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Liebe Leserinnen und Leser,

wie bei jedem Update des Corona-Newsletters darf ich auch in dieser 150. „Jubiläumsausgabe“ die Datenlage an den Anfang stellen. Heute, Donnerstag, 15. Juli, 08:00 Uhr, verzeichnen wir für Bayern insgesamt 649.597 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 648.424 Infektionen registriert wurden, sind dies 1.173 mehr. Daraus errechnet sich ein Tagesschnitt von 168 Neuinfektionen, nachdem dieser Wert in den Vorwochen bei 90, 170, 256, 465, 612, 820, 1.536, 1.867, 2.465, 3.212, 3.558, 3.560, 2.492, 2.664, 2.305, 1.888, 1.496, 1.320, 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372 lag. Die dritte Welle ist Geschichte. Allerdings zeigt sich der Trend der Neuinfektionen nunmehr ansteigend. Dies zwar auf niedrigem Niveau, allerdings leider stetig. Es dürfte sich zumindest um die u.a. vom RKI schon seit Längerem vorausgesagte Zunahme der Neuinfektionen handeln, die wohl im Lichte der bisherigen Lockerungen, des Freizeit- und Urlaubsverhaltens breiter Bevölkerungsschichten, einer noch nicht ausreichenden Impfquote sowie der im Vergleich der bisherigen Varianten hohen Infektiosität der Delta-Variante als zwangsläufig anzusehen ist. Insofern ist die Entwicklung als solche keine Überraschung, allenfalls ihr früher Zeitpunkt. Ganz entscheidend wird sein, ob es bei einer linearen Entwicklung bleibt und eine exponentielle Zunahme vermieden werden kann.

Besagte Trendwende auf niedrigem Niveau zeigt sich auch in den länderspezifisch ermittelten 7-Tage-Inzidenzen. Für Bayern hat das RKI heute eine solche von 8,8 festgestellt – nach 6, 6, 8, 14, 22, 38, 41, 69, 107, 124, 161, 180, 178, 119, 142, 114, 96, 77 und 68 an den vorangegangenen Vergleichstagen. Bundesweit verzeichnen wir heute einen Wert von 8 (5). Die Einzelwerte liegen jetzt zwischen „11,6“ für Bremen und „2,3“ für Sachsen-Anhalt. Insoweit hat die für Bayern skizzierte Entwicklung im Grunde alle Länder gleichermaßen erfasst.

Aktuell hat eine Debatte über die Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz eingesetzt. In einzelnen Staaten wie etwa im Vereinigten Königreich wird ihr beinahe schon jede Relevanz abgesprochen nach dem Motto „eine 7-Tage-Inzidenz jenseits der 300er-Marke – egal, solange die Intensivstationen nicht überlaufen und die Sterbefallzahlen nicht zu sehr ausufern“. Das scheint mir eine sehr riskante Strategie. Natürlich wird vieles entspannter, je weiter die Impfkampagne vorankommt. Johnson&Johnson und Co. wirken wie erhofft. Aber wenn Boris&Johnson glauben, die von ihnen selbst in Betracht gezogenen 100.000 Ansteckungsfälle pro Tag (!) würden in ihren Folgen so schlimm schon nicht werden, dann scheint mir das ein Spiel mit dem Feuer. Zum einen weil bei 700.000 Neuinfektionen pro Woche selbst dann schon 700 Patienten auf die Intensivstation müssen, wenn nur jeder 1000ste schwer erkrankt. Die Woche darauf kommen die nächsten 700, da sind bei einer regelmäßigen Verweildauer jüngerer Corona-Intensivpatienten von ca. 5 Wochen die 700 von letzter Woche aber noch da. Das sind sie nach drei Wochen sicherlich auch noch und vielleicht auch noch nach vier und nach fünf, zuzüglich derer, die jede Woche neu dazukommen. Zudem steigt die Gefahr exponentiell, dass neue, womöglich sehr gefährliche und gegen die aktuell im Einsatz befindlichen Impfstoffe resistente Mutationen entstehen, wenn das Infektionsgeschehen explosionsartig verläuft. Dann wäre man nicht, wie in London erhofft, „quick and dirty“ durch, sondern dann ginge es umso schlimmer von vorne los. Das wäre furchtbar. Schon deshalb bleiben die 7-Tage-Inzidenzen relevant, aber für ein umfassendes Gesamtbild ist es natürlich gut, dass wir – die langgedienten Leserinnen und Leser dieses Newsletters wissen das – seit jeher auch auf andere Parameter geschaut haben, etwa die Reproduktionszahl R, die Hospitalisierungs- und die Sterbefallzahlen.

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt. Liegt der Wert bei 1, scheiden aus dem statistisch betrachteten und in seinen Faktoren gewichteten Infektionsgeschehen täglich genauso viele Menschen aus, wie neu dazukommen. Dieser Parameter, in dessen Berechnung verschiedenste statistische Größen Eingang finden, schwankte die letzten Wochen bei Werten zwischen etwa 0,6 und 0,8. Nun hat dieser Wert die Hürde „1“ deutlich übersprungen und liegt bei 1,25. Auch das ist zwar für sich genommen noch kein Beinbruch, weil sich dieser Vorgang nach absoluten Zahlen auf sehr niedrigem Niveau vollzogen hat. Die „1“ würde für den R-Wert nach der gerade genannten Systematik auch dann zu Buche stehen, wenn im Betrachtungszeitraum nicht nur einige hundert, sondern z.B. 10.000 Neuinfektionen ins System kämen und gleichzeitig am anderen Ende ausscheiden würden. Das Bemerkenswerte ist insoweit die Trendumkehr und die damit latent bestehende Gefahr, bei einem ungebremsten Verlauf wieder in ein exponentielles Wachstum zu geraten.

Demgegenüber verharrt die Quote der auf die Gesamttestzahl bezogenen Fälle mit Corona-positivem Ergebnis, die sog. „Positivrate“, noch einigermaßen in der bisherigen Seitwärtsbewegung, nachdem die Schwankungsbreite zwischen 0,7 (0,5) und 0,8 (0,8) Prozent lag. Die Nachfrage nach PCR-Tests ist bei einem 7-Tages-Mittel von jetzt ca. 25.300 im Wochenvergleich leider um ca. ein Sechstel gefallen.

Ich darf nun auf das regionale Infektionsgeschehen überleiten. Trotz des auch hier sich mehr und mehr andeutenden Vorzeichenwechsels ist die regionale Lage nach wie vor ohne Ausreißer nach oben. So reihen sich immerhin noch 45 – Vorwoche 55 – Landkreise bzw. kreisfreie Städte unterhalb einer 7-Tage-Inzidenz von 5 ein und 6 – Vorwochen 9 bzw. 15 – weisen eine blütenreine Weste mit 0,0 auf. Bundesweit gilt dies noch für 25 (35) Stadt- und Landkreise, somit leider 10 weniger als vor einer Woche. In Bayern am stärksten betroffen sind derzeit der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit 30,5 sowie die Stadt und der Landkreis Bamberg mit 25,8 bzw. 25,1. Am Beispiel des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, das aber an jedem anderen Ort so auch hätte stattfinden können, zeigt sich exemplarisch, dass ein leichtsinniger Umgang mit dem Virus nicht folgenlos bleibt. Hier geht der sprunghafte Anstieg ganz maßgeblich auf eine organisierte Abiturientenreise in ein darauf spezialisiertes Resort in Griechenland zurück. Von dort sind – längst nicht nur nach TÖL-WOR, sondern auch in andere Regionen in Deutschland – zahlreiche Abiturientinnen und Abiturienten mit einer Corona-Infektion zurückgekehrt und stecken nun in der Quarantäne fest. Da geht die neue Freiheit dann ja schon mal „gut“ los. Ähnliche Vorgänge werden übrigens auch aus Österreich berichtet, dort geht es um Reisen nach Kroatien, und passen insoweit nahtlos ins Bild, als nach Auskunft des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Altersgruppe der 15 bis 39-Jährigen im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung das Infektionsgeschehen dominiert.

Sehr gut läuft es weiterhin in den Kliniken. Hier lautet die wöchentliche Faustformel aus der Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patienten und denen auf „Intensiv“ nicht mehr wie letzte Woche „400 zu 90“, sondern „310 zu 70“. Zum Glück bildet sich diese positive Entwicklung auch im Corona-bezogenen Sterbegeschehen ab. Dieses liegt bei einem sehr günstigen 7-Tages-Mittel von jetzt 2,15 (3,5), auch wenn natürlich jeder Einzelfall sehr tragisch ist.

Wie es im pandemischen Geschehen weitergeht und wann dessen Schrecken nachhaltig auf ein hinnehmbares Maß abgeschmolzen sein werden, steht und fällt mit dem Erfolg der Impfkampagne. Das wird auch im Lichte der Erfahrungen aus anderen europäischen Staaten immer deutlicher. Deshalb begrüße ich es sehr, dass wir nach dem Ministerratsbeschluss vom Dienstag beim Impfen noch einmal nachlegen, stärker nach dem Prinzip der „aufsuchenden Impfung“ dorthin gehen, wo die Menschen sich in ihrem Alltag ohnehin aufhalten und insgesamt das Angebot massiv ausweiten. Das ist auch nötig, denn aktuell schwächelt die Impfkampagne mit gerade einmal ca. 30.000 Erstimpfungen pro Werktag ganz eindeutig. Über diese Initiative darf aber nicht aus dem Blick verloren werden, dass es immer noch zahlreich ungeimpfte Menschen gibt, die den Priorisierungsgruppen 1 bis 3 unterfallen und insoweit besonders vulnerabel sind. Warum diese Einzelfälle immer noch unversorgt sind, mag unterschiedliche Gründe haben. Sei es, dass Betroffene sich in ihrer persönlichen Lage selbst nicht aufraffen konnten, sei es, dass sie technische Anforderungen, die netzaffine Menschen nicht der Rede wert finden, als unüberwindbare Hürden erlebt haben, sei es, dass sie sich vor längerer Zeit angemeldet haben und sie aber die Technik „vergessen“ hat. However: Sollten Sie jemanden persönlich kennen, von dem Sie glauben, dass er nach den einschlägigen Maßstäben geimpft sein sollte, es aber noch nicht ist, so bieten Sie bitte Ihre Hilfe an!

Liebe Leserinnen und Leser, die Bayerische Polizei besteht ein dreiviertel Jahrhundert! Und während im Lebenszyklus eines Menschen sich mit dem 75. Geburtstag häufig der Eintritt in eine ruhigere Lebensphase verbindet, so kann man von „unserer“ Jubilarin sagen, dass sie so agil wie eh und je und personell wie technisch so stark wie wohl nie zuvor ist. Mit dieser 75-Jährigen kann man sicher einen Staat machen und optimistisch in die Zukunft gehen!

Liebend gerne hätten wir wie jeder andere Jubilar ordentlich gefeiert, etwa mit einem großen Bürgerfest. Denn unsere Bayerische Polizei ist eine moderne, bürgernahe Institution für die Menschen im Lande, zu deren Schutz und für deren Sicherheit, fest verankert in der Mitte der Gesellschaft und von den Menschen in Bayern mit einem so großen Maß an Vertrauen ausgestattet, wie es sonst allenfalls noch das Bundesverfassungsgericht genießt. Das wären für die Polizei beste Voraussetzungen gewesen, um sich „ihren“ Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen und mit diesen gemeinsam 75 Jahre Polizei im demokratischen Rechtsstaat würdig zu begehen. Aber Satz mit x, war – wie schon im Frühjahr – auch jetzt wieder nix.

Die Flinte ins Korn zu werfen und einfach nichts zu machen war aber natürlich keine Option für eine Organisation, der es nach ihrem gesetzlichen Auftrag geradezu in den Genen liegen muss, auch in verzwickten Situationen und oft genug unter schwierigen Umständen Lösungen zu finden und aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen. Und so war, nachdem vor etwa vier Wochen klar war, dass in der verbleibenden Zeit und angesichts eines erheblichen organisatorischen Vorlaufes die Corona-Umstände jedenfalls eine Großveranstaltung im Sommer 2021 nicht zulassen würden, schnell der Gedanke geboren, dem Virus mit den Bordmitteln der Polizei ein Schnippchen zu schlagen.

Zu diesen gehören nicht nur Einsatzmittel aller Art wie etwa Hubschrauber, von denen heute zwei Maschinen den Flutopfern in Rheinland-Pfalz zu Hilfe geeilt sind, sondern auch das Polizeiorchester Bayern. Dieses kennen sicherlich viele von Ihnen von den beliebten Neujahrskonzerten im Herkulessaal der Münchner Residenz oder von zahlreichen Benefizkonzerten, die das Ensemble meist in Bayern, aber auch im angrenzenden Ausland gibt. So ging der Auftrag an Generalmusikdirektor Prof. Johann Mösenbichler, in der „Alten Kongresshalle“ auf der Münchner Theresienhöhe ein festliches Konzert aufzuführen und ich muss sagen, das Polizeiorchester Bayern hat wieder einmal Grandioses geliefert. Durchs Programm führte sehr routiniert und ausgesprochen charmant mit Frau Polizeihauptmeisterin Lisa Maier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd ebenfalls ein polizeiliches Eigengewächs. Leider konnten sich aufgrund der Abstandsregeln nur 150 geladene Gäste dem Musikgenuss hingeben. Ministerpräsident Dr. Markus Söder dankte der Bayerischen Polizei mit einer Festrede aus tiefstem Herzen für den täglichen, oft und gerade unter Corona-Bedingungen schwierigen und manchmal auch lebensgefährlichen Einsatz zum Wohle der Menschen in Bayern. Dem kann ich mich nur aus vollster Überzeugung anschließen! Auch wenn es wirklich schade ist, dass nicht mehr möglich war, so bin ich dankbar für das, was die Polizei und die Öffentlichkeitsarbeiter des Innenministeriums trotz widriger Umstände auf die Beine gestellt haben. Sollten Sie sich einen persönlichen Eindruck vom Konzert, dem Videoeinspieler und auch den Reden machen wollen, so empfehle ich Ihnen die Filmaufnahmen, die Sie HIER abrufen können.

Themenwechsel. Aus einer großen Zahl von Zuschriften entnehme ich, dass sich dieser Tage viele Menschen im Lande mit der Vorbereitung von öffentlichen oder privaten, meist kleineren Veranstaltungen befassen, ganz viel Herzblut in die entsprechenden Aktivitäten investieren, weil es besonders gut werden soll, dabei oft aber an unüberwindlich erscheinende Grenzen stoßen. Oft beschreiben die Petenten eine so empfundene Ungerechtigkeit und ein krasses Missverhältnis zwischen dem, was man in bester Absicht tun will, aber – vermeintlich – an den Vorschriften scheitert, während anderen – gefühlt – viel mehr erlaubt ist. Eine so empfundene Benachteiligung wird immer wieder aus dem kirchlichen Bereich berichtet, konkret im Zusammenhang mit der Feier der Ersten hl. Kommunion oder der Firmung bzw. Konfirmation.

Wie ich höre, treibt aktuell landauf landab in vielen katholischen Pfarrgemeinden die Pfarrer, Kommunionhelferinnen und -helfer und natürlich die Erstkommunionkinder das Problem um, ob diese – und nur diese – während dieses ganz besonderen Gottesdienstes im Leben eines (jungen) Christen die nach den geltenden Infektionsschutzvorschriften ausnahmslos zu tragende FFP-2-Maske nicht doch abnehmen dürfen. Das wäre der sehnlichste Wunsch der Beteiligten, aber umgekehrt wollen diese auch nichts falsch machen. Was ich mit Blick auf Wembley, Budapest und Bukarest von den sog. „Verantwortlichen“ der UEFA halte, die angesichts einer 7-Tage-Inzidenz von über 300 und einer grassierenden Delta-Variante fast 65.000 Zuschauer ins Wembley-Stadion lassen, habe ich vielfach deutlich gemacht: Nichts! Völlig anders liegt die Sache dagegen bei den besagten kirchlichen Feiern. Hier handelt es sich in aller Regel um keine öffentlichen Gottesdienste und schon gar nicht um „Massenaufläufe am Rande des Wahnsinns“. Zutritt haben allein geladene und damit namentlich bekannte Gäste, meist nahe Verwandte und nahestehende Personen wie Taufpaten. Deren Kreis bemisst die Pfarrei in aller Regel sehr knapp, um in der Kirche die Abstandsvorschriften sicher einhalten zu können. Manche Pfarreien teilen gar größere Kommuniongruppen und halten verteilt auf mehrere Tage mehrere Gottesdienste ab, um jeweils den Kreis der Anwesenden überschaubar zu halten. Die Pfarreien gehen also mit der Situation sehr verantwortungsvoll um.

Weil dem so ist und die Kommunionkinder, die regelmäßig in die dritte Grundschulklasse gehen, meist in derselben Klasse sitzen und dort zweimal pro Woche einen Corona-Test machen müssen, sollte es eigentlich vertretbar sein, dass die Kommunionkinder während des Gottesdienstes die Maske ablegen. Das muss keineswegs als „illegale Nacht- und Nebelaktion“ stattfinden, denn die zuständige Kreisverwaltungsbehörde hat die Möglichkeit, auf Antrag eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Ob sie das tut, liegt natürlich in deren eigener Verantwortung und hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Aber wenn eine Pfarrei bei ähnlich niedrigen Inzidenzen, wie wir sie aktuell in Bayern verzeichnen und bei dem geschilderten umsichtigen Vorgehen rechtzeitig an das zuständige Landratsamt oder die Stadtverwaltung herantritt und dann vielleicht noch darauf hinweist, dass die Kinder die Maske sogar während des Ein- und Auszuges tragen, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass die zuständige Behörde sich verweigern wird.

Liebe Leserinnen und Leser, letzte Woche hatte ich Ihnen berichtet, dass sich die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Länder (CdS) in der nicht ganz einfachen Frage der verstärkten Zulassung von Zuschauern zu länderübergreifenden Sportgroßveranstaltungen auf Kernpunkte verständigt hatten. Am Dienstag war es nun die Aufgabe des Ministerrates, nach dieser politischen Einigung auf Bundesebene die Umsetzung in geltendes bayerisches Recht voranzutreiben und dem für die Anpassung der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (13. BayIfSMV) formal zuständigen Gesundheitsminister die entsprechenden Maßgaben an die Hand zu geben. Die Neuregelungen sind heute in Kraft getreten, zur aktuellen Fassung der 13. BayIfSMV klicken Sie HIER. Nachdem es allein um Sportveranstaltungen mit länderübergreifendem Charakter geht, bleibt es für die Mehrzahl der Vereine, die an einem rein landesinternen Spielbetrieb teilnehmen, beim bisherigen Regularium. Der länderübergreifende Charakter ergibt sich hierbei aus einem von vorne herein auf das Gebiet mehrerer Länder angelegten Wettbewerb bzw. Spielbetrieb, nicht aber schon daraus, dass ausnahmsweise ein einzelner Verein am Spielbetrieb eines benachbarten Landesverbandes teilnimmt. Klassische Anwendungsfälle der neuen Regelung sind insoweit Spiele der höchsten Spielklassen (1. bis 4. Liga, DFB-Pokal) im Herren- und Damenfußball, aber auch bei Indoor-Sportarten wie Basketball, Handball, Volleyball oder Eishockey.

Die von der Neuregelung erfassten Vereine haben hierbei ein Wahlrecht. Sie können entweder beim bisherigen Regime bleiben – z.B. unter freiem Himmel bis zu 1.500 Personen, davon maximal 200 auf Stehplätzen, was für kleinere Vereine mit regelmäßig überschaubarer Zuschauerkulisse, etwa in der dritten Fußballliga, interessant sein dürfte – oder sie können die neue Regelung in Anspruch nehmen.

Diese sieht als erstes Kernkriterium vor, dass am Spiel-/Veranstaltungsort eine 7-Tage-Inzidenz von maximal 35 herrscht. Zudem sind weitere Maßgaben beachtlich. So etwa eine maximale Belegung – einschließlich geimpfter und genesener Personen – von 35 Prozent der Stadion-/Hallenkapazität, höchstens aber 20.000 Zuschauer, zwischen deren Sitzplätzen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu wahren ist. Stehplätze sind in dieser Konstellation ausdrücklich nicht zugelassen. Des Weiteren sind aus Gründen der Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten die Tickets nur personalisiert abzugeben sowie die Kontaktdaten zu erfassen. Weiterhin haben die Zuschauer bei Betreten des Stadions oder der Halle einen aktuellen negativen Testnachweis vorzulegen oder ersatzweise ihre vollständige Impfung oder eine Genesung von Covid-19 nachzuweisen, es gelten somit die „3G“. Im Stadion besteht ein striktes Alkoholverbot, d.h. der Verkauf oder der Konsum von alkoholischen Getränken ist untersagt und folgerichtig ist erkennbar alkoholisierten Personen der Zutritt zu verwehren. Last but not least besteht FFP-2-Maskenpflicht, von der allein Zuschauer ausgenommen sind, die sich bei Veranstaltungen unter freiem Himmel am Sitzplatz befinden. Oder anders gewendet: Auf den Laufwegen von und zum Sitzplatz, zum stillen Örtchen, zum Würschtlstand oder zum Ein-/Ausgang zwingend die Maske auf, am Sitzplatz kann diese weg, muss aber nicht.

Diese Bedingungen mögen sehr strikt erscheinen und auch ich hätte mir grundsätzlich ein Mehr an Lockerungen und nach Möglichkeit auch deren Übertragung auf Veranstaltungen ohne länderübergreifenden Charakter gewünscht. Der nun gewählte vorsichtige Ansatz wird aber leichter verständlich, wenn man sich die Erfahrungen des Pilotprojektes UEFA-EM vergegenwärtigt. Da wurde vor allem an den Spielorten mit großen Zuschauerzahlen die hoffnungsfrohe Annahme gründlich widerlegt, dass selbst so richtig auf Betriebstemperatur gekommene Fans nicht wie oszillierende Wellen die Tribünen auf und ab rollen, sondern stabil an ihrem Platz bleiben und zuverlässig auf den Laufwegen die Masken tragen. Diese infektiologisch wichtigen Schutzmaßnahmen kann der Veranstalter, dem übrigens bei Missachtung seiner Pflichten ein saftiges Bußgeld droht, umso besser durchsetzen, je geringer die Zahl derer ist, die sich im Stadion oder der Halle befinden. Die praktischen Erfahrungen und die Entwicklung der einschlägigen Kennzahlen werden zeigen, ob, und wenn ja, an welchen Stellen sich im System „Zuschauer beim Sport“ weitere Lockerungspotentiale finden. Gleiches gilt auch für kulturelle Großveranstaltungen, auf die die am Beispiel des Sports definierten Anforderungen entsprechend anzuwenden sind.

Liebe Leserinnen und Leser, wie eingangs erwähnt war dies nach 94 im täglichen und 56 im wöchentlichen Rhythmus erschienenen Folgen die insgesamt 150ste Ausgabe meines Corona-Newsletters. Nach wie vor ist der Bedarf an authentischer Information in diesem Format erheblich, wie die Klickzahlen und auch die zahlreichen Zuschriften zeigen. Diese Resonanz macht mich außerordentlich zufrieden und natürlich mache ich – vielleicht unterbrochen durch eine Sommerpause – weiter, so lange es nötig ist. Ich danke Ihnen allen sehr herzlich für Ihr Interesse und Ihr Vertrauen und bleiben Sie mir gewogen!

Mit besten Grüßen & auch nach 150 Newslettern gilt noch: „Ooana gäht no, oana gäht oiwei!“

Ihr

Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister