, dass Menschen, die vollständig mit einem der in der EU zugelassenen Vakzine geimpft sind, gegen „Delta“ annähernd genauso gut geschützt sind wie gegen „Alpha“. Statistisch gesehen liegt der Impfschutz jeweils ca. 5 Prozentpunkte niedriger. Das gilt aber nur für vollständig Geimpfte. Wer lediglich die erste Impfung hat, steht zwar besser da, als Ungeimpfte, aber deutlich schlechter als umfassend Geimpfte. Wir reden hier von Abschlägen um die 30 Prozentpunkte.

Am wenigsten weiß man noch über die Schwere des Verlaufes einer „Delta“-basierten Covid-Erkrankung. Auch hier spielt wieder der Faktor Zeit eine Rolle, denn ehe jemand an Corona stirbt, erlebt dieser arme Mensch regelmäßig einen Krankheitsvorlauf von mindestens 4 Wochen, zuzüglich einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen. Bevor man also verlässlich sagen kann, wie schlimm „Delta“ für den einzelnen Erkrankten ist, braucht es noch einige Zeit, weil erst dann ausreichend viele Fälle ausgewertet werden können. Die gute Nachricht ist insoweit, dass englische und schottische Mediziner berichten, im Unterschied zu nicht- oder teilgeimpften würden vollständig geimpfte Personen in den Covid-Notaufnahmen keine besondere Rolle spielen. Schon jetzt deutet sich auch in dieser Spielart von Corona an, dass der Schlüssel zum Erfolg im Impfen liegen dürfte.

Eines ist aber klar: Wir brauchen schnell verlässlichere und breiter angelegte Datengrundlagen. Deshalb begrüße ich es sehr, dass sowohl das RKI wie auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bereits Forschungsprojekte zu den gerade angerissenen medizinisch-klinischen Fragen aufgelegt haben und RKI sowie Pharmafirmen mit Hochdruck an der Entwicklung schnellerer Testverfahren arbeiten. Insoweit dürften sich die beim Auftreten der „Alpha“-Variante zu beobachtenden Mechanismen wiederholen. Auch bei dieser hatte es zunächst für einen Nachweis der Komplettsequenzierung bedurft, ehe nach einigen Wochen hinreichend verlässliche schnellere „Einfachtests“ verfügbar waren. Mit deren Etablierung wird man schnell(er) klar(er) sehen.

Kurz noch ein Blick auf das Impfgeschehen. Heute haben wir bei der Gesamtzahl die 10,6 Millionen-Marke übersprungen. Das bedeutet ca. 900.000 Impfungen binnen einer Woche. So muss es weitergehen, damit wir wirksam gegen „Delta“ animpfen können. Aktuell verteilen sich die Piekse auf etwa 6,3 Mio. Erst- und 4,3 Mio. Zweitimpfungen.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben es gerade lesen können, die Corona-Lage entwickelt sich derzeit auf allen maßgeblichen Feldern positiv – jedenfalls, was die statistischen Kenngrößen angeht. Nicht ganz so zufrieden bin ich mit dem Verhalten einer Minderheit im Umgang mit der aktuellen Lage, denn es zeigt sich da und dort eine gewisse Ignoranz. So ärgern mich z.B. Bilder aus der Münchner Allianz-Arena, die während der Qualifikationsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft entstanden sind. Obwohl über den Genehmigungsbescheid der Landeshauptstadt München eindeutig angeordnet, haben zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer und auch einige Offizielle weder die Maskenpflicht beachtet, noch – und das halte ich im Grunde für noch gravierender – die Abstandsregeln eingehalten. Eben deshalb ist dem Veranstalter DFB ausdrücklich aufgegeben, die Tickets nur personalisiert für fest zugewiesene Sitzplätze zu vergeben und für die Einhaltung der Auflagen des Genehmigungsbescheides zu sorgen. Denn nur so kann das Infektionsrisiko minimiert und im Bedarfsfall die Nachverfolgbarkeit sichergestellt werden. Allen Beteiligten müsste eigentlich klar sein, dass es in der konkreten Situation nicht nur um ihre eigene Gesundheit geht, sondern auch um die positive oder negative Vorbildfunktion, die von derlei Sportgroßereignissen ausgeht. So für Public Viewings und Liveübertragungen, die etwa in Biergärten von vielen Besucherinnen und Besuchern beobachtet werden. Auch wenn das natürlich kein überzeugendes Argument ist, aber es macht der Polizei das Leben gewiss nicht leichter, Public Viewer zu ausreichend Abstand anzuhalten, wenn diese dann entgegnen „wieso? In der Allianz Arena stehen die Zuschauer doch auch nahe beieinander!“

Beim Thema Corona-Ignoranz denke ich aber vor allem auch an die diversen Problemfälle an den vergangenen Wochenenden, als es auf „Feiermeilen“ wie der Münchner Türkenstraße oder vor allem auf der Augsburger Maximilianstraße jeweils im Verlauf des Abends zu großen Menschenansammlungen kam, bei denen vor allem die Abstandsregeln überhaupt nicht eingehalten wurden. Man konnte den Eindruck haben, das Sars-CoV-2 Virus sei nach Auffassung der Feiernden bereits vollständig ausgerottet. Ist es aber nicht, im Gegenteil, die „Delta“-Variante ist auf dem Vormarsch, s.o.

Und leider mussten wir zudem neuerlich erleben, dass bei manchen mit zunehmender Alkoholisierung die Unvernunft in ungezügelten Hass auf Repräsentanten des Staates und blinde Zerstörungswut umschlagen. So geschehen vor allem in Augsburg, als aus nichtigem Anlass – die Polizei bahnte einem Rettungswagen, der eine kollabierte Person abtransportiert hat, den Weg durch die Menschenmenge – hoch gefährliche Flaschen- und Steinwürfe in Richtung Sanitäter und Polizei einsetzten und es zu massiven Ausschreitungen kam. Phasenweise vermittelte das Geschehen den Eindruck, einzelne Gruppen hätten die tätlichen Auseinandersetzung „aus Spaß an der Freud“ gesucht. Zum Glück war die Polizei mit starken Kräften im Einsatz und konnte letztlich den Schauplatz des Schreckens räumen. Allerdings wurden 15 Polizisten verletzt, ihnen gelten unsere besten Genesungswünsche. Den Festgenommenen und zahlreichen weiteren Straftätern gelten dagegen unsere größtmöglichen Ermittlungsbemühungen. Hierzu werden, ganz klassisch, umfangreiche Zeugenbefragungen durchgeführt. Es kommen aber auch modernste kriminalistische Mittel zur Anwendung, etwa zur Auswertung von Videoaufzeichnungen oder eine von der Polizei geschaltete Internet-Plattform, auf die Augenzeugen des Geschehens die mit ihren Smartphones geschossenen Fotos oder gedrehten Videos hochladen können. Ich bin zudem der Stadt Augsburg sehr dankbar, dass sie umgehend auf die Randale reagiert und in Absprache mit der Polizei für die relevanten Örtlichkeiten ein ganzes Bündel an Maßnahmen getroffen hat, etwa temporäre Platzsperrungen, Alkoholverkaufs- und Konsumverbote sowie die Verstärkung des städtischen Ordnungsdienstes.

All unser Streben richtet sich darauf, dass die Menschen größtmögliche Freiheit genießen, begeistert spannende Länderspiele auch im Stadion oder der Öffentlichkeit verfolgen und natürlich auch ausgelassen feiern können. Dieser Anspruch beinhaltet aber ausdrücklich nicht die Gefährdung anderer durch mutwilliges Ignorieren der nach wie vor erforderlichen Corona-Schutzmaßnahmen und schon gleich gar nicht tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte und Passanten. Hier kommt der gesetzliche Auftrag des Staates zur Gefahrenabwehr ins Spiel, sei es beim Seuchen- und Infektionsschutz, sei es beim Schutz der körperlichen Unversehrtheit. Beides – die persönliche Freiheit des Einzelnen und der Schutz von Leib, Leben und Gesundheit – sind in Balance zu bringen und ich bin nicht gewillt, das Feld denen zu überlassen, die meinen, sich auf Kosten anderer rücksichtlos austoben zu können. Hierüber waren wir uns am Dienstag auch im Ministerrat absolut einig.

Das Kabinett hat sich aber nicht nur mit derlei Ärgernissen befasst, sondern auch angesichts der günstigen Lageentwicklung kleinere Nachjustierungen an der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vorgenommen. Diese sind seit Mittwoch, 00:00 Uhr, in Kraft.

Die partiellen Lockerungen beziehen sich u.a. auf die bildungsorientierten Bereiche Schule, Hochschule und Kindertagesstätten. Dort entfällt unter freiem Himmel, also etwa auf dem Pausenhof oder dem Campus-Areal, generell die Maskenpflicht. Und für den Sport kann ich eine von mir ausdrücklich angemahnte Änderung der Regelung für die Zulassung von Zuschauern bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel vermelden. Hier war bisher die Anwesenheit von bis zu 500 Zuschauern einschließlich geimpfter oder genesener Personen mit festen Sitzplätzen zulässig. In der Konsequenz bedeutete dies, dass Sportvereine, die an ihren Fußball-, Basketball- oder Welchesportartauchimmerspielfeld keine festen, also montierten Sitzplätze wie etwa auf Tribünen haben, gar keine Zuschauer einlassen durften.

Dass dies gerade den kleinen Vereinen, die auf jeden Euro Eintrittsgeld angewiesen sind, missfallen hat, ist nachvollziehbar und ich bin froh, dass die Gesamtumstände eine für die Vereine günstigere Lösung zulassen.

Diese sieht so aus, dass wie bisher im Einklang mit den üblichen Hygieneanforderungen maximal 500 Zuschauer zugelassen sind, nunmehr aber bis zu 100 Zuschauer einen Stehplatz einnehmen dürfen. Dies bedeutet für das praktische Leben zum einen, dass Vereine ohne feste Sitzplatze seit gestern immerhin bis zu 100 Stehplätze vergeben können, soweit dies nach den örtlichen Gegebenheiten Corona-konform, also insbesondere mit Mindestabstand zwischen den Zuschauern, umgesetzt und sichergestellt werden kann. Und es bedeutet zum anderen, dass Vereine, die über feste Sitzplätze verfügen, bei Bedarf eine Mischkonstellation bilden und insoweit u.U. ihr bisher begrenztes Platzangebot ausweiten können. Denn auch sie können bis zu 100 Stehplätze Corona-konform mit Zuschauern bestücken, müssen sich diese dann aber bei der Zahl der maximal zulässigen Sitzplätze anrechnen lassen. Diese Regelungslage ist sicherlich nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Normalität, den die Pandemie hoffentlich bald frei gibt.

Und noch einen Hinweis darf ich für den praktischen Vollzug geben. Für die Durchführung von Veranstaltungen gibt die 13. BayIfSMV verschiedentlich vor, dass so viele (Sitz-)Plätze belegt werden dürfen, wie die verfügbare Fläche unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern zulässt. So weit, so gut, es muss also gemessen werden. Aber wie misst man richtig? Sie glauben gar nicht, wie komplex sich diese vermeintlich einfach erscheinende Aufgabenstellung letztlich im Vollzug darstellen kann und welche Konstellationen an einen herangetragen werden. Kein Witz. Ist von den Rändern der gängigen Sitzfläche eines Stuhles und damit von 45 x 45 cm auszugehen? Oder von einer geringeren, aber ebenfalls durchaus weit verbreiteten Sitzfläche von 35 x 35 cm? Und wo setzt man das Metermaß an, wenn der Stuhl über Armlehnen verfügt? Und wie verhält es sich bei fest montierten Sitzbänken, die bauartbedingt jenseits der äußeren Ränder eine einzelne Sitzfläche nicht seitlich abgrenzen? Oder kommt es doch u.U. auf die individuelle Schulterbreite des Sitzplatznutzers an?

Um es abzukürzen: Nach Auffassung des Gesundheitsministeriums kommt das „Krawattenprinzip“ zur Anwendung. Das bedeutet, es wird von dem Punkt aus gemessen, auf den die ordnungsgemäß getragene Krawatte, konkret das Krawattenspitzel, hindeuten würde. Die Vermessung ist also mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und ohne Trickserei, aber eben auch ohne Verbissenheit anzugehen.

Die sich entspannende Lage macht nicht nur regulatorische Erleichterungen, sondern auch gewisse Entlastungen im Vollzug möglich. Konkret denke ich hier zum einen an die kommunalen Testzentren, die in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Bayerns verfügbar sind. Sie alle bieten seit vielen Monaten sowohl die Durchführung von PCR-Tests als auch von POC-Schnelltests an und haben gerade in den Hochphasen der Pandemiewellen Herausragendes geleistet. Dort sind allein seit dem 1. September 2020 mehr als 6,5 Millionen PCR-Tests genommen worden und man kann diese Einrichtungen mit Fug und Recht als das Rückgrat der bayerischen Teststrategie bezeichnen, die von Anfang an wesentlich intensiver und breiter angelegt war als in den anderen Bundeländern. Es gab Zeiten, da wurde ca. ein Drittel aller in Deutschland genommenen Tests in Bayern abgestrichen, aktuell ist es immer noch ca. ein Viertel, was uns stets in die Lage versetzt hat, mehr über das tatsächliche Infektionsgeschehen zu wissen, Infektionsketten schneller zu unterbrechen und das Dunkelfeld kleiner zu halten. Nun ist es angesichts einer bayernweit vollständig und deutlich unter 50 liegenden 7-Tage-Inzidenz, die zahlreiche Testerfordernisse auslöst, an der Zeit, die kommunalen Testzentren, deren Bestand jedenfalls bis zum 30. September 2021 gesichert ist, ein Stück weit zurückzufahren, ohne sie in Frage zu stellen oder gar aufzugeben. Deshalb haben wir die Landkreise und kreisfreien Städte ersucht, Kapazitäten und Betrieb am Bedarf zu überprüfen und aktuell zu reduzieren. Dies kann etwa durch eine Ausdünnung des Angebotes erfolgen, ggf. aber auch durch eine Reduzierung der Öffnungszeiten oder gerade dort, wo ein Testzentrum über mehrere Standorte verfügt, durch deren Konzentration.

Gleichzeitig sind die Kreisverwaltungsbehörden gehalten, für ein eventuelles Wiederaufflammen der Infektionslage, Stichwort „Delta“, Vorsorge zu treffen und sicherzustellen, dass bei Bedarf der Betrieb der kommunalen Testzentren schnell wieder hochgefahren werden kann.

Und noch an einer anderen kleinen, für die Betroffenen aber umso bedeutenderen Stelle zeigt sich der praktische Fortschritt. Denn mit der jüngsten Rechtsänderung ist noch einmal ausdrücklich klargestellt, dass auch wieder Orden und Ehrenzeichen ausgehändigt werden können. Fast ein dreiviertel Jahr mussten Männer und Frauen, denen etwa das Bundesverdienstkreuz, das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten oder die kommunale Verdienstmedaille zugesprochen worden ist, auf die Insignien der Ehre warten. Ich werde unverzüglich zur Tat schreiten, damit denen möglichst schnell die Ehre zu Teil wird, denen sie gebührt. Aber es will natürlich alles gut vorbereitet sein, damit auch einige Angehörige der Beliehenen dabei sein können und der Rahmen der Verleihung ansprechend, würdevoll, aber eben auch Corona-konform ist. Da diese Vorbereitungen ein wenig Zeit benötigen, werden „meine“ Aushändigungen vor allem Ende Juli und Anfang August stattfinden.

Mit besten Grüßen & jetzt ist die Zeit günstig – nutzen wir sie klug!

Ihr

Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister